Aktie unter der Lupe
Für General Motors bleiben die Zeiten hart

Die Aktie von General Motors (GM) gehört derzeit wahrlich nicht zu den Lieblingen der Anleger. Schon vor dem Terroranschlag in den USA litt der weltgrößte Autohersteller unter der Konjunkturflaute auf seinem amerikanischen Heimatmarkt.

DÜSSELDORF. Nach den Attentaten droht nun das Verbrauchervertrauen - und damit die Nachfrage nach GMs Autos - vollends zu kollabieren. Kein Wunder, dass die Aktie am Montag nach der Wiedereröffnung der US-Börsen um mehr als 10 % abstürzte. Gestern kletterten die Titel in New York, als das Unternehmen die geplante Übernahme des südkoreanischen Autoherstellers Daewoo bestätigt hatte.

Bereits vor den Anschlägen zweifelten viele Analysten, dass der Konzern sein ehrgeiziges Ziel eines Gewinns je Aktie von 4,25 $ im laufenden Jahr erreichen würde. Am Montag bekräftigte GM aber, seine Ertragsprognose für das dritte Quartal einhalten zu wollen.

Dennoch haben die jüngsten Ereignisse die Unsicherheit der Autoanalysten verstärkt: Bei einer Umfrage des Handelsblatt mochten weder Banken noch Fondsgesellschaften die kurzfristige Kursentwicklung bei GM prognostizieren.

Erfahrungsgemäß leiden so genannte zyklische Konsumbranchen besonders unter einer Verunsicherung der Verbraucher. Dazu gehört auch die Autoindustrie. Der Grund dafür liegt in dem Produkt selbst: Der geplante Kauf eines Autos lässt sich ohne weiteres verschieben. "Die Konsumenten halten eben noch eine Weile still", erklärt Stephen Garibaldi von Allianz Asset Management in München das befürchtete Konsumentenverhalten.

"Es ist, als ob man fliegt und plötzlich eine schwarze Scheibe vor den Augen hat", versucht der Analyst die Unklarheit nach den US-Attentaten zu beschreiben. "Vieles muss neu überdacht werden", sagt Garibaldi. Der Anschlag habe eine Reihe fundamentaler Daten verändert und so tief in das Wirtschaftsgeschehen eingegriffen, dass man Ausmaß noch nicht erahnen könne.

Die objektive Beschreibung der Situation von General Motors sehe zwar gut aus, doch daraus lasse sich derzeit keine konkrete Handlungsanweisung wie Kauf oder Verkauf ableiten, sagt der Allianz-Analyst: "Eine Einschätzung über die Entwicklung kommt einem Blick in die Glaskugel gleich". Im Vergleich zum Erzrivalen Ford sei GM gerade im oberen und mittleren Preissegment gut aufgestellt.

Schon vor den Anschlägen hielten sich Analysten allerdings mit Kaufempfehlungen für die GM-Aktie zurück und verbannten den Autohersteller eher ins Mittelfeld unter den großen Automobilwerten. Schon lange verliert der traditionelle US-Marktführer daheim an Boden: Seit den sechziger Jahren sank der GM-Marktanteil in den USA von 50 % auf 28 %. Europäische und asiatische Konkurrenten konnten dem Platzhirsch erfolgreich Kunden abjagen. Ebenfalls schon vor der Krise warnten die Analysten der US-Finanzgruppe Prudential Securities vor heftigen Konkurrenzkämpfen und Preisdruck auf dem nordamerikanischen Automarkt. In Deutschland hinkt die GM-Tochter Opel ebenfalls seit Jahren der Konkurrenz von Volkswagen hinterher. Hoffnungen setzen Analysten dagegen in die Zusammenarbeit zwischen GM und dem italienischen Fiat-Konzern.

Wer dennoch den jüngsten GM-Kursverfall zu Käufen nutzen will, sollte nach Angaben des Allianz-Experten Garibaldi drei Faktoren im Auge behalten - das Verbrauchervertrauen, den Ölpreis und die Wechselkurse. Sinkt das US-Verbrauchervertrauen weiter, dann dürften die Konsumenten weniger Autos kaufen. Steigt der Ölpreis, dann wächst der Druck für GM, verbrauchsarme Autos zu entwickeln. Fällt - wie derzeit einige Experten annehmen - der Dollarkurs, dann verbessert dies die Exportmöglichkeiten für den US-Konzern.

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