AKTIE UNTER DER LUPE
Digitaldruck bietet am meisten Story

Der geringe Streubesitz von Heidelberger Druck war lange ein Hemmschuh für weitere Kursfantasien. Jetzt will der RWE-Konzern 6,15 % der Anteile der Tochter an der Börse platzieren.

jkn FRANKFURT/M. Die Nachricht war von den Finanzmärkten bereits erwartet worden: Der RWE-Konzern will weitere 6,15 % der Anteile der Tochter Heidelberger Druckmaschinen AG platzieren. Analysten hatten den geringen Streubesitz - nur 16 % des Heidelberger-Kapitals sind frei handelbar - als ein Hemmschuh für weitere Kursfantasien genannt. Die Experten von Credit Suisse First Boston (CSFB) verpassten dem Maschinenbauer deshalb sogar einen Abschlag von 10 %.

Die RWE-Ankündigung sei "ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Susanne Schwartze von M.M. Warburg Bank & CO, wenngleich sie mehr erwartet hätte. Jetzt hofft die Finanzexpertin wie viele ihrer Kollegen auf weitere Schritte noch in diesem, spätestens aber im kommenden Jahr, wenn der Fiskus Beteiligungsverkäufe steuerfrei stellt. Das Heidelberger-Management hatte eine Erhöhung des Streubesitzes um 15% auf 30 bis 35% in Aussicht gestellt und dabei auf Gespräche auch mit den anderen Großaktionären Almüco (Commerbank, Münchener Rück und Allianz) sowie Commerzbank verwiesen.

Der Aktie des Weltmarktführers für Druckmaschinen dürfte ein hoher Streubesitz gut tun. Zwar bleibt eine Dax-Aufnahme vorerst wohl ein Ziel der ferneren Zukunft. Dessen ungeachtet dürfte das Papier mehr Beachtung auf dem Börsenparkett finden. Schließlich bescheinigen Branchenkenner dem Unternehmen gute Wachstumsaussichten. Entsprechend ambitioniert sind die Kursvorgaben der Analysten: Sie lauten auf 70 bis 80 Euro. Aktuell kostet eine Heidelberger-Aktie rund 63 Euro.

Die Zahlen der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2000/01 (zum 31. März) bestätigen die hohen Erwartungen. Der Umsatz stieg um 15,3 % auf 3,5 Milliarden Euro, der Auftragseingang legte um 28,8 % auf 4,4 Milliarden Euro zu. Der Nachsteuergewinn wuchs wegen hoher Investitionen in neue Produkte und Märkte nur um 4 % auf 166 Millionen Euro.

Auch die sich eintrübenden Aussichten im US-Markt ändern an den positiven Aussichten nach Analysten-Meinung nur wenig. Mit den nach wie vor gut gefüllten Auftragsbüchern sowie einer stärkeren Nachfrage in Europa und Asien werde Heidelberger mögliche US-Effekte ausbalancieren können, glauben die Experten von CSFB. Schwartze von M.M. Warburg geht zwar davon aus, dass die US-Schwäche Spuren hinterlassen wird. Betroffen sei vor allem der Bogenbereich, auf den nach wie vor der größte Teil der Umsätze entfällt. "Aber die Wachstumsstory kommt nicht aus dieser Sparte, sie kommt woanders her", sagt Schwartze.

Für eine "Story" sorgt etwa der Digitaldruck, auf den die Analysten erwartungsfroh blicken. Schließlich hat die Schwarz-Weiß-Digitalmaschine "Digimaster" bislang alle Erwartungen übertroffen. Heidelberger ist es damit im Geschäft für Kleinauflagen gelungen, Marktführer wie den großen Kopiererhersteller Xerox vom Thron zu stoßen. M.M.Warburg-Analystin Schwartze geht davon aus, dass Heidelberger Ähnliches mit der Farb-Variante "Nexpress" gelingen könnte, die ab Sommer diesen Jahres auf den Markt kommen soll.

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