Aktie unter der Lupe
Europäische Richter beleben die Fusions-Phantasien bei Repsol

Kaum hatten die Luxemburger Richter des Europäischen Gerichtshofs am Dienstag die staatlichen Übernahmehindernisse gekippt, setzten die Gerüchte ein: Internationale Mineralölunternehmen, so spekulieren Analysten in Madrid, könnten Interesse an einer Übernahme des spanischen Erdölkonzerns Repsol YPF haben. Die Gelegenheit ist günstig: Denn mit dem Urteil könnte die Möglichkeit der spanischen Regierung entfallen, mittels ihrer "Goldenen Aktie" eine Übernahme der Nummer eins der spanischen Mineralölwirtschaft zu verhindern.

HB DÜSSELDORF/MADRID. Schon früher hatte es Spekulationen gegeben, dass Royal Dutch Interesse an Repsol haben könnte. Heute gilt auch Shell als Interessent. Cepsa, Spaniens Branchenzweiter, ist bereits mehrheitlich in den Händen von Totalfina. BP ist drittstärkster Mineralöl-Player auf dem spanischen Markt. Frei ist der Weg noch immer nicht. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die spanische Wettbewerbsbehörde und damit die Regierung in Madrid für einen möglichen Zusammenschluss grünes Licht geben müsse. Zudem ist das Stimmrecht unabhängig vom Aktienbesitz auf 10 Prozent beschränkt.

Analysten begründen das Interesse an den Spaniern vor allem mit Argentinien. "Jetzt, wo Argentinien wieder zu einem normalen Land wird, steigt das Interesse an Repsol", sagt Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid. Frank Pauls vom Brokerhaus Legg Mason sieht in der Entwicklung Argentiniens einen der wichtigsten Punkte für die Zukunft Repsols. Der frühere Staatskonzern hatte 1999 für 15 Mrd. Dollar den argentinischen Öl- und Erdgasförderer YPF übernommen. Mit diesem Kauf machte Repsol Schluss mit seiner einseitigen Ausrichtung auf Raffinerien und Tankstellen, stieg unter die zehn international führenden Mineralölmultis auf, verknüpfte sein Schicksal aber untrennbar mit dem wirtschaftlichen und politischen Auf und Ab in Lateinamerika. Die Krise in Argentinien in den Jahren 2001 und 2002 führte zu deutlichen Gewinneinbrüchen in der Repsol-Bilanz. Für 2003 äußert sich die Gesellschaft optimistisch: "Die bisherige Entwicklung zeigt eine Erholung der Wirtschaft", heißt es in einer Erklärung zum ersten Quartal.

Analysten sehen zwar Luft in der weiteren Kursentwicklung, raten Anlegern aber vor allem wegen Argentinien zur Vorsicht. Die Zahlen für das erste Quartal waren positiv. Repsol konnte den Nettogewinn in den ersten drei Monaten im Vorjahresvergleich auf 672 Mill. Euro mehr als verdoppeln. Hauptgrund dafür war der hohe Ölpreis im Berichtszeitraum.

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