Aktie unter der Lupe
Fresenius hängt am Tropf der Tochter

Der Gesundheits- und Dialysekonzern Fresenius hat am Dienstag seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr zurückgeschraubt. Insbesondere die Konzerntochter Fresenius Medical Care (FMC) kann ihre Gewinnprognosen nicht mehr aufrecht halten. FMC trägt über siebzig Prozent zum Ergebnis der Mutter bei.

FRANKFURT/M. "Der Hauptgrund für die Korrektur des Geschäftsausblicks der Fresenius AG ist der pessimistische Ausblick der Tochter Fresenius Medical Care", erklärt Karl-Heinz Scheunemann, Analyst beim Bankhaus Metzler. Mit 72 Prozent macht Fresenius Medical Care (FMC) den größten Batzen am Umsatz der Holding aus. Neben FMC gehören drei weitere Unternehmensbereiche, die eigenverantworlich wirtschaften, zum Mutterkonzern: Kabi, Proserve und Hemocare. FMC, Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Patienten mit chronischem Nierenversagen, hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass für das Geschäftsjahr 2002 mit einem Ergebnis nach Steuern von rund 300 Millionen Dollar gerechnet werde. Zuvor waren 350 Millionen Dollar erwartet worden.

Die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierte FMC-Aktie fiel daraufhin um fast zwei Prozent und ist seitdem weiter auf Abwärtskurs. Eine Reihe von Analysten hat zudem die FMC-Titel heruntergestuft. "Die Korrektur der Umsatz- und Gewinnprognose macht mir vor allem deswegen Sorgen, weil es sich um ein operatives Problem bei FMC handelt", sagt Sabine Eberhardt, die bei Merck & Finck die Aktie des Dialysekonzerns beobachtet. Gründe für die Ausblickkorrektur sind nach Angaben des Unternehmens zeitliche Verzögerungen bei erwarteten Kosteneinsparungen durch die Einführung von Einwegdialysatoren in den USA. Sabine Eberhardt geht nicht mehr davon aus, dass sich die Aktie besser als der Dax entwickeln wird.

Auch die im MDax notierte Aktie des Mutterkonzern verbuchte starke Verluste. Dennoch halten die meisten Analysten hier an ihren Empfehlungen fest. "Man kann davon ausgehen, dass sich das Management jetzt bei den Ergebnisschätzungen sehr konservativ verhält, um weitere Rufschädigungen zu vermeiden", erwartet Ulrich Huwald, Analyst bei M.M. Warburg. Seine Empfehlung lautet "Halten". Die Korrektur der Prognosen sei jetzt im Preis enthalten und der Titel der Mutter weniger riskant als die der Konzerntochter FMC. Auch Scheunemann vom Bankhaus Metzler sieht noch Aufwärtspotenzial für die Fresenius-Aktie. Sein Kursziel liegt bei 70 Euro.

"Die anderen drei Bereiche tragen noch sehr wenig zum Ergebnis des Holding bei", sagt der Deutsche Bank-Analyst Frank Siebrecht. Die zweitgrößte Tochter der Fresenius AG ist das Unternehmen Fresenius Kabi - in Europa Marktführer auf dem Gebiet der Ernährungs- und Infusionstherapie. Kabi trug im ersten Halbjahr dieses Geschäftsjahres 17 Prozent zum Umsatz bei. Auch hier wurden die Erwartungen nicht erreicht. Der Umsatz der Fresenius Kabi lag mit 627 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

Bereits vor einigen Wochen hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass für Restrukturierungsmaßnahmen höhere Kosten angefallen seien. "Kabi ist wegen der starken Marktposition in Europa aber trotzdem ein interessanter Bereich," sagt Ulrich Huwald von M.M. Warburg. "Die Restrukturierung ist jetzt abgeschlossen und das wird sich bereits in den Zahlen der kommenden Quartale bemerkbar machen", fügt der Analyst hinzu.

Auch Frank Siebrecht von der Deutschen Bank rechnet damit, dass Fresenius Kabi wieder auf den alten Wachstumspfad gelangen wird, sobald alle Restrukturierungsmaßnahmen abgeschlossen sind. "Das Management ist für diesen Bereich sehr zuversichtlich", meint Siebrecht. Seine Empfehlung für die Fresenius-Aktie lautet "market perform", sein Kursziel lautet 45 Euro.

Der mit acht Prozent am Umsatz beteiligte Bereich Fresenius Proserve konnte im ersten Halbjahr 2002 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. "Durch die Akquisition der Wittgensteiner Kliniken AG ist diese Sparte deutlich gewachsen", sagt Huwald. Die Integration dieser Gesellschaft sei jetzt erfolgreich abgeschlossen, was einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Aktie haben werde.

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