Aktie unter der Lupe
Gedeon Richter verspricht Anlegergewinne

Die großen ungarischen Unternehmen setzen auf grenzüberschreitende Investitionen. Sie wollen zu regionalen Spielern in Mittel- und Osteuropa werden. Zu ihnen zählt auch der Pharmaproduzent Richter Gedeon Rt. Einige Analysten empfehlen den Kauf des Titels.

BUDAPEST. Neben der Handels- und Sparbank OTP, dem Energiekonzern MOL und der Telekomgesellschaft Matav ist es in Ungarn vor allem die Richter Gedeon Rt, die sich um grenzüberschreitende Investitionen bemüht. An der Budapester Börse zählt die Richter-Aktie zu den wichtigsten Werten. Soeben hat das Pharma-Unternehmen 51 % der Anteile des polnischen Arzneimittelherstellers GZF Polfa erworben. Vorstandschef Erik Bogsch deutete an, dass Richter in den kommenden vier Jahren auch die restlichen 49 % übernehmen wolle.

Hinter den USA und Russland ist Polen der drittgrößte Exportmarkt für das Unternehmen. Im ersten Halbjahr 2002 hat Richter dorthin Pharmaprodukte im Wert von 9,4 Mill. $ ausgeführt. Bogsch erklärte, man wolle den Absatz in Polen in den nächsten Jahren verdreifachen. Dabei handelt es sich um die dritte Akquisition von Richter in Mittel- und Osteuropa. Das Unternehmen besitzt bereits Anteile am russischen Pharmagroßhändler Protek und an der Armedica in Rumänien.

Ungarns große Börsengesellschaften streben über die Grenzen hinaus, weil ihnen der heimische Markt zu eng wird. Gerade die Pharmamärkte im Osten versprechen enorme Expansion. Natürlich steht Richter auch unter dem Druck großer westlicher Pharmahersteller, die in Ungarn aktiv sind. Außerdem greift der ungarische Staat weiterhin durch die Festlegung von Preisen für Pharmaprodukte in das heimische Marktgeschehen ein.

Es war vor allem die im Frühjahr abgetretene konservative Regierung unter Premier Viktor Orban, die mit diesem Mittel um Wählerstimmen warb. Aber auch die neue sozialliberale Koalition von Ministerpräsident Peter Medgyessy hat vertraglich vereinbarte Preiserhöhungen für Medikamente aus Furcht vor inflationstreibenden Effekten kurzerhand verschoben.

Forint bremst Ausfuhren

Die Kritik großer ungarischer Exporteure richtet sich auch gegen die Nationalbank, deren Währungspolitik zu einer beträchtlichen Stärkung des Forints geführt hat, was die Ausfuhr nicht gerade erleichtert. Allerdings verdient Richter weiterhin gutes Geld, wie die Halbjahreszahlen beweisen. Danach stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 16,3 % auf 178,1 Mill. $ nach 153,2 Mill. im Vorjahreszeitraum. Der Nettoertrag wuchs um 21,3 % auf 50,1 Mill. $. Der Export nach Mittel- und Osteuropa konnte um 15 % gesteigert werden, der in die USA und die EU um 12,6 %.

Vom Marktwert her liegt das Unternehmen an der Budapester Börse an 7. Stelle. Wie alle ungarischen Blue Chips hat die Richter-Aktie das Auf und Ab der letzten Wochen mitgemacht. Seit Jahresbeginn (Kurs am 1.1.: 15 050 Forint) hat sie gut 12 % verloren und notierte am Mittwoch mit 12 695 Forint. Der Analyst Attila Vago von der Budapester Concorde Securities Rt hält einen Kurs von 18 700 Forint bis Ende 2002 für möglich und rät daher zum Kauf.

Derzeit sei der Titel um ca. 20 % unterbewertet. In den nächsten fünf Jahren werde die Aktie weiter um jährlich etwa 10 % an Wert gewinnen. Vago begründet seine Empfehlung vor allem mit den wachsenden Exportchancen. Zudem habe das Unternehmen die polnische GZF Polfa für einen sehr günstigen Preis erworben. Richter agiere als "USD leverage player", der einen wichtigen Teil der Exporteinnahmen in Dollar realisiere. Die weitere Gewinnentwicklung in Ungarn werde davon abhängen, ob die Regierung die Erhöhung der Medikamentenpreise doch noch realisiere.

Etwas zurückhaltender geben sich die CSFB und Merrill Lynch für die Aktie. Sie haben sie auf neutral gesetzt. Schroder Salomon Smith Barney rät zur Unterbewertung.

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