Aktie unter der Lupe
Generali-Aktie wartet auf stärkeren Aufwind

Der italienische Konzern Generali gehört zu den größten Versicherern der Welt. Die Aktie gehört allerdings nicht zur Topliga. Sie verliert seit Monaten an Wert. Analysten sehen im Fehlen von klaren Strategien einen Grund für den Abwärtstrend. Trotzdem sei die Aktie unterbewertet.

MAILAND. Nichts macht die Unternehmensphilosophie der Assicurazioni Generali deutlicher als ein Besuch in deren Heimatstadt Triest: Die früher unter habsburgischer Herrschaft stehende Stadt am Meer hat sich ihren K.u.K-Charme bis heute bewahrt. Sie ist einerseits weltoffen - andererseits mit ihrer Kaffeehausgemütlichkeit ein bisschen provinziell, in jedem Falle aber konservativ. Attribute, die auch auf die 1830 gegründete Versicherung passen.

Generali ist mit Prämieneinnahmen von gut 45 Mrd. Euro (2001) nach der Allianz und der Axa der drittgrößte europäische Konzern der Branche, hat 54 000 Mitarbeiter in 50 Ländern und kontrolliert über 450 Gesellschaften - unter anderem die zweitgrößte deutsche Assekuranz AMB. Sie ist mit rund zehn Prozent an der Commerzbank beteiligt, mit der auch ein Vertriebsabkommen besteht. Als eines der ganz wenigen italienischen Unternehmen besitzt Generali Weltgeltung. Trotz dieser Globalität wird dem Konzern von Kritikern vorgeworfen, phantasielos zu agieren. "Generalis größtes Kapital ist ihre lange Geschichte. Heute gleicht sie einem schlafenden Riesen, der nicht merkt, wie rasch sich die Welt um ihn herum verändert", sagt ein Banker in Mailand.

Holger Klotz von Fox-Pitt, Kelton in London übersetzt dies in die Sprache der Analysten: "Die Visionslosigkeit von Generali drückt den Aktienkurs. Wenn mich ein Fondsmanager heute fragt, warum er Generali kaufen sollte, dann fällt mit dazu keine Antwort ein." Das ist erstaunlich, da Klotz wie das Gros der Analysten die faire Bewertung der Aktie deutlich über den aktuellen 25 bis 26 Euro sieht. "Theoretisch habe ich mit meinen Kursziel von 30,5 Euro ein schönes Aufwärtspotenzial." Angesichts der unklaren oder nicht vorhandenen Strategien fehle aber einfach der Auslöser für den Kauf, sagt Klotz.

Der mangelnde Sex-Appeal des Konzerns lässt sich an der Kursentwicklung der Aktie nachvollziehen. In den letzten zwölf Monaten hat der Titel rund ein Viertel seines Wertes eingebüßt, allein im letzten Monat rund sieben Prozent. Nach Ansicht der italienischen Vereinigung technischer Analysten befindet sich das Papier in einem entschiedenen Abwärtstrend. Möglich sei eine weitere Abschwächung bis auf 23 Euro.

Mehr zu erwarten

Die jüngsten Verluste schreiben Marktteilnehmer den nicht gerade berauschenden Quartalszahlen zu, die Generali Mitte Mai vorgelegt hatte. Demnach ist der Nettogewinn mit 202 Mill. Euro deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Die Spannbreite der Schätzungen ging von 220 Mill. Euro bis 380 Mill. Euro. Man fragt sich, wie der Konzern sein selbst gestecktes Jahresziel von 1,325 Mrd. Euro erreichen will, da im Schadens- bzw. Unfallsektor (rund 40 Prozent der Prämien) die ersten beiden Quartale traditionell stärker als das zweite Halbjahr sind. Grund für das schlechte Ergebnis zum 31. März war das Fehlen außerordentlicher Erträge, die im Vorjahr noch maßgeblich zum hohen Gewinn von 348 Mill. Euro beigetragen hatten. "Operativ ist das Geschäft dagegen gar nicht schlecht gelaufen. Auch sind die Prämien recht ordentlich gestiegen. Von einem Haus wie Generali muss ich aber einfach mehr erwarten", sagt Andrea Crepaz, Versicherungsanalyst bei Caboto IntesaBci. Er wird sein Kursziel von 36 Euro in diesen Wochen überarbeiten, hält das Papier jedoch angesichts der Fundamentaldaten für unterbewertet.

Crepaz glaubt, dass das Management um den Präsidenten Gianfranco Gutty noch vieles verbessern kann, z.B. können Ineffizienzen durch übereinander gelagerte Vertriebsstrukturen ausgemerzt werden. Speziell in Frankreich und Österreich könnten hierdurch erhebliche Einsparungen realisiert werden. Auch das Team von Cheuvreux (Crédit Agricole-Gruppe) in Mailand sieht noch großes Potenzial für weitere Rationalisierungen und empfiehlt nicht zuletzt daher die Aktie zum Kauf. Kritiker haben Zweifel, dass es damit rasch vorwärts gehen wird. Holger Klotz: "Generali sucht immer weiche Lösungen. Im Grunde genommen müssten sie anfangen, Personal abzubauen, um ihre Kostenstrukturen auf ein besseres Fundament zu stellen." In einer Welt, in der hohe Erträge durch die Anlage von Kapital passé sind, führe daran kein Weg vorbei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%