Aktie unter der Lupe
Escadas Kursverlauf macht eine gute Figur

Escada gilt auch an der Börse wieder als schick. Der Modekonzern konzentriert sich auf seine profitablen Luxusmarken und baut das Geschäft mit Accessoires aus. Das kommt bei den Anlegern gut an. Nun muss Escada beweisen, dass eine Luxusmarke auch bei Konsumflaute im Geschäft bleibt.

HB FRANKFURT/M. Escada kommt auch an der Börse wieder in Mode. Seit Freitag hat die Aktie bei überdurchschnittlich hohen Umsätzen um rund 20 Prozent auf etwa 173 Euro zugelegt. "Vor allem Fonds aus den USA und Großbritannien haben zugekauft", sagt Hartmuth Höhn von der Berenberg Bank. Auf dem Börsenlaufsteg ziehen die Aktien internationaler Bekleidungskonzerne wieder stärker die Blicke der Anleger auf sich. Hugo Boss hat mit guten Zahlen die positive Stimmung unterfüttert, sagen Analysten. Am Donnerstag präsentiert Escada seine Bilanz zum abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000. Die Eckdaten sind seit Anfang Dezember bekannt und bescherten dem Damenschneider ein Kursplus von mehr als 70 Euro. Finanzexperten erwarten nun Details wie die Entwicklung bei einzelnen Modemarken. "Bei Escada erwarte ich ein Plus im zweistelligen Bereich", sagt Höhn.

Auch die Auftragseingänge für die Frühjahrs- und Sommerkollektion sind wichtig. Denn der Konjunktureinbruch in den USA schlägt auf die Konsumfreude der US-Bürger. Von dort stammen 30 % der Escada-Umsätze. "Der Absatz im 1. Quartal lag unter dem Vorjahreswert. Das Geschäft ist schwach", sagte Finanzvorstand Georg Kellinghusen gegenüber dem Handelsblatt. "Unser Management geht davon aus, dass sich das Geschäft in der 2. Jahreshälfte wieder beleben wird." Das Währungsrisiko sei für drei Saisons abgesichert. "Das US-Geschäft bleibt profitabel. Im September eröffnen wir planmäßig unsere Adresse in New York." Dort baut Escada eine 1 600 Quadratmeter große Boutique. Luxusmarken sind weniger konjunkturempfindlich als andere Konsumgüter, sagen Analysten.

Im Vergleich zu anderen Modekonzernen gilt Escada als sehr preiswert. Denn lange galt Deutschlands zweitgrößter Modekonzern als zu wenig gewinnorientiert. Im November 1999 nahm der damalige Finanzchef seinen Hut, die Kurse brachen ein. Seit Februar wirbt Kellinghusen um neues Vertrauen bei den Investoren. Mit dem Kursplus der vergangenen Monate honorierten diese die ersten Erfolge der Restrukturierung. Der ehemalige Bertelsmann-Manager führte unter anderem eine erfolgsabhängige Bezahlung für Vorstandsmitglieder und wichtige Manager ein. Einzelne Bereiche baute er in individuelle Profitzentren um.

Analysten wie Corinna Czujack von Schroder Salomon Smith Barney vertrauen darauf, dass sich Escada künftig stärker auf den Profit konzentriert. Sie rechnet mit einem durchschnittlichen Wachstum des Ebit(Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 18 % im Jahr. Im Geschäftsjahr 2002/03 könnte die Ebit-Marge bei 8,7 % liegen. In der Vergangenheit betrug sie im Durchschnitt 3,5 %, schreibt Czujack in einer Studie. "Das Management war sich bewusst, dass sich etwas ändern muss, und der neue Finanzvorstand hat das in die Hand genommen," sagt die Analystin. "Die Zahlen vom Dezember zeigten, dass die Gewinnmarge gestiegen ist. Das ist ein erster Erfolg."

Ein Wachstumsmotor soll das Geschäft mit Accessoires, Lizenzen und Parfüm sein, in dem die Gewinnspannen hoch sind. Dieser Bereich wuchs im abgelaufenen Geschäftsjahr zweistellig. Während Accessoires und Parfüm 1999 nur 4 % zum Escada-Umsatz beitrugen, schöpfte die internationale Konkurrenz daraus über die Hälfte ihrer Umsätze. "Bei den Wettbewerbern stammt ein weit größerer Anteil aus Accessoires und Lizenzen. Das zeigt, dass Escada viel Potenzial hat, das Escada erst auszunutzen beginnt." Analyst Höhn nimmt am Donnerstag die Details zur Lizenzplanung unter die Lupe, denn er hält die genannten Zahlen für "ambitioniert". Auch die Konzentration auf die international bekannten Marken Escada und Laurèl soll die Gewinne steigern. Die weniger erfolgreichen Marken Primera und Kemper/ Cerruti sollen verkauft werden. Diese Aufgabe geht Kellinghusen aber erst nach der Steuerreform 2002 an.

Einen Risikofaktor hat die Investition aber nicht nur wegen der abkühlenden Konjunktur. "Die Vorstandsmitglieder scheinen alles richtig zu machen. Doch das ist nicht der erste Sanierungsversuch. Die Aktie ist extrem billig, aber das Risiko ist auch relativ hoch," sagt Julie Statham von der Deutschen Bank. Daher stuft die Analystin die Aktie neutral ein. Czujack bezeichnet das Risiko zwar ebenfalls als hoch, stuft die Aktie aber bei einem Kursziel von 325 als Kauf ein.

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