AKTIE UNTER DER LUPE: Experten raten von Johnson & Johnson ab

AKTIE UNTER DER LUPE
Experten raten von Johnson & Johnson ab

Selbst ein kräftiger Zuwachs bei der Jahres- und Quartalsbilanz kann nicht immer verhindern, dass der Aktienkurs in den Keller fällt. Das muss der Drogerie- und Pharmakonzern Johnson & Johnson zurzeit schmerzlich erfahren.

NEW YORK. Mitte Januar legte das Dow-Jones-notierte Unternehmen ausgesprochen solide Jahreszahlen vor: Florierende Geschäfte mit Medikamenten und medizinischen Produkten ließen den Gewinn 2002 um insgesamt mehr als 17 % wachsen. Im vierten Jahresquartal legte er sogar um rund 30 % auf 1,4 Mrd. Dollar oder 48 Cent je Aktie zu, und übertraf damit die Schätzungen der meisten Analysten. Dennoch notieren Johnson & Johnson aktuell bei rund 52 Dollar, nur etwa ein Viertel über dem Zwölfmonats-Tiefstand vom Juli - Tendenz fallend.

Die nähere Zukunft sieht nach Meinung der Experten ebenfalls nicht allzu rosig für Johnson & Johnson aus. Schuld ist die Marktlage der gesamten Branche, die auch Konkurrenten wie Schering-Plough, Eli Lilly und dem Schweizer Konzern Novartis AG trotz gesunder Bilanzen zu schaffen macht. Zu den Problemen zählen unter anderem auslaufende Patente, die eine Fülle von billigen Nachahmerprodukten nach sich ziehen, sowie Verzögerungen bei Neuzulassungen und ein Mangel an bedeutenden medizinischen Fortschritten.

Zudem machen sich die Branchenführer auch untereinander das Leben schwer, beispielsweise bei einem Medikament gegen Blutarmut. "Dieses Mittel ist für Johnson & Johnson mit rund 4 Mrd. $ das wichtigste Medikament", sagt Analyst Girish Tyagi von der Investmentbank Thomas Weisel Partners. "Und es ist anfälliger für Marktanteilsverluste, als wir ursprünglich erwartet haben. In diesem Jahr werden die Gewinne pro Aktie allein deshalb um 2 Cent niedriger ausfallen, 2004 sogar um 4 Cent."

Mit Spannung erwarten die Analysten großer US-Bankhäuser daher zurzeit den Markteintritt der jüngsten Schöpfung aus dem Hause Johnson & Johnson: einer medikamentenbeschichteten Gefäßstütze namens "Cypher", mit der verengte Kranzgefäße bei Herzpatienten geweitet werden. Momentan wartet dieser so genannte Stent noch auf die Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA, die vermutlich im Februar oder März folgen soll. Tyagi schätzt, dass Cypher dem Johnson-Tochterkonzern Cordis einen Zuwachs von 57 % auf 2,6 Mrd. Dollar bescheren könnte. Andere Prognosen rechnen mit einem Plus von 3 Mrd. Dollar pro Jahr.

Daneben erwartet Analyst Daniel Lemaitre von Merrill Lynch Hilfestellung vom Devisenmarkt: "Der aktuelle Dollarpreis bringt einen heftigen Rückenwind - auf der Grundlage der momentanen Wechselkursrelationen könnten fast 900 Mill. $ extra in die Kasse fließen." Zusammen mit den Erlösen aus dem Stent-Bereich könnte in diesem Jahr das ein Umsatzplus von 15 % für Johnson & Johnson bedeuten, schätzt Lemaitre.

Andere Experten bezweifeln allerdings, dass sich der Konzern aus New Jersey in der kommenden Zeit derart gut behaupten kann. JP-Morgan-Analyst Michael Weinstein etwa rät Anlegern zur Vorsicht. Seiner Einschätzung nach hat die Aktie schon fast ihren fairen Wert von 55 bis maximal 60 $ erreicht. "Es besteht immer noch die Gefahr, dass der Stent später als erwartet auf den Markt kommt, oder dass Johnson & Johnson möglicherweise bei der Lieferung nicht nachkommt, denn wir erwarten eine überwältigende Nachfrage für dieses Produkt."

Zudem schätzen einige Experten, dass durch die lang angestauten hohen Erwartungen die Gewinnzuwächse bereits in den Kurs eingepreist sein könnten. Um auch in den kommenden Jahren wachsen zu können, "muss Johnson & Johnson daher erhebliche Geschäftszukäufe erledigen, die ihre Pipeline wieder auffüllen," sagt Weinstein.

Quelle: Handelsblatt

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