Aktie unter der Lupe
DIS ist für den Konjunkturaufschwung gut gerüstet

Mit einem Kurssturz von fast 25 Prozent gehörte die Aktie der DIS Deutscher Industrie Service AG in den vergangenen zwei Wochen zu den ganz großen Verlierern am deutschen Aktienmarkt. Angesichts der wieder pessimistischeren Konjunkturprognosen flüchteten die Anleger zuletzt aus dem Wert. Denn das Geschäft der Offenbacher Zeitarbeitsfirma hängt stark an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. In Rezessionszeiten gehen die Vermittlungsquoten von DIS stark zurück, während das Unternehmen unverändert hohe Personalkosten tragen muss.

FRANKFURT/M. Dieses Missverhältnis verdeutlichen die Zahlen für das zweite Quartal, die Deutschlands fünftgrößter Personaldienstleister am Montag nachbörslich veröffentlichte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging der Umsatz um 9,8 Prozent auf 58 Mill. Euro zurück, das Ergebnis vor Steuern sank sogar um 25,8 Prozent auf 2,7 Mill. Euro. Angesichts der weiterhin schlechten Aussichten für die zweite Jahreshälfte nahm DIS seine Prognose zurück. War das Unternehmen bisher von einem Umsatzwachstum um fünf bis sieben Prozent ausgegangen, erwartet der Vorstand jetzt ein Minus von fünf Prozent. Das Vorsteuerergebnis werde sich voraussichtlich noch schlechter entwickeln und um bis zu zehn Prozent zurückgehen, teilte das Unternehmen mit.

Für Michael Heider, Analyst bei der Berenberg Bank kam die Ankündigung in dieser Höhe überraschend: "Die Umsatzrückgänge im zweiten Quartal habe ich erwartet, für das Gesamtjahr habe ich aber bislang mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet." Bislang hatte Heider die Aktie von DIS auf "Akkumulieren" stehen, diese Einstufung müsse er jetzt überprüfen. Sicher sei bereits, dass er das Kursziel, das bisher bei 28 Euro stand, deutlich senken müsse. Dennoch glaubt er nicht an ein weiteres massives Abrutschen des Kurses: "Ich denke, dass die schlechten Nachrichten inzwischen im Kurs drin sind." Ein Zeichen dafür sei, dass die Aktie nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen und Ausblick nur noch leichtere Verluste hinnehmen musste.

Sobald die Konjunktur anspringt, sieht Heider DIS wieder in guter Position: "In einem Depot, das auf den Aufschwung setzt, sollte DIS auf keinen Fall fehlen", rät er. Die Entwicklung in den letzten fünf Jahren habe gezeigt, dass der Zeitarbeitsmarkt im Aufschwung deutlich schneller wachse als das Bruttoinlandsprodukt. Darauf setzt auch DIS-Vorstandschef Dieter Scheiff, der das durchschnittliche Wachstum der Branche bis 2010 auf zwölf bis 15 Prozent schätzt. Das eigene Unternehmen soll nach seiner Vorstellung sogar noch fünf Prozent stärker zulegen als der Markt.

Bernd Janssen, Analyst bei UBS Warburg, sieht vor allem ein Argument, das für die Offenbacher spricht: "In früheren Zyklen haben Zeitarbeitsfirmen während der Rezession stets die Preise runtergenommen und konnten sie im Aufschwung dann nicht schnell genug anheben, um hohe Margen zu erzielen. Diesen Fehler hat DIS nicht gemacht." Vielmehr bekräftigte Vorstandschef Scheiff am Dienstag, dass DIS lieber immer mal wieder auf Volumen verzichte, wenn es dafür die Preise nicht senken müsse. Ziel sei nicht, den Umsatz um jeden Preis zu steigern, sondern die Rohertragsmarge zu verbessern.

Nicht ohne Bedeutung sollte für DIS dabei die zukünftige Arbeitsmarktpolitik in Deutschland sein. Probleme sieht Berenberg-Analyst Heider aus dieser Ecke aber nicht kommen: "Zeitarbeitsagenturen bei den Arbeitsämtern werden DIS nicht beeinträchtigen, weil das Unternehmen auf den Hochqualifizierten-Sektor setzt." Heider erwartet eher einen positiven Schub durch solche Programme: "Dem Image der Zeitarbeit könnte das nur gut tun - und damit auch DIS."

Quelle: Handelsblatt

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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