Aktie unter der Lupe
Ericsson erntet wieder positive Kommentare

Selten haben sich die Geister so geschieden wie im Fall Ericsson. Die Aktie des schwedischen Telekommunikationskonzerns hat in den vergangenen zwei Jahren einen dramatischen Fall erlebt.

STOCKHOLM. Von 300 Kronen (32,96 Euro) auf 3 Kronen - die Anleger konnten kaum so schnell die Charts verfolgen, wie der Kurs nach unten stürzte. Doch nach der 30 Mrd. Kronen-Emission in diesem Herbst, als die neuen Aktien für 3,80 Kronen ausgegeben wurden, hat sich das Bild wieder dramatisch verändert. In wenigen Wochen ist der Kurs wieder auf mehr als 9 Kronen gestiegen - ein Kursgewinn von über 200 %.

Zwar hat Ericsson-Chef Kurt Hellström, bekannt für seine düsteren Prognosen, in jüngster Zeit mehrfach vom "Licht am Ende des Tunnels" gesprochen, doch eigentlich hat sich nach Meinung von Telekom-Analysten nicht viel verändert. "Es ist die Stimmung, die ein wenig besser geworden ist", sagt stellvertretend Håkan Wranne, Telekom-Analyst bei Fischer Partners in Stockholm.

Per Lindberg von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London ist skeptisch, was die Ericsson-Empfehlungen betrifft. "Wenn man weiß, was man tut, braucht man nicht ständig seine Meinung zu ändern", kritisierte er vergangene Woche einen großen Teil seines Berufsstandes in der schwedischen Presse.

Er hat weiterhin für Ericsson ein Kursziel von 45 Kronen, während beispielsweise Wranne die Aktie in den kommenden zwölf Monaten höchstens "bei etwa 15 Kronen" sieht. Wankelmut kann man Lindberg wahrlich nicht vorwerfen: Als der Ericsson-Titel für 300 Kronen gehandelt wurde, hatte er ebenfalls ein Kursziel von 45 Kronen und sah sich der Häme der gesamten Zunft ausgesetzt. "Die meisten Analysten, Makler und Journalisten suchen nur eine Erklärung für das, was in der vorangegangenen Woche passiert ist. Sie empfehlen einen Verkauf, wenn die Aktie bereits gefallen ist und bemühen sich dann um zum Teil hahnebüchene Erklärungen, warum der Kurs gefallen ist", sagt Lindberg.

Er selbst glaubt, dass sich der mobile Daten- und Sprachverkehr bis 2010 in etwa verzehnfachen wird. Die Telekom-Konzerne müssen deshalb schnellstens in den Ausbau ihrer Netze investieren. Und davon werde Ericsson als weltgrößter Hersteller von Mobilfunknetzen am stärksten profitieren. Er rechnet für die kommenden Jahre mit einem Wachstum von 10 bis 15 %.

Auch Håkan Wranne geht von besseren Zeiten für das einstige Flaggschiff der schwedischen Industrie aus: "Die kommen zurück. Die Ericsson-Aktie war extrem unterbewertet." Das Kostensenkungsprogramm, dass auch einen massiven Stellenabbau vorsieht, sei effektiver gewesen als erwartet. Wranne erwartet bereits für das laufende Quartal einen kleinen Gewinn in der Netzwerk-Sparte, die nach der Auslagerung der Handy-Produktion für rund 80 % des Umsatzes steht. "Im Laufe des nächsten Jahres wird Ericsson wieder richtig schwarze Zahlen schreiben", sagt Wranne.

Ganz so positiv sieht die Investmentbank HSBC die Zukunft für Ericsson nicht. Die HSBC-Analysten glauben, dass der finnische Konkurrent Nokia mit Dumpingpreisen für seine Netzwerktechnologie zu einer Existenzbedrohung der Schweden werden kann: Nokia mache mehr als Zweidrittel des Umsatzes mit Handys, die Netzwerksparte zähle also nicht zum Kernbereich der Finnen. Durch eine Preissenkung könne Nokia den Ausbau der Mobilfunknetze ankurbeln, die hochverschuldeten Telekomkonzerne wären vermutlich über jede Einsparmöglichkeit dankbar. Und sind die neuen Netze erst da, wird auch der Absatz von Handys wieder sprunghaft steigen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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