Aktie unter der Lupe
Escada beglückt die Aktionäre

Das Münchener Modeunternehmen Escada hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Verlust bringende Marken und die schleppende Konjunktur schlugen sich in einem dicken Minus nieder. Das Restrukturierungsprogramm zeigt nun erste Blüten. Analysten sind optimistisch, dass Escada die Krise bald überstanden hat.

DÜSSELDORF. Normalerweise macht Escada, die Lieblingsmodemarke der Hollywoodstars, Schlagzeilen der Art "welche prominente Schauspielerin trägt wann eine Luxusrobe von Escada". Diese Woche allerdings ging es in der Konzernzentrale in Aschheim bei München um handfeste Zahlen: Am Montag meldete das Unternehmen den Verkauf der verlustbringenden Kosmetiktochter Escada-Beauté an den Darmstädter Kosmetikkonzern Wella. Ein Preis wurde nicht genannt. Außerdem produziert Wella nun in Lizenz für Escada Kosmetik. Am Dienstag stellte das Unternehmen auf der Bilanzpressekonferenz die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 vor. Sie fielen unerwartet gut aus. Zudem kündigte Firmengründer, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitseigner Wolfgang Ley an, die Vorzugsaktien des im Nebenwertesegment MDax notierten Unternehmens in Stammaktien umwandeln zu wollen.

All dies sind gute Nachrichten für Anleger und Analysten. Die Aktie stieg um rund 5 % auf über 20 Euro, nachdem es für das Papier ein Jahr lang vor allem bergab gegangen war. Insbesondere den Verkauf der Kosmetiksparte würdigten die Analysten. "Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung", sagte Nils Lesser, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhard, und stufte das Papier von "reduzieren" auf "vermehren" hoch. Auch die Hypo-Vereinsbank und Commerzbank Securities schätzen die Aktie als "outperformer" beziehungsweise "Kauf" ein.

Zum Leidwesen der Analysten hatte sich das Unternehmen in der Vergangenheit zu wenig auf das lukrative Kerngeschäft mit der Luxusmode konzentriert. Die Münchner wollten mit Marken aus dem Mittelpreissegment, wie Laurèl, Primera und Kemper, ihr Risiko breiter streuen. Das Gegenteil geschah, die Marken brachten eher Verluste. Mit Escada Beauté produzierte und vertrieb die Firma dann auch noch selbst Kosmetikartikel. Die meisten Modefirmen wollen zwar auf das lohnende Geschäft mit Accessoires und Kosmetik nicht verzichten, lassen diese Artikel allerdings von anderen Unternehmen in Lizenz herstellen.

"Die Stärken von Escada liegen eindeutig in der Mode und da im Luxussegment. Escada ist eine sehr bekannte und starke Marke", meint Analyst Michael Heider von der Berenberg Bank. In diesem Bereich spielt Escada in einer Liga mit Gucci oder Prada. Escada hatte zwar schon seit längerem angekündigt, sich im Rahmen der Restrukturierung des Konzerns wieder auf die Luxusmode konzentrieren zu wollen und die Marken Laurèl und Primera zu verkaufen - bislang ohne Erfolg. "Wir wollen nicht länger warten als nötig, aber wir haben auch keine Eile", sagte Firmenchef Wolfgang Ley dazu am Dienstag.

Eine weitere Überraschung für die Analysten boten auch die Geschäftszahlen für das erste Quartal. Danach verbuchte Escada ein Ergebnis vor Steuern (Ebit) von 11,9 Mill. Euro. Analysten hatten mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis gerechnet. Außerdem will Escada eine Dividende zahlen, denn der Ausblick sei positiv. "Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass sie auf dem Weg der Besserung sind", sagt Lesser.

Denn das Geschäftsjahr 2000/2001 war alles andere als rosig verlaufen. Escada hatte unter der Konjukturflaute und den Terroranschlägen in den USA schwer zu leiden. Die USA sind ein wichtiger Markt für das Luxuslabel. So schlug das Geschäftsjahr mit einem Ergebnis vor Steuern von minus 17 Mill. Euro zu Buche.

Wegen der positiver Meldungen aus Aschheim sehen die Analysten nun Land für Escada. "Wenn Escada die Desinvestitionen weiter führt, die Kosten noch mehr reduzieren kann und die Konjunktur wieder anzieht, ist Escada wieder auf dem aufsteigendem Ast", sagt Peter Wirth, Analyst bei WestLB Panmure. Er schätzt die Aktie neutral ein. Auch Berenberg-Analyst Heider könnte sich vorstellen, das Unternehmen von "halten" hoch zu stufen, "wenn das Restrukturierungsprogramm weitere Erfolge zeigt." Wichtig sei, dass Escada wie angekündigt, die Vorzugsaktien in Stammaktien umwandele, um den Verbleib im MDax zu sichern.

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