Aktie unter der Lupe
Die schwedische Volksaktie Telia ist ein Flop

Grund zum Jubeln haben die Aktionäre des schwedischen Telekom-Konzerns Telia in den vergangenen zwei Jahren nicht gehabt. Seit der Börsenpremiere im Sommer 2000 ist der Kurs um 60 % eingebrochen.

STOCKHOLM. In einer landesweiten Werbekampagne war der Titel des Ex-Monopolisten den Bürgern als "Volksaktie" schmackhaft gemacht worden: Mehr als eine Millionen Schweden ließen sich überzeugen und kauften zum Ausgabepreis von 85 Kronen (9,1 Euro) Pakete von 100 oder 200 Telia-Aktien. Eine effektivere Kapitalvernichtung hätten sie nicht wählen können, heute steht die Aktie bei 30,4 Kronen.

Und die Aktionäre der noch zu 70,6 % in Staatsbesitz befindlichen Telia werden nach Ansicht von Analysten wohl noch einen langen Atem benötigen. "Das Problem ist das fehlende Wachstum", sagt Håkan Wranne, Telekom-Analyst bei Fischer Partners in Stockholm. "Der schwedische Markt ist sowohl im Mobilfunk wie auch im Festnetzbereich gesättigt. Das macht die Aktie langweilig", lautet sein Urteil. Fischer Partners hat ein Einjahres-Kursziel von 40 Kronen gesetzt. Positiv sei allenfalls das starke Mobilfunk-Engagement von Telia in den baltischen Ländern und Russland. "Doch auf den Gesamtkonzern bezogen, steht Osteuropa für nur einen sehr kleinen Anteil", so Wranne.

Dass sich der Telia-Kurs seit zwei Jahren auf einem kontinuierlichen Tauchgang befindet, liegt nicht nur an der allgemeinen Stimmung in der Telekom-Branche. So sorgte der Ex-Monopolist für weltweite Schlagzeilen, als er bei der Vergabe der vier UMTS-Mobilfunk-Lizenzen in Schweden wegen technischer Defizite leer ausging. Mittlerweile hat Telia ein Kooperationsabkommen mit einem Konkurrenten abgeschlossen und kann ohne eigenes Netz am Mobilfunkstandard der dritten Generation teilnehmen.

Nach der in letzter Sekunde an nationalen Eitelkeiten gescheiterten Fusion mit dem norwegischen Konkurrenten Telenor vor zwei Jahren steht Telia vor einem zweiten Versuch, Europas erste grenzüberschreitende Telekom-Ehe zweier staatlich kontrollierter Konzerne einzugehen. Im März gaben Telia und die finnische Sonera die Zusammenlegung beider Unternehmen bekannt. Auch diese Eheschließung ist noch nicht unter Dach und Fach.

Seit der Präsentation des Deals ist der Aktienkurs beider Konzerne weiter gesunken. Damit könnte die Fusion noch in Gefahr geraten, auch wenn die meisten Analysten dieses Szenario für unwahrscheinlich halten. "Leider glaube ich, dass die Ehe schon aus politischen Gründen geschlossen wird", sagt Håkan Persson, Telekom-Analyst bei Aragon in Stockholm. Er glaubt, Telia stünde allein besser da, weil der Konzern im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten kaum verschuldet ist. Die Fusion mit Sonera bringt Telia aber den Schuldenberg der Finnen von rund 2,5 Mrd. Euro ein.

Für Telia allein wirkt sich weiter negativ aus, dass die Kosten der Fusion noch unklar sind. Möglicherweise müssen die Schweden wegen der gefallenen Aktienkurse ihre Barzahlung an die Sonera-Aktionäre von 300 Mill. Euro erhöhen. Außerdem hat der Konzern Anfang Mai sein Umsatzwachstumsziel für das laufende Jahr von 8 bis 10 % auf unter 8 % revidiert. "Es gibt interessantere Aktien", meint Persson.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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