Aktie unter der Lupe
Durchhänger für die Allianz-Aktie

Der Aktienkurs des größten deutschen Finanzkonzerns Allianz ist nach Bekanntgabe der Ergebnisse des dritten Quartals am vergangenen Mittwoch unter Druck geraten. An zwei Tagen verlor der Wert über 5 %. Erst am Freitag erholte er sich wieder leicht um 1 % auf rund 262 Euro.

MÜNCHEN. Zahlreiche Finanzanalysten zeigten sich überrascht, dass die Allianz ihre Schadenschätzung für das World Trade Center um eine halbe Milliarde auf 1,5 Mrd. Euro nach oben korrigieren musste. Die Münchener Rück hielt einen Tag später an ihrer Schätzung für den eigenen Konzern von 2,1 Mrd. Euro fest. Werner Schirner, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, erwartet allerdings, dass die Schäden durch die künftig stark steigenden Prämienniveaus in den Sparten Luftfahrt-, Industrie- und Rückversicherung überkompensiert werden. Zudem will Konzernchef Henning Schulte-Noelle bei der Versicherung von Risiken aus Terrorismus und Krieg künftig den Staat mit in die Verantwortung nehmen. Entsprechende Verhandlungen mit der Regierung werden geführt.

"Allianz und Münchener Rück haben in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich verloren", hieß es an der Frankfurter Börse. Dass die Allianz bei der Schätzung der Schadenshöhe mit 500 Mill. Euro daneben gelegen habe, sei schon seltsam, fügte ein Börsianer an.

Händlern zufolge steht die Aktie der Allianz zusätzlich unter Verkaufsdruck, weil die Deutsche Bank das Papier von der europäischen Empfehlungsliste genommen habe. Die erstmalige Konsolidierung der Dresdner Bank, die Schäden aus den Anschlägen auf das World Trade Center und Veränderungen in der Bilanzierung hätten die Ergebnisse undurchsichtiger gemacht. "Das dürfte zu einiger Verwirrung über die Ertragskraft des Konzerns geführt haben", hieß es in einer Kurzstudie der Deutschen Bank. Die Bank behielt aber ihr Kursziel von 295 Euro bei. Außerdem bekräftigte sie ihre Kaufempfehlung.

Für die Analysten von Goldman Sachs lagen die Quartalszahlen im Rahmen der Erwartungen. Die Investmentbank bleibt bei ihrer positive Einschätzung und sieht weiterhin Zeichen für starkes Ertragswachstum in der Zukunft. Goldman Sachs behält seine Prognosen für 2002 und 2003 bei. Nur der Gewinn pro Aktie wurde leicht verringert, um die höhere Schadenerwartung von den Terroranschlägen widerzuspiegeln. Goldman Sachs schätzt den Wert der Allianz Aktie auf 320 Euro, auch wenn das Potenzial der Dresdner Bank nicht realisiert wird.

Andere Analysten zeigten sich vor allem vom hohen Ergebnisbeitrag der Dresdner Bank überrascht, die seit dem 23. Juli erstmals in den Konzernabschluss der Allianz einbezogen wird. Dank des Verkaufs zahlreicher Industriebeteiligungen steuerte die Bank 314 Mill. Euro bei. Operativ hat die Bank nach Angaben des Allianz-Finanzchefs Helmut Perlet 90 Mill. Euro Verlust erwirtschaftet. Allein 237 Mill. Euro vom Ergebnis entfielen auf Neubewertungen und unterschiedliche Bilanzierungsvorschriften für Banken und Versicherungen.

Konzern hat "durchaus kreative Methoden"

Für Carsten Zielke von der WestLB Panmure lagen die vorgelegten Zahlen mit Prämieneinnahmen von knapp 38 Mrd. Euro, der Schadenquote von 108,2 % dem Betriebsergebnis von 2,7 Mrd. Euro und dem Gewinn von 1,3 Mrd. über den Erwartungen. Doch zeigte sich der Analyst von der Qualität des Ergebnisses eher enttäuscht: "708 Mill. Euro stammen aus der Veräußerung von Anteilen der Dresdner Bank." Der Reingewinn habe einen Schub erhalten durch das Hedging-Geschäft mit der Wandelanleihe "Miles". Das im Jahr 2000 begebene Programm mit dem Volumen von zwei Mrd. Euro habe zu Nettoeinnahmen von 997 Mill Euro und zusätzlich 953 Mill. Euro aus anderen Derivaten geführt. Zielke kritisiert die "durchaus kreativen Methoden" des Versicherungskonzerns, um in einer der schwersten Jahre der Versicherungsbranche eine stabile Ertragssituation auszuweisen. Dennoch traut Zielke der Allianz zu, die schwierige Situation zu meistern und sogar davon zu profitieren.

Dem Konzern würden künftig die erwartet höheren Prämien zu gute kommen. Auch der Konzentrationsprozess im deutschen Lebensversicherungsgeschäft werde dem Konzern nutzen, da 58 % der Einnahmen im Nicht-Leben-Geschäft erzielt werden. Unter dem Strich erwartet der Analyst, dass sich der Allianz-Konzern besser als der Markt schlägt.

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