AKTIE UNTER DER LUPE
Ericsson kämpft mit seinen Handys

Die Anleger beim schwedischen Telekommunikationskonzern Ericsson hatten in den vergangenen Monaten wenig Freude bei der Lektüre der Aktienkurse. Der Kurs des größten schwedischen Unternehmens ist im Jahr 2000 stetig gesunken. Vor einem Jahr musste für den Titel mit 230 skr noch doppelt soviel bezahlt werden wie heute. Und die Aussichten für das laufende Jahr sind ebenfalls nicht rosig.

hst STOCKHOLM. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat gerade ihre Erwartungen in Bezug auf Ericsson nach unten korrigiert: Die Bank änderte den Titel von "outperform" auf "neutral" und geht nun davon aus, dass die Schweden ihren Platz als drittgrößter Handy-Hersteller hinter Nokia und Motorola im Laufe des Jahres verlieren werden. Der Ericsson - Marktanteil liegt bei knapp 10 %. Siemens ist dank eines starken deutschen Marktes nah aufgerückt.

Der Grund für den Pessimismus: Die Handys, die zwar nur noch für rund 20 % des Konzernumsatzes stehen. Sie sind zwar weiter das Aushängeschild des Unternehmens, laufen aber nicht so wie geplant. Und das trotz intensiver Versuche, die Fehler der Vergangenheit, als man in Stockholm die Trends verschlief und weiterhin schwarze, eckige Mobiltelefone auf den Markt brachte, wieder auszumerzen.

Bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal 2 000 warnte Ericsson vor einem Ganzjahresverlust im Handy-Bereich in Höhe von rund 16 Mrd. skr (1,8 Mrd. Euro). Dabei soll allein ein Minus von etwa 10 Mrd. skr auf das vierte Quartal entfallen. Jetzt befürchten einige Analysten, dass der Verlust wegen einer Nachfragedämpfung bei Mobiltelefonen noch höher ausfallen könnte. Und das hat die Gerüchteküche in Stockholm mächtig ins Brodeln gebracht.

Einen Tag vor der Bilanz-Präsentation wird gemunkelt, dass Ericsson ein Handy-Joint-Venture mit einem asiatischen Hersteller vorstellen wird. Ericsson selbst hat immer wieder in der Vergangenheit betont, dass ein Verkauf der Handy-Sparte nicht aktuell sei, da das Unternehmen vom Handy-Know How auch bei der Konstruktion der Netzwerke profitiere. Ein Joint Venture wäre indes denkbar. So ließen sich die Produktionskosten für die Telefone deutlich senken. Branchenführer Nokia hat es vorgemacht, das Unternehmen produziert seit längerem in Asien seine Niedrigpreis-Geräte und kommt so bei den Handys auf eine Gewinnspanne von über 20 %.

"Wenn die Konzernleitung gar nichts zu den Handys sagt, wird es an der Börse turbulent zugehen", glaubt Håkan Wranne, Telekommunikationsanalyst bei Fischer Partners in Stockholm. Er mahnt jedoch, sich eher auf die Stärken von Ericsson zu besinnen. "Im Netzwerkbereich liegen die Gewinne." Tatsächlich macht das schwedische Unternehmen rund 80 % seines Umsatzes mit dem Verkauf von Netzwerken für den jetzigen Mobilfunkstandard und den UMTS-Standard der dritten Mobilfunkgeneration. Bisher hat Ericsson 22 der insgesamt 33 offiziell bekanntgegeben UMTS-Lieferaufträge erhalten. Ericsson-Chef Kurt Hellström rechnet mittelfristig mit einem Marktanteil in diesem Bereich von etwa 40 % für sein Unternehmen.

"Wir stellen uns langfristig positiv zu Ericsson", sagt Wranne, schließt aber kurzfristige Schwankungen nicht aus. Ein anderer Analyst, der namentlich nicht genannt werden will, hebt dagegen Unsicherheiten auch bei der Netzwerk-Sparte hervor. "Die Unsicherheiten bei der Finanzierung und dem Ausbautakt der neuen UMTS-Netze können zu Turbulenzen führen".

Nach einer Umfrage unter Analysten wird Ericsson einen Gesamtumsatz für 2 000 von 193,8 Mrd skr ausweisen. Für das laufende Jahr rechnen sie mit einem Plus von etwa 25 %. Der Vorsteuergewinn wird bei 23,7 Mrd skr liegen. Das vierte Quartal wird Ericsson wegen der Handys zum ersten Mal seit Jahren allerdings rote Zahlen bescheren.



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