Aktie unter der Lupe
Eon hat trotz hoher Bewertung noch Spielraum

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat das geschafft, was sich viele Frauen wünschen: an den entscheidenden Stellen zugelegt und sich von überflüssigen Pfunden befreit. Vorstandschef Ulrich Hartmann verfolgt konsequent die Strategie, Randaktivitäten zu verkaufen und Eon voll und ganz auf das Kerngeschäft auszurichten. Im Fachjargon spricht man von der Multi-Utility-Strategie. Dabei soll das Geschäft mit Strom, Wasser und Gas aus einer Hand angeboten werden.

FRANKFURT/M. Erst in der vergangenen Woche haben die Düsseldorfer bekannt gegeben, Anfang kommenden Jahres 51 % ihrer Tochter Veba Oel an das britische Unternehmen BP abzugeben. Im Gegenzug bekommt das Energieunternehmen von BP die Mehrheit an der Gelsenberg AG, über die Eon bei der Ruhrgas einsteigen kann. Gelsenberg hält 25,5 % an Ruhrgas, dem größten Gasversorger Deutschlands, der auch in Europa zu den Top 5 gehört. Zuvor war Eon mit dem Kauf der britischen Powergen der Einstieg ins Wassergeschäft gelungen.

Die Einkaufstour dürfte noch weiter gehen, denn Eon verfügt nach Einschätzung von Analysten über eine Cash-Position von etwa 18 Mrd. Euro. Zur Disposition könnten laut Experten auch die Beteiligungen beispielsweise an Klöckner oder Degussa stehen, da diese nicht zum Kerngeschäft gehören. Das würde dem Konzern - gerade auch mit Blick auf die steuerfreie Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen ab 2002 - zusätzliches Geld einbringen. Geld, das wiederum zur Stärkung der Energiegeschäftsfelder ausgegeben werden kann.

Analysten loben das konsequente Vorgehen Hartmanns, Eon vom Konglomerat zum reinen Energieversorger zu wandeln. "Die 6,5 Mrd. Euro für Veba Oel sind ein Super-Preis. Die Summe liegt sogar noch um 20 Prozent über dem, was wir veranschlagt hatten", sagte Matthias Heck, der die Eon-Aktie für das Bankhaus Sal. Oppenheim beobachtet. Für die Beteiligung an Ruhrgas sei hingegen nur der Marktpreis bezahlt worden. Heck beurteilt die Aktie denn auch als "Outperformer", also als Wert, der sich besser als der Marktdurchschnitt entwickeln wird. Das Kursziel sieht er auf Sicht von sechs bis neun Monaten bei 70 Euro. Damit liegt Heck voll im Trend, denn insgesamt fallen die Analystenurteile zu Eon positiv aus. Nach Informationen der Agentur Bloomberg empfehlen über 56 Prozent der zuständigen Experten das Papier zum Kauf, 38 Prozent sprechen sich für eine Halteposition aus und nur gut fünf Prozent raten zum Verkauf.

Die überwiegenden Kaufeinstufungen mögen auf den ersten Blick überraschen, denn die Eon-Aktie ist bereits gut gelaufen. Von ihrem 52-Wochentief bei 46,50 Euro am 22. März dieses Jahres ist der Wert bereits bis auf 63,70 Euro gestiegen. Damit ist er gar nicht mehr so weit von seinem Allzeithoch bei 66,90 Euro Ende vergangenen Jahres entfernt. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,1 auf Basis der Schätzungen für 2002 ist im Branchenvergleich relativ hoch. Laut Achim Matzke, dem technischen Analysten von Commerzbank Securities, hat Eon aber einen kurzfristigen Aufwärtstrend herausgebildet. Sollte der nächste Widerstand bei 67/68 Euro geknackt werden können, bestehe sogar die Chance auf eine technische Neubewertung, folgert Matzke. Dann sollte die Position deutlich ausgebaut werden. "Wenn die Fokussierung auf die Kerngeschäftsfelder weiter fortgesetzt wird, werden wir auch unsere Kursziele nach oben anpassen", äußerte sich Analyst Heck. Schließlich entfalle bei einem reinen Energieversorger der Konglomeratsabschlag von etwa 15 Prozent, den Eon-Aktionäre derzeit noch hinnehmen müssten.

Auch Philip Bonhoeffer von Merck Finck sieht Eon wegen seiner Marktposition als "Outperformer". Gerade in Zeiten sinkender Aktienkurse seien defensive Werte wie Stromversorger gefragt, zur Depotbeimischung eigneten sie sich daher allemal. Eons Erträge seien sicher, da sich die Strompreise wieder erholten. Das Risiko, dass die Kartellbehörden das Geschäft mit BP noch vereitelten, sei hingegen relativ gering.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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