Aktie unter der Lupe
Duponts Schlankheitskur kommt gut an

Der amerikanische Chemiekonzern Dupont will mit der geplanten Abspaltung der Textilsparte Dynamik und höhere Gewinnmargen erreichen. An der Wall Street wurde die Nachricht mit Kursgewinnen aufgenommen. Ohne jegliches Risiko ist die geplante Umstrukturierung jedoch nicht.

CHICAGO. Ein Gewinnwachstum von 10 % verspricht Dupont-Finanzschef Gary Pfeiffer seinen Aktionären nach der Trennung von der Textilsparte. Selbst bei einem Ertragsplus von 6 % bis 8 % erwarten Wall Street Analysten einen markanten Anstieg der Titel von Dupont. "Falls Dupont wirklich hält, was es verspricht, rechnen wir mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 bis 18", meint John Moten von Deutsche Banc Alex. Brown. Bei einem KGV von 17 dürften die Titel rund 50 $ wert sein. Gestern stand die Aktie knapp unter 47 $.

Leicht fällt dem Dupont-Management die Trennung von der Textilsparte indes nicht. Immerhin wurde in den hauseigenen Forschungslaboren der Wunderstoff Nylon erfunden, was dem Konzern eine marktführende Stellung in diesem Bereich verschaffte. Auf Grund von Preiskämpfen und Kostendruck aus Asien schrumpften die Gewinne jedoch zunehmend. Mit der Abspaltung von den weniger profitablen Teilen will der Chemieriese sich weiter auf forschungsintensive und vor allem margenträchtige Sparten konzentrieren. "Wir erachten diese Abspaltung als positiv, sowohl kurzfristig als auch auf längere Sicht", sagt Gene Pisasale von Wilmington Trust, dem größten Aktionär von Dupont.

Merrill Lynch sind positiv gestimmt

Dieser Meinung schließen sich auch die Analysten von Merrill Lynch an, die dem Konzern die Wandlung in ein dynamisches Wachstumsunternehmen durchaus zutrauen: "Wir glauben, dass Investoren die neuesten Portfolio-Veränderungen unterschätzt haben." Der geplanten Abspaltung des Textilgeschäfts ging der Verkauf der Pharmasparte voran, wobei Dupont ebenfalls auf Abspeckung zugunsten der Profitabilität setzte.

Nun will der Konzern sich hauptsächlich auf zwei Bereiche konzentrieren, die Sparte Elektronik und Kommunikationstechnologien sowie das Geschäftsfeld Schutz- und Sicherheit. Dupont bietet Materialien und Dienstleistungen für beide Geschäftsbereiche an. Beobachter sehen dort sowohl hohe Margen als auch ein stetiges Wachstum.

Spekulation um Börsengang der Textilsparte

Für den Dupont-Aktionär stellt sich im Rahmen dieser Entwicklungen die Frage, ob das Management all diese strategischen Züge auch wirklich ausführen kann. Dies ist längst nicht so klar wie es Pfeiffer und seine Mannschaft gerne darstellen. Erstens fehlt dem Chemiekonzern die Erfahrung, solch umfangreiche Restrukturierungen umzusetzen. Zweitens sind Bereiche wie Kommunikations- und Sicherheitstechnologie weit risikoreicher als das etablierte Nylon-Geschäft. "Bis wir nicht einen besseren Überblick über den Restrukturierungsprozess erhalten, verzichten wir auf Investitionen in Dupont-Titel. Wir werden jedoch die Aktie im Auge behalten", meint Daniel Quinn von Morningstar, einem Vermögensverwalter aus Chicago.

Wie die Abspaltung durchgeführt werden soll, steht noch nicht fest. In Finanzkreisen spekuliert man auf einen Börsengang der Textilsparte. Im gegenwärtig rauen Börsenklima könnte der Dupont-Textilbereich durchaus auf große Nachfrage der Anleger stoßen. "Dupont's Ruf als robustes Industrieunternehmen mit solider Bilanz ist in einem von Enron geplagten Markt mit Sicherheit ein Plus", sagt Donald Carson von JP Morgan.

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