Aktie unter der Lupe
Eurofins hat Handfestes zu bieten

Der Biotech-Hype hat dem Bioanalytik-Unternehmen Eurofins beim Gang an den Neuen Markt viel Geld in die Kassen gespült, doch inzwischen litt der Kurs unter der Ernüchterung über die Branche. Zu Unrecht, meinen Analysten, die die Aktie des vielseitigen Dienstleisters zum Kauf empfehlen.

FRANKFURT/M. Mit der Frage, inwieweit sich Eurofins Scientific S.A. als Biotechnologieunternehmen versteht, kann Vorstandschef Gilles Martin ziemlich wenig anfangen. "Wir arbeiten mit den neuesten Methoden, sei es aus der Molekularbiologie, der analytischen Chemie oder anderen Disziplinen, die unseren Kunden von Nutzen sind", sagt er. Im Gegensatz zu forschenden Biotech-Unternehmen, die teilweise für die Entwicklung eines einzigen potenziellen Wirkstoffs noch über Jahre horrende Summen benötigen, verdient der auf Bioanalytik spezialisierte Dienstleister jedoch heute schon Geld. Und das, obwohl die am Neuen Markt und am französischen Nouveau Marché gelistete Gesellschaft das in guten Börsenzeiten eingesammelte Kapital weitgehend in einer ausgedehnte Einkaufstour loswurde.

Seit 1999 übernahm Eurofins mehr als 30 Labors. Zuletzt kaufte das Unternehmen in der vergangenen Woche 99 % an Agrogene, einer kleinen französischen Firma, die sich auf den Nachweis gentechnisch modifizierter Inhaltsstoffe in Lebensmitteln spezialisiert hat.

Das ursprünglich französische, inzwischen aber in ganz Europa und den USA vertretene Unternehmen habe in den vergangenen Monaten unter Beweis gestellt, dass es nicht nur zukaufen könne, sondern auch in der Lage sei, neue Töchter zu integrieren und Synergieeffekte rasch zu realisieren, sagt Thomas Andreu, Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt. Er ist deshalb zuversichtlich, dass Eurofins kontinuierlich steigende Margen erzielen wird. Im laufenden Jahr, in dem das Unternehmen zunächst noch rote Zahlen schrieb, werde das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) unter dem Strich bei etwa 10 % des Umsatzes liegen. Für 2003 hält Andreu einen Anstieg auf 15 % und für 2004 auf gut 20 % für möglich. Angesichts dieser Aussichten hält er die derzeit zu rund 9,50 Euro gehandelte Aktie für unterbewertet, weshalb er sie mit einem Kursziel von 15 Euro zum Kauf empfiehlt.

Eurofins bietet nicht-medizinische Labordienstleistungen in den drei Bereichen Pharma, Lebensmittel und Umwelt an. Der Pharmabereich, in dem Analysten ein großes Wachstumspotenzial durch den Trend zum Outsourcing wittern, erfuhr durch die Übernahme der niederländischen Analytico B.V. im vergangenen Jahr eine deutliche Stärkung. Die Stärke des in Breda ansässige Unternehmens mit einem erwarteten Jahresumsatz von 35 Mill. Euro sind Auftragsanalysen für die Durchführung klinischer Tests in der Entwicklung neuer Medikamente.

Um zu überprüfen, ob ein in der Entwicklung befindliches Medikament tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigt, müssen im Rahmen der klinischen Phase Blut- oder Urinproben von Testpatienten systematisch auf ihre Werte untersucht werden. In der modernsten Anlage des Analytico-Labors können bis zu 1 600 Test pro Stunde durchgeführt werden, die jeweils bis zu 65 Werte kontrollieren.

Der jüngste Zukauf in Frankreich stärkt dagegen den Lebens- und Futtermittelbereich. Die Agrogene-Technologie ist nach Angaben von Stefanie Philipp, Branchenanalystin von HSBC Trinkaus & Burkhardt, dazu geeignet, genetisch veränderte Inhaltsstoffe besonders schnell und preisgünstig zu identifizieren. Angesichts der starken Widerstände, die genetisch modifizierte Lebensmittel bei vielen europäischen Verbrauchern hervorruft, halten Analysten dieses Geschäftsfeld für vielversprechend - auch wenn es die 1989 als Tochter des französischen Saatgutlieferanten Limagrain gegründete Agrogene selbst nur auf einen Jahresumsatz von etwa zwei Mill. Euro bringt. "Immerhin arbeitet das Unternehmen profitabel und eröffnet Eurofins den Zugang zu den Saatgutproduzenten, die am Anfang der Nahrungskette stehen", sagt die HSBC-Analystin Philipp, die den Titel ebenfalls zum Kauf empfiehlt.

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