Aktie unter der Lupe
Die RTL-Aktie sorgt für wenig Phantasie

Die Aktie des europäischen TV-Unternehmens RTL Group plc stand rund um die Weihnachtsfeiertage im Fokus der europäischen Aktienbörsen. Der Grund: Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann kündigte an, seine Beteiligung an RTL weiter aufstocken zu wollen.

FRANKFURT/M. Mit dem Erwerb von 22 % der RTL-Anteile, die beim britischen Verlagshaus Pearson und deren spanischer Tochter Recoletos liegen, will Bertelsmann seine Beteiligung auf insgesamt 89 % erhöhen. Der Kurs der RTL-Aktie stieg an Europas Börsen kurz nach Bekanntwerden der Nachricht von 39,50 Euro bis auf 44 Euro - also exakt jenen Preis, den Bertelsmann für die 22-prozentige Pearson-Beteiligung zu zahlen bereit ist.

Dass der Gütersloher Medienriese ankündigte, den freien RTL-Aktionären in absehbarer Zukunft ein Übernahme-Angebot unterbreiten zu wollen, scheint an den Aktienbörsen keine zusätzliche Kursphantasie aufkommen zu lassen, eher ein bisschen Wehmut. Denn mit RTL könnte in diesem Fall in absehbarer Zeit ein populärer Name aus den Kurslisten europäischer Wertpapierbörsen verschwinden.

Gemeinsam mit anderen Aktien der internationalen Medienbranche hatte die RTL-Aktie an den Börsen während des TMT-Booms der vergangenen Jahre Glanzlichter gesetzt. Anleger waren bereit, für die Aktie noch vor rund 18 Monaten Kurse von weit über 150 Euro zu zahlen - danach folgte bis zum September diesen Jahres der dramatische Absturz bis auf 23 Euro. Bei heutigen Kursen von 44 Euro wird die Phantasie auf eine rasche Höherbewertung zum einen durch das deutlich eingetrübte wirtschaftliche Umfeld belastet.

Die Anleger meiden Medien-Aktien derzeit nicht zuletzt wegen der deutlich rückläufigen Werbeeinnahmen. Zum anderen wurde die Hoffnung auf einen weiter steigenden Aktienkurs von RTL durch die Meldung gedämpft, dass Pearson und Bertelsmann über den jetzt vereinbarten Verkaufspreis neu verhandeln wollen, wenn der deutsche Medienriese während der kommenden 18 Monate mit anderen RTL-Anteilseignern einen Verkaufspreis von mehr als 44 Euro je Aktie vereinbaren sollte.

Dementsprechend zeigen sich die Wertpapier-Analysten der Banken derzeit eher zurückhaltend. Simon Baker von Société Générale stuft die RTL-Aktie wegen der jüngst veröffentlichten eingetrübten Geschäftsperspektiven lediglich als "haltenswert" ein. Anfang Dezember hatte das RTL-Management erklärt, das Ergebnis für 2001 werde um 35 bis 40 % unter dem des Vorjahres liegen. Diesen Hinweis haben die Fachleute von Morgan Stanley aufgegriffen, die davon ausgehen, dass in der Medienbranche eine Erholung im Werbe- und Anzeigengeschäft derzeit weiter entfernt ist, als die Akteure an den Aktienmärkten zu glauben scheinen.

Darüber hinaus weisen die Analysten von Morgan Stanley auf den härter werdenden Wettbewerb in der Branche und den damit kräftig steigenden Kosten für den Einkauf von Film- und TV-Rechten hin. Daher wird der als volatil eingestuften RTL-Aktie bei Morgan Stanley für die absehbare Zukunft lediglich eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung zugetraut.

Eine neutrale Einstellung zu RTL haben Gareth Hunt vom Finanzhaus Goldman Sachs sowie Neil Blackley vom Brokerhaus Merrill Lynch. Die RTL-Aktie werde an den Börsen derzeit mit mehr als dem 35fachen des für das Jahr 2002 zu erwarteten Gewinns je Aktie bewertet, heißt es bei Merrill Lynch. Neil Blackley schätzt den Gewinn je Aktie für das kommende Jahr auf lediglich 1,10 Euro. Überdurchschnittliches von der RTL-Aktie erwartet indes Charles-Henri Neme vom französischen Finanzhaus Exane. Er stufte RTL vergangenen Donnerstag als "Outperformer" ein.

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