Aktie unter der Lupe: Experten warnen vor hohen Risiken bei Fiat

Aktie unter der Lupe
Experten warnen vor hohen Risiken bei Fiat

Anhaltend schlechte Ergebnisse und eine hohe Verschuldung beim italienischen Autobauer machen auch vor Anleihebesitzern nicht halt. Alle drei führenden Ratingagenturen stufen die Bonds von Fiat als spekulatives Investment ein. Grund: Der Konzern kommt mit der dringend nötigen Restrukturierung nicht voran.

DÜSSELDORF. Seit dieser Woche gilt der italienische Mischkonzern Fiat SpA bei allen drei führenden Ratingagenturen nicht mehr als solides Investment: Standard & Poor?s (S&P) senkte am Mittwoch die Bonitätsnote für die kurzfristigen Verbindlichkeiten des Konzerns auf B und veröffentlichte erstmals die Langfristeinschätzung BB+. Die Ratingagentur Fitch hatte die Einstufung der langfristigen Kreditwürdigkeit einen Tag vorher auf auf BB+ gesenkt. Die Ratingagentur Moody?s hatte die Bonitätsnote von Fiat bereits im Dezember auf Ba1 gesenkt. "Damit haben die Agenturen das gemacht, worauf der Markt schon lange gewartet hat", sagt Markus Rohleder, Kreditanalyst bei der DZ Bank. Somit bewerten jetzt alle drei Agenturen Fiat-Anleihen als spekulative Geldanlage.

Am Bondmarkt wurde dies schon lange vorweg genommen, abzulesen an sinkenden Kursen. So rentierte die im November 2011 fällige Anleihe des Konzerns, die einen Nominalzins von 6,75 % bietet, im November mit knapp 11,50 %. Dabei galt der Bond damals bei den Ratingagenturen offiziell noch als seriöser Bond (Investitionsklasse). Weil vor allem italienische Privatanleger dennoch Fiat-Anleihen kauften, sind der Kurs seitdem gestiegen, die Rendite auf gut 8,6 % gesunken.

Fiat-Bonds bieten zwar immer noch mit Abstand die höchsten Renditen aller Automobilhersteller. Denn es gibt keinen anderen Autokonzern, der von den Ratingagenturen als spekulatives Investment eingestuft wird. Doch Suki Mann, Kreditanalystin bei Société Générale hält die Renditen angesichts der Risiken immer noch für zu niedrig.

Auch Rohleder rät bei den Bonds von Fiat zur Zurückhaltung. "Der Ausblick ist bei allen drei Agenturen negativ und die Unsicherheit noch sehr groß", sagt er. Viele Experten bemängeln, dass dem Konzern eine klare Strategie und ein stringentes Restrukturierungsprogramm fehlen.

Dabei hat der Konzern eine Restrukturierung dringend nötig. Das vergangene Geschäftsjahr schloss Fiat mit einem Rekordverlust von fast 4,3 Mrd. Euro ab. Im Vorjahr hatte der größte private Industriekonzern Italiens, an dem die Gründerfamilie Agnelli noch mit 33 % beteiligt ist, ein Minus von 791 Mill. Euro ausgewiesen. Als überraschend hoch bezeichneten Analysten auch die Nettoverschuldung von 3,8 Mrd. Euro, obwohl sie innerhalb eines Jahres um mehr als 2 Mrd. Euro heruntergefahren wurde. Ein weiteres Problem des Konzerns ist der sinkende Marktanteil.

Mit vier neuen Modellen will Fiat den Abwärtstrend in der zweiten Jahreshälfte stoppen. "Dennoch ist bei Fiat-Anleihen absolute Vorsicht geboten. Momentan lässt sich nicht einschätzen, wie die Entwicklung des Konzerns weiter geht", sagt Axel Gatzen von der WGZ-Bank.

Auch Sven Kreitmair von der Hypo-Vereinsbank ist gegenüber Fiat-Anleihen äußerst skeptisch. "Es gab zwar ausführliche Konzepte, aber keines der Ziele wurde bislang erreicht", sagt er. "Stattdessen wurde häufig nur das Top-Management ausgewechselt." Wie viele konjunktursensible Firmen könne Fiat derzeit nur durch Verkäufe von Vermögensteilen versuchen, seine Verschuldung zumindest nicht weiter zu erhöhen, meint Kreitmair.

Dass jedoch auch dies auf Dauer nicht tragbar ist, zeigt sich offenbar jetzt. So begründete S&P die Herabstufung unter anderem mit der Entscheidung von Fiat, gewinnbringende Beteiligungen zu verkaufen, um sich auf die Autosparte zu konzentrieren. Dabei ist dieser Geschäftszweig der größte Verlustbringer des Konzerns. "Fiat reduziert damit Liquidität und Gewinn sowie die Fähigkeit, Cash-Flow zu erzeugen", erklärte S&P.

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