Aktie unter der Lupe
Fielmann-Aktie fehlt Kurs-Phantasie

Analysten sind sich einig: Fielmann sei ein sehr gutes Unternehmen. Nur biete die Aktie auf dem aktuellen Niveau leider kaum noch Phantasie.

FRANKFURT/M. "Die Aktie ist mit 36 bis 37 Euro fair bewertet", sagt etwa Analystin Karina Gundermann von der Bankgesellschaft Berlin. Bei knapp 35 Euro notieren Fielmann-Titel derzeit an der Börse. Die Aktienexperten von M.M.Warburg stuften FielmannTitel am Dienstag von Kaufen auf Halten zurück.

Fielmann gilt auch im Vergleich mit anderen europäischen Optikaktien als überbewertet. So liegt etwa das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis des französischen Optikkonzerns Grandvision für 2003 bei zwölf, das von Fielmann bei knapp 17 Euro. "Der Aufschlag ist in dieser Höhe nicht gerechtfertigt", sagt Gundermann. Die Aktie des Optiker-Discounters überzeugt zwar durch Kurs- und Dividendenzuwächse, doch ihr fehlt eine Wachstumsperspektive.

Die positive Unternehmensentwicklung führt dazu, dass Fielmann-Aktionäre die Börsenbaisse seit März 2000 unbeschadet überstanden haben. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) um knapp zwei Drittel sank, legte die Fielmann-Aktie um ein Viertel zu. Nebenbei zahlt das Unternehmen fast jährlich steigende Dividenden. Auch in diesem Jahr dürfte die Dividende höher ausfallen. Koenen rechnet mit einer Dividende von 1,30 Euro je Aktie nach 1,07 Euro in 2002.

Doch in Deutschland sehen Experten für den Marktführer Fielmann mit über 40 % Marktanteil wenig weitere Wachstumsmöglichkeiten. Günther Fielmann dirigiert heute 487 Filialen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Polen und den Niederlanden. Analysten begrüßen zwar die Pläne, weiter gezielt ins europäische Ausland zu expandieren. "Interessant ist Spanien", sagt Koenen.

Der spanische Markt sei sehr fragmentiert und böte daher gute Expansionsmöglichkeiten. Ein Markteintritt sei aber erst ab 2005 zu erwarten.

Auch Italien und Portugal stehen auf der Liste möglicher neuer Fielmann - Länder. Christoph Rehbach, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt, rechnet vor allem durch die Auslandsexpansion mit Wachstumsraten beim Umsatz von 7 % jährlich, beim Nettogewinn bis 2007 sogar von über 10 % jährlich. Das Steigerungspotenzial ist aber bereits im Kurs fast komplett reflektiert: Rehbachs Kursziel von 37 Euro hat die Aktie zwischenzeitlich erreicht.

Auch charttechnisch ist die Situation bei Fielmann heiß gelaufen. Von 28,50 Euro im März kletterte der Kurs um fast 30 % und notiert knapp unterhalb der seit November 2001 intakten Abwärtstrendlinie. Der Versuch, diese nach oben zu durchbrechen, scheiterte fünfmal. Die hohe Bewertung der Aktie spricht dafür, dass es auch diesmal so kommt. Für Anleger hätte ein Scheitern am Abwärtstrend aber auch Positives: "Rückschläge des Kurses könnten Anleger zum Aufstocken ihrer Aktienbestände nutzen", sagt Gundermann. Fielmann sei ein "hervorragender Discounter" - nur sei die Bewertung an der Börse derzeit etwas zu hoch.

Frei an der Börse gehandelt werden nur gut 28 % der Fielmann-Anteile. Firmengründer Günther Fielmann hält über 35 %, gut 15 % gehören der Fielmann Familienstiftung. Der Börsenwert beträgt knapp 750 Mill. Euro. Gelistet ist die Aktie im Prime Standard.

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