Aktie unter der Lupe
Gehe-Aktie leidet unter Gesundheitsreform

Gehe heißt künftig Celesio. Einen Schub für die Aktie dürfte der neue Name jedoch kaum bringen. Das Stuttgarter Pharmaunternehmen weist zwar seit 16 Jahren hohe Gewinne aus, aber die Zukunftsaussichten sind wie in der gesamten Branche verhalten. Begründet wird dies mit Reformdiskussionen im Gesundheitswesen.

FRANKFURT/M. Solche Nachrichten treiben Aktionären normalerweise Freudentränen in die Augen: Seit 16 Jahren präsentiert der Gehe-Vorstand in Hauptversammlungen satte Unternehmensgewinne: In diesem Jahr beträgt das Ergebnis vor Steuern 343,6 Mill. Euro - ein Zuwachs von 17,6 %. Doch zum Höhenflug setzt der Aktienkurs deshalb noch lange nicht an. Analystenmeinungen geben dem Papier trotz solider Geschäftsführung nur bedingt Zuwachsmöglichkeiten. "Die Aktie wäre mit 32 Euro fair bewertet", sagt Gunnar Cohrs von der Hamburger Berenberg Bank. Gestern Nachmittag wurde sie mit 36,50 Euro gehandelt.

Reformdiskussionen im Gesundheitswesen - zum Beispiel die Neuordnung der Selbstbeteiligung beim Arzneimittelkauf oder die Streichung rezeptfreier Medikamente aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen - überschatten den Kurs. Und das, obwohl Europas größter Pharmakonzern nur noch rund 20 % seines Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet, der Vorstand bisher jede Gesundheitsreform erfolgreich überstanden hat und das Unternehmen mittlerweile in elf europäischen Ländern vertreten ist. Die geographische Diversifikation scheint jedoch von Aktionären kaum wahrgenommen. Mit dem neuen Namen "Celesio AG" untermauert das Pharmaunternehmen deshalb in Zukunft seine internationale Ausrichtung: Festhalten am Großhandel sowie weiteres Investieren in europäische Apothekenketten. Gehe hat sich mit dem Einkauf dort ein wichtiges Standbein aufgebaut, das 2002 rund 22,5 % zum Konzernergebnis beisteuerte. Doch Aktionäre interessieren sich für diese Zahlen nur am Rande. Schließlich sind die Zukunftsaussichten im Pharmasektor eher negativ.

Anfang des Jahres tendierte Gunnar Cohrs noch zu kaufen, mittlerweile hat er das Kursziel auf "Halten" heruntergestuft und begründet dies mit dem Anfang 2003 eingeführten Zwangsrabatt von rund drei Prozent, den Pharmagroßhändler an Krankenkassen zahlen müssen: "Der Pharmagroßhandel wollte diesen Rabatt ursprünglich auf die Apotheker überwälzen. Doch auf Grund der Konkurrenzsituation dürfte dies schwierig sein." Die niedrigen Renditen können von Gehe nur teilweise durch Wachstum im Geschäft mit Apotheken aufgefangen werden. Dabei gehen die Ertragsaussichten in den einzelnen Ländern weit auseinander, erläutert Merrill-Lynch-Analyst Andreas Schmidt. In Großbritannien erhöhe sich das Währungsrisiko, in Frankreich und Deutschland lähmten politische Diskussionen eine Expansion.

Seit dem vergangenen Juni ist das Gehe-Papier beständig gefallen und erreichte am 13. März einen vorläufigen Tiefstand von 31,51 Euro. Mittlerweile hat sich die MDax notierte Aktie etwas berappelt und die 36-Euro-Marke überschritten. In den vergangenen zwölf Monaten büßte sie dennoch über 20 % an Wert ein. Zum Vergleich: Der Dow-Jones-Stoxx-Einzelhandelsindex verlor rund 27 %. Gunnar Cohrs ist sich angesichts des hohen Cash-Flows von 3,6 Euro pro Aktie im vergangenen Jahr jedoch sicher: "Diese Kennziffer generiert auch weiterhin einen Expansionskurs." Gehe habe ein höheres Potenzial als der größte Konkurrent des Konzerns. Die britische Alliance Unichem kommt 2002 auf einen Cash-Flow von 0,88 Euro pro Aktie.

126 Apotheken hat Gehe im vergangenen Jahr zu den bereits vorhandenen 1 721 dazugekauft. Die Vorgehensweise beschreibt Andreas Schmidt: "Das Konzept ist immer gleich. Know-how aus dem Großhandelsbereich wird auf neue Geschäftsfelder übertragen. Dieser Vorsprung vor den Wettbewerbern garantiert über einige Jahre Profitsteigerungen." Gehes Wachstum sei auch in Zukunft kaum zu bremsen, vermutet Schmidt, dessen Kursziel auf 42 Euro lautet. "Ich erwarte in diesem Jahr eine Gewinnsteigerung von fast sieben Prozent", sagt der Analyst, und diese Prognose sei noch defensiv berechnet. Das ursprüngliche Ziel, 2003 rund zehn Prozent zu wachsen, ist vom Konzern kaum zu erfüllen. Gehe-Chef Fritz Oesterle hat jedoch weiterhin seine eigene Auffassung vom Medikamentenmarkt: "Die Grippe nimmt auf die Konjunktur keine Rücksicht."

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