Aktie unter der Lupe
EnBW muss noch Hausaufgaben machen

Bei der Energie Baden-Württemberg AG ist die geplante Aktienplatzierung in weite Ferne gerückt. Dennoch arbeitet der Vorstand mit Hochdruck daran, EnBW börsenfit zu machen.

STUTTGART. Die Energie-Baden AG-Württemberg (EnBW) sorgte vergangene Woche für heftigen Wirbel. Der drittgrößte deutsche Energieversorger legte unerwartet Beschwerde gegen die Eon-Ruhrgas Fusion ein, die dadurch jetzt erheblich schwieriger wird.

Auf dem Börsenparkett ist es um die EnBW dagegen sehr still. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern: Ursprünglich hatte der Versorger für das erste Halbjahr 2002 eine Aktienplatzierung geplant. Ein Viertel der EnBW-Aktien sollten an die Börse kommen. Aber wegen des schlechten Börsenumfelds wurde de Sache verschoben.

Wie EnBW-Aufsichtsratschef Wolfgang Schürle vergangene Woche verlauten ließ, ist auch für die erste Jahreshälfte 2003 ein Börsengang nicht geplant. Nur 1,7 % der EnBW-Aktien sind im Streubesitz. Weitere 34,5 % des Kapitals gehören der Electricite de France (EdF), der Rest liegt bei baden-württembergischen Kommunen.

Der geringe Streubesitz ist der Grund, warum die EnBW-Aktie an der Börse bei 32 Euro dümpelt und sich nur sehr wenige Analysten mit diesem Unternehmen befassen. Sie halten die Aktienplatzierung auch in der zweiten Jahreshälfte 2003 für nicht sehr realistisch und begründen dies mit der ungeklärten Führungsfrage bei EnBW. Der amtierende Chef Gerhard Goll will spätestens zum Sommer 2003 in Ruhestand gehen. Nach einem Nachfolger wird gesucht.

"Der neue Mann an der EnBW-Spitze muss erst einmal seine Firmenstrategie entwickeln", argumentiert Rainer Münch, Analyst bei der DZ-Bank. Der Anleger möchte sich zudem vor einem Investment ein Bild von dem neuen Mann machen können. Das koste Zeit.

Christoph Keidel von der BW-Bank will nicht ausschließen, dass es vielleicht überhaupt keine weitere Aktienplatzierung geben wird. Die EnBW stehe nicht unter finanziellem Druck. Für die Kommunen, die ihre Anteile verkaufen wollten, gebe es andere Lösungen.

Die EnBW selbst muss noch intensiv Hausaufgaben machen, um für einen Börsengang fit zu werden. In Analystenkreisen wird das "Geschäftsmodell EnBW" trotz der Eskapaden in branchenfremde Gebiete als solide angesehen. "Der Konzern konzentriert sich jetzt auf das Strom- und Gasgeschäft", lobt Keidel. Für den branchenfremden Schuh- und Dienstleistungskonzern Salamander zeichneten sich Verkaufslösungen ab. Die teilweise sehr teure Einkaufstour, mit der die EnBW ihre Marktposition ausgebaut hat, sieht Keidel als abgeschlossen an: Goll schaue jetzt auf die Erträge. Allerdings gibt es noch einige Verlustbringer im Konzern. Der Billigstromanbieter Yello steckt in tiefroten Zahlen. Für die verlustreiche Telefonfirma Tesion ist bislang kein Abnehmer in Sicht.

Es wäre nicht schlecht, wenn die Anleger neben RWE, Eon und Bewag noch einen weiteren heimischen Energiekonzern zur Auswahl hätten, heißt es generell in Analystenkreisen. Allerdings dürfte es für EnBW nicht einfach werden, sich neben den gut eingeführten Werten zu positionieren. Für Privatanleger ist die EnBW-Aktie vorläufig nicht interessant. "Wer das Glück hat, eine Aktie zu bekommen, weiß nicht, wann er sie wegen des engen Marktes wieder verkaufen kann", sagt Keidel.

Offen ist bei einer Platzierung natürlich auch, zu welchem Kurs sie durchgeführt werden kann.

Quelle: Handelsblatt

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