Aktie unter der Lupe
Drägerwerk erklimmt neues Allzeithoch

Geschäftsmodell, Börsenbewertung und Kursverlauf - bei Drägerwerk scheint alles zu stimmen. Analysten sind voll des Lobes. Ein Joint-Venture mit Siemens soll nun der große Coup werden.

DÜSSELDORF. Die Aktie des Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnik-Anbieters Drägerwerk hat eine beeindruckende Entwicklung gemacht. Seit Anfang 2001 verdreifachte sich der Kurs. Die Aktie notiert auf Allzeithoch. Drägerwerk wurde 2002 in den MDax aufgenommen und gehört nach der Neuordnung der Index-Landschaft Ende März zu den 30 Werten des neuen Tec-Dax.

Gestützt durch eine steigende Nachfrage nach Sicherheitstechnik in Folge der Terroranschläge des 11. September und eine konjunktur-resistente Nachfrage für medizinische Produkte - Drägerwerk produziert u.a. Brutkästen und Beatmungsgeräte - klettert die Aktie auf immer neue Höchststände. Die vorläufigen Zahlen für 2002, die das Unternehmen jetzt veröffentlichte, untermauern diese Entwicklung: Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 30 % auf 64,5 Mill. Euro, der Jahresüberschuss verdoppelte sich gar von 10,2 auf 19,8 Mill. Euro.

Und das Management hat den Grundstein für weitere Kursgewinne bereits gelegt. Der ertragsschwache Bereich Raumfahrttechnik wurde zu Jahresbeginn an die britische Cobham - Gruppe verkauft, und auch von der Elektronik-Sparte trennte sich das Unternehmen. Drägerwerk will sich künftig verstärkt auf die Medizintechnik konzentrieren und plant hier den großen Coup: Seit einigen Monaten laufen zwischen Brüssel, München und Lübeck die Telefonleitungen heiß. Im November 2002 hatten Drägerwerk und Siemens den Zusammenschluss ihrer Medizintechnik-Sparten verkündet. Die Pläne für den Zusammenschluss liegen jetzt bei der EU-Wettbewerbsbehörde.

Die neue "Dräger Medical AG & Co. KgaA" soll mit 5 600 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 1,1 Mrd. Euro erzielen. Für Drägerwerk, das 65 % der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen halten soll, wäre dies ein "Quantensprung", sagt Markus Krämer, Analyst bei Sal. Oppenheim. Bislang machen die Lübecker konzernweit einen Jahresumsatz von rund 1,3 Mrd. Euro.

Ein positiver Bescheid aus Brüssel "könnte den Kurs in neue Dimensionen bringen", sagt Alexander Burger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Aber auch im Falle eines Scheiterns der Fusion sieht er weiteres Potenzial für Drägerwerk: "Mit einem KGV von ungefähr 13 auf Basis der für 2003 erwarteten Gewinne ist die Aktie noch günstig bewertet".

Markus Krämer stimmt dieser Ansicht zu: "Drägerwerk hat die Profitabilität schneller und deutlicher verbessert, als wir erwartet hatten." Der Analyst führt dies in erster Linie auf die erfolgreiche Restrukturierung des Medizintechnik-Sektors und die Neuausrichtung des Vertriebs zurück.

Wie Burger, der die Aktie mit "Kaufen" bewertet, sieht auch Krämer Drägerwerk als sichere Anlage: "Aufgrund der geopolitischen Lage wird die Nachfrage im Sicherheits-Geschäft weiter hoch sein. Das schafft ein Polster für die Veränderungen in der Medizintechnik und sichert die Aktie nach unten ab." Der faire Wert für das Papier liege bei 31 Euro. Selbst die trotz einer Erhöhung auf 35 Cent je Vorzugsaktie immer noch geringe Dividende ist für Burger kein Schönheitsfehler: "Wenn die Gewinne im Unternehmen sinnvoll investiert werden, haben die Investoren auf lange Sicht mehr davon, als wenn Gewinne als Dividende ausgeschüttet werden", gibt er zu bedenken.

Noch aus einem anderen Grund traut LBBW-Analyst Burger der Drägerwerk-Aktie Kurssprünge zu: "Lange Zeit wurde dem Unternehmen vorgeworfen, dass es den Shareholder Value vernachlässige und wenig Transparenz biete. Dieser Vorwurf ist jetzt nicht mehr angebracht." Als Zeichen für die größere Offenheit von Drägerwerk wertet Burger, dass im Mai erstmals eine Analystenkonferenz abgehalten werden soll. Von dieser erhofft er sich neue Erkenntnisse über die Verhandlungen mit der EU-Kommission.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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