Aktie unter der Lupe
Escada-Aktie profitiert vom Sparkurs

Mit Restrukturierungen und Kostensenkungen will der Modekonzern Escada die Konsumflaute überstehen. Analysten sind zuversichtlich, dass dies gelingt. Davon sollte auch die Aktie profitieren.

FRANKFURT/M. Der Einbruch im Einzelhandel sei so schlimm, wie man es noch nie zuvor erlebt habe, hieß es jüngst beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) zur Konsumflaute. Das hinterlässt auch beim Luxusmodekonzern Escada seine Spuren. Seit April ging es mit der im MDax gelisteten Escada-Aktie 40 Prozent nach unten auf derzeit knapp 15 Euro.

Am Montag präsentierte Escada sein Neun-Monats-Ergebnis. Das Ergebnis nach Steuern drehte demnach wieder ins Plus. Das hat Escada vor allem dem ersten Quartal zu verdanken, in dem das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg, im zweiten und dritten Quartal hingegen war das Ebit rückläufig. "Die Zahlen waren nicht schlecht. Schaut man sich die Kursentwicklung der Escada-Aktie an, hatte der Markt eher mit einer Gewinnwarnung gerechnet", sagt Christoph Schlienkamp, Leiter der Aktienanalyse beim Bankhaus Lampe. Peter-Thilo Hasler von der Hypo-Vereinsbank schreibt in einer aktuellen Studie: "Für eine Anlage in Escada spricht, dass das Unternehmen eine Turnaround-Story im klassischen Sinn ist." Das Unternehmen hat also den Sprung von einem Verlust in die Gewinnzone geschafft.

Viele Analysten sind der Meinung, dass es mit der Escada-Aktie bald wieder bergauf gehen müsste. Das machen sie allerdings davon abhängig, wie das Unternehmen aus Aschheim bei München seine Umstrukturierung vorantreibt und wie sich die Konjunktur erholt. Schlienkamp empfiehlt das Papier als Outperformer mit einem Kursziel von rund 20 Euro. Nils Lesser von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet mit einem Kursziel von 23 Euro, "sofern es Escada gelingt, die Desinvestitionsstrategie vollständig umzusetzten." Denn schon seit längerem will sich Escada von denjenigen Sparten trennen, die nicht zum Kerngeschäft mit den Marken Escada Collection und Escada Sport gehören.

Für Laurel, Primera oder Kemper wurde bisher aber kein Käufer gefunden. Verkauft wurde bisher nur die Sparte Escada Beauté an Wella. "So zügig wie erwartet, sind die Desinvestitionen bei Escada nicht vorangegangen", sagt Schlienkamp. Trinkaus-Analyst Lesser ist der Meinung, das Problem liege auch bei den Marken, die Escada loswerden wolle. Diese seien nicht so stark wie die Kernmarke selbst, deshalb sei es etwas schwieriger, einen Käufer zu finden. "Escada will die Desinvestitionen bis Ende 2003 abgeschlossen haben, ich bleibe da etwas skeptisch", sagt Lesser, der empfiehlt, die Escada-Aktie "aufzustocken".

Als Erfolg von Escada-Finanzvorstand Georg Kellinghusen gilt bei Analysten dessen Sparprogramm. Kellinghusen hat sich für das Gesamtjahr Kostensenkungen von mindestens 35 Mill. Euro vorgenommen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres konnte Escada die Kosten bereits um fast 29 Mill. Euro senken. "Auch bei der Höhe der Kosteneinsparungen war ich zuerst skeptisch, aber jetzt bin ich mir sicher, dass Escada sein Ziel erreichen wird", sagt Lesser.

Als weiterer Pluspunkt der Escada-Aktie gilt Analysten zudem die am Mittwoch auf der außerordentlichen Hauptversammlung beschlossene Umwandlung von stimmrechtslosen Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien. Die Unterscheidung in zwei Aktiengattungen kam vor allem bei angelsächsischen Investoren nicht gut an. Denn sie wollen mit einer Aktie auch Stimmrechte kaufen.

Trotz der erfolgreichen Kostensenkung und der günstigen Bewertung lastet auf der Escada-Aktie immer noch die Konsumflaute. Gerade Luxusgüter haben es derzeit schwer. Kurzfristig werde sich bei der Aktie deshalb nicht so viel tun, sagt Lesser. "Denn dem Einzelhandel geht es weiter schlecht."

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