Aktie unter der Lupe
Emi hofft und bangt

Der britische Musikkonzern Emi hat es in der gegenwärtigen Wirtschaftslage nicht leicht. Er leidet wie die ganze Branche unter dem schrumpfenden Markt. Doch Fusionsgerüchte lassen den Aktienkurs steigen.

LONDON. Alain Levy hat inzwischen Routine im Überbringen von Hiobsbotschaften. Nachdem der Chef des britischen Musikkonzerns Emi Group Plc im vergangenen Jahr einen Vorsteuerverlust von 153 Mill. Pfund (222 Mill. Euro) melden musste und der Umsatz gesunken war, kündigte Levy den Abbau von 1 800 Stellen an. Damit nicht genug. Anfang des Jahres gestand der Emi-Chef ein, dass der Anteil des Unternehmens am weltweiten Musikmarkt geschrumpft ist: in Europa um 3,2 % innerhalb eines Jahres, in den USA um 2,2 %. Angesichts der schlechten Nachrichten flüchteten die Anleger aus der Emi-Aktie. Innerhalb eines Jahres verlor sie rund zwei Drittel an Wert.

Emi ist mit einem Umsatz von 3,15 Mrd. Pfund (4,57 Mrd. Euro) weltweit die Nummer drei in der Musikbranche. Das Unternehmen leidet wie seine vier großen Konkurrenten Universal, Warner, BMG und Sony unter dem schrumpfenden Markt. Allein im letzten Jahr sank dessen Volumen weltweit um neun Prozent, ergeben Zahlen des Internationalen Phonoverbandes. Zu den Ursachen zählte neben der Konjunkturschwäche vor allem das illegale Herunterladen von Musik aus dem Internet sowie das Schwarzbrennen von CDs. Emi trifft die Krise besonders hart. Die Briten haben - anders als ihre Konkurrenten - keinen großen Medienkonzern im Rücken.

Doch in den vergangenen Wochen keimte bei den Investoren Hoffnung auf. Von einem Tief bei 80 Pence Mitte März hat sich der Aktienkurs auf über 117 Pence aufgerappelt. Hintergrund waren vor allem Übernahme- und Fusionsgerüchte. Analysten erwarten bald eine Konsolidierung unter den großen Fünf der Branche. Als Partner für Emi kommen dabei Sony, BMG oder Warner in Frage. "Ein solches Zusammengehen würde helfen, die Kosten zu senken", sagt eine Analystin aus London.

Phantasie unter den Anlegern weckte auch die neue Offenheit der Emi-Manager gegenüber dem Online-Verkauf. Mit 140 000 Musiktiteln von rund 3 000 Künstlern will Emi sein Angebot zum legalen Internet-Download gegen Bezahlung verdoppeln, kündigte das Unternehmen kürzlich an. Dazu hat es einen Vertrag mit 20 Website-Betreibern geschlossen, die die Musik im Netz vermarkten sollen. Bisher hatte sich Emi dem Internetvertrieb nur zögerlich geöffnet. Gemeinsam mit BMG und Warner betreiben die Briten zwar bereits den Online-Dienst Musicnet, doch der führt ein Schattendasein. Unter anderem die geringe Auswahl an Titeln schreckt Kunden ab.

Doch der jüngste Kursanstieg der Emi-Aktie steht auf wackeligen Beinen. Am 20. Mai will der Konzern in London die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr verkünden, und Analysten erwarten weitere Enttäuschungen. Zwar verläuft das Sanierungsprogramm offenbar erfolgreich, wie bereits die jüngsten Halbjahreszahlen zeigten: Der operative Gewinn war danach um 83,3 % gestiegen. Doch der Umsatz sinkt weiter. Nach einem Minus von 9,9 % im Herbst gehen Beobachter auch für die kommenden Jahreszahlen von einem Umsatzeinbruch aus. "Emi fehlt eine überzeugende Wachstumsstrategie", klagt Simon Baker, Analyst bei Société Générale.

Weniger pessimistisch eingestellte Marktbeobachter hoffen auf die Rückkehr von Emis Innovationskraft. Die Briten hatten schon oft den besseren Riecher als andere, etwa in den 60ern mit den Beatles oder in den 90ern mit Robbie Williams. Und vielleicht wird ja auch eine der neuesten Emi-CDs ein Kassenschlager: Die Scheibe der VBirds findet angeblich bereits reißenden Absatz vor allem bei Teenagern.

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