Aktie unter der Lupe
Führungswechsel beunruhigt AOL-Anleger

Die Nachricht über den außerplanmäßigen Führungswechsel beim US-Medienriesen AOL Time Warner Inc. veranlasst Anlegern zu allerlei Spekulationen.

tnt FRANKFURT/M. Vorstandschef Jerry Levin hatte am Ende der vergangenen Woche für Mai 2002 seinen Rücktritt angekündigt. Nachfolger Levins an der Spitze des größten Medienkonzerns der Welt wird Richard Parsons, der bisher das operative Geschäft des Konzerns leitet.

Die Entscheidung über den Rücktritt Levins fällt weniger als ein Jahr nach Abschluss der spektakulären Übernahme des traditionsreichen US-Medienkonzerns Time/Warner durch den Internetaufsteiger AOL. Seither versucht das Management das weit verzweigte Imperium aus Verlagen wie Time, die Hollywood Studios Warner Brothers, das Musiklabel Warner Music, Fernsehsender wie CNN und TV-Kabelgesellschaften bis hin zum weltgrößten Online-Dienst AOL gehören, zu einem einheitlichen Konzern zusammenzuschweißen.

Doch obwohl im die dritten Quartal der Umsatz noch einmal um 6 % auf 9,3 Mrd. $ gestiegen ist, knirscht es im Getriebe des Megakonzerns. So kann von einer tatsächlichen Zusammenarbeit der einzelnen Sparten nach Ansicht von Experten "kaum gesprochen werden". Die durch die Rezession sowie die Terroranschläge vom 11. September verursachten Einbrüche der Werbeeinnahmen lässt zudem Befürchtungen lauter werden, dass die Flaute das Ergebnis stärker belasten könnte, als aus den aktuellen Zahlenwerken herauszulesen ist. "Wir sind besorgt, dass der Wechsel im Management die Folge schwächerer Finanzergebnisse sind", kommentierte Lehman-Brothers-Analystin Holly Becker den Führungswechsel.

Aktie gibt nach

So hat der Kurs der Aktie zum Ende der vergangenen Woche nachgegeben. Aber ohnehin hat das Papier seit seinem 52-Wochen-Zwischenhoch bei 66,20 Euro im Mai fast um die Hälfte an Wert eingebüßt. So rutschte der Kurs nach den Anschlägen in New York auf ein Tief von 31,50.

Obwohl die Mehrzahl der Analysten langfristig zum Kauf empfiehlt konnte sich der Medienwert seither nicht nachhaltig über 40 Euro halten. Einflußreiche Investoren wie der Scott Schoelzel, Fondsmanger des mehrere Mrd. $ schweren Janus 20 Fund, begrüßte die Entscheidung für Parsons als Manager, der seine Wurzeln im konventionellen Mediengeschäft bei Time Warner hat. "Die starke Ausrichtung auf das Internetgeschäft könnte manche traditionelle Investoren befremdet haben", sagte Schoelzel.

Kundenwachstum hat sich verlangsamt

Im 3. Quartal legten die Umsätze des Internetbereichs AOL im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar immer noch um 13 % zu. Allerdings hat sich das Kundenwachstum im Jahresverlauf 2001 verlangsamt. Im Bereich der Filmproduktionen hat AOL/Time in diesem Jahr einige Kassenschlager in die Kinos gebracht. Allen voran der Kinofilm "Harry Potter und der Stein der Weisen", der zum finanziell erfolgreichsten Kinofilm der Geschichte werden könnte. Und auch die Verfilmung der Fantasy-Saga "Herr Der Ringe", verspricht satte Einnahmen.

Doch trotzdem sieht Lehman Brothers Analystin Becker auf den Medienriese "herausfordernde Quartale" zukommen. So wird dem Konzern die Flaute auf dem Werbemarkt, in allen Bereichen von Print über Fernsehen bis hin zum Internet zu spüren bekommen. Und auch die Warner Music Group kämpft gegen sinkenden Umsätze Zusätzlich drohen bei Plänen, die TV-Kabelsparte von AT&T zu übernehmen, Ärger mit den Kartellbehörden. Denn mit 1,8 Mill. Abonennten ist AOL/Time bereits der zweitgrößte Kabelfernsehanbieter in den USA.

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