Aktie unter der Lupe
General Electric – eine gute Aktie für schlechte Zeiten

Trotz Konjunkturabschwächung erwarten Analysten bei General Electric (GE) erneut zweistelliges Gewinnwachstum. Der Konzern mit dem höchsten Börsenwert weltweit soll von Web-Initiativen und Akquisitionen profitieren. Über die künftige Kursentwicklung herrscht Konsens an der Wall Street: Die GE-Aktie dürfte steigen.

HB,NEW YORK. Jack Welch hat es zum vierten Mal hintereinander geschafft. Der Mischkonzern General Electric Co. (GE) führt erneut die Liste der meistbewunderten Unternehmen in Amerika an, die das Wirtschaftsmagazin Fortune jährlich veröffentlicht. Über die Rangliste entscheidet eine Befragung führender Wirtschaftsbosse der Vereinigten Staaten.
Nur: im Aktienkurs des Mischkonzerns ist die Bewunderung derzeit nicht abzulesen. Die Notierung befindet sich seit Oktober vergangenen Jahres auf Talfahrt und hat sich erst seit Bekanntgabe der jüngsten Quartalsergebnisse wieder etwas erholt. Im Oktober geriet der Kurs unter Druck, weil GE die Übernahme des Luftfahrt- und Technologiekonzerns Honeywell für rund 45 Mrd.$ ankündigte. Durch diese Übernahme dürfte - nach Billigung der Kartellbehörden - der weltgrößte Zulieferbetrieb der Luft- und Raumfahrt entstehen. Alleine ist GE bereits der größte Mischkonzern der Welt. Das Unternehmen stellt von Kühlschränken über Kraftwerksturbinen bis zu Flugzeugmotoren eine breite Palette von Produkten her. Zudem gehört der amerikanische Fernsehsender NBC zu GE.
Doch viele Mitarbeiter des Konzerns machen sich mittlerweile Sorgen um ihre Zukunft. In der vergangenen Woche kursierten Presseberichte über geplante Stellenkürzungen um bis zu 80 000 Stellen. Insgesamt beschäftigt GE 340 000 Mitarbeiter weltweit. GE wies die Berichte als Falschmeldungen zurück. Jack Welch hatte in der Vergangenheit allerdings mehrfach angedeutet, dass es möglicherweise zu "bedeutsamen" Stellenkürzungen kommen könnte. "Es ist klar, dass wir weniger Jobs bei GE brauchen", sagte GE-Sprecher Gary Sheffer unmissverständlich. Aber das Unternehmen werde den einzelnen Geschäftsbereichen die Entscheidung darüber überlassen, was zum Erreichen ihrer Ziele nötig ist. So hat der Fernsehsender NBC bereits die Entlassung von 600 Mitarbeitern angekündigt.

Jeanne Terrile, Analystin bei der Investmentbank Merrill Lynch, rechnet mit potenziell 53 000 Stellen, die wegfallen könnten. Bei Honeywell könnten ein Viertel der Stellen oder 30 000 Mitarbeiter überflüssig werden, schreibt Merrill-Expertin Terrile. Die Analystin bezeichnet die möglichen Kürzungen als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Rezession. GE reagiere schnell auf eine Konjunkturschwäche und werde deswegen wahrscheinlich nicht böse überrascht, sollte das Konjunkturwachstum weiter nachlassen. "Schnelligkeit ist eine der Kernkompetenzen von GE", meint Terrile.

Im Dezember fiel der GE-Kurs noch einmal deutlich, nachdem das Unternehmen eine mögliche Abschwächung der Konjunktur in Betracht gezogen hatte. "Das könnte einige Anleger nervös gemacht haben, obwohl die Firma klar gemacht hat, dass sie weiter mit einem zweistelligen Gewinnwachstum rechnet", sagte Analyst Nicholas Heymann vom Investmenthaus Prudential Securities. Damit sähe GE im Vergleich zu anderen Industriegiganten gut aus. Denn die schafften nur einstellige Gewinnzuwächse.
Heymann glaubt wie die meisten seiner Kollegen an eine Erholung des Aktienkurses von GE. Der einflussreiche Prudential-Analyst empfiehlt die Aktie nachdrücklich zum Kauf ("Strong Buy") und prognostiziert in den kommenden sechs Monaten einen Höchstkurs von 60 $ und auf Sicht von 12 Monaten einen Kurs von 77 $. Damit würde der Kurs um knapp 60 % steigen.

Der Grund für die Empfehlung: Heymann glaubt, dass GE von der Verlagerung von Geschäftsprozessen auf das Internet und von der Integration Honeywells profitieren wird. Von Internet-Initiativen verspricht sich GE Vorteile im Wert von 1,5 Mrd. $. Analyst Heymann rechnet mit einer anhaltenden Ausweitung der Marktanteile und mit weiteren Akquisitionen. "Unserer Ansicht nach unterstreichen die Ergebnisse des jüngsten Quartals, warum GE in guter Lage ist, 2001 zweistellige Gewinnzuwächse zu erreichen", schreibt Heymann in seinem jüngsten Bericht. GE hat im vierten Quartal den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 16 % auf 3,59 Mrd. $ gesteigert. Kurzfristig könnte auch das Programm zum Rückkauf eigener Aktien den Kurs stützen.
Jeffrey Sprague von der Investmentbank Salomon Smith Barney empfiehlt GE mit einem Kursziel von 70 $ zum Kauf. GE habe sich nach Zinssenkungen stets besser entwickelt als der Rest des Marktes. Die Notenbank hat die kurzfristigen Zinsen im Januar um insgesamt 1% gesenkt. Das Fazit von Sprague: "GE ist eine gute Schlecht-Wetter-Aktie."

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