Aktie unter der Lupe
Gericom leidet unter sinkender PC-Nachfrage

Der österreichische Notebook-Hersteller Gericom gilt als "billiger Jakob des PC-Geschäfts". Das Unternehmen produziert in fernöstlichen Billiglohnländern, verkauft werden die tragbaren Computer in den Filialen großer Handelskonzerne. Masse macht zwar Kasse, schafft aber auch Abhängigkeiten.

WIEN. Vor der Bilanz-Pressekonferenz der österreichischen Gericom AG, Linz, am kommenden Freitag in Frankfurt ist auch in die Welt des erfolgsverwöhnten Marktführers bei Notebooks in Deutschland Unsicherheit gekommen. So hat die Bank Austria-CA den Ausblick auf das erste Quartal 2002, wonach die Zahlen um 10 bis 20 % unter denen der ersten drei Monaten 2001 liegen sollten, als "kleine Gewinnwarnung" interpretiert. Auf Grund des schlechter als erwarteten Auftragsbestandes hat die Bank die Empfehlung von "Kaufen" auf "Halten" zurückgenommen. Verstärkt wurde die Verunsicherung durch die Gewinnwarnung des Konkurrenten IPC Archtec am Mittwoch.

Dagegen hält Brigitte Kellerer-Wendelin von der Wiener Erste Bank ihre Kauf-Empfehlung aufrecht. Obwohl sie einräumt, dass der für Gericom wichtige deutsche Notebook-Markt im Moment "sehr schwierig" sei. Der "Euro-Schock" habe zu Kaufzurückhaltung im Privatkundensegment geführt. Doch Gericom werde trotzdem dank seiner Vertriebspartner den Wachstumskurs halten können.

Die Erste Bank hält deshalb die vom Unternehmen genannte Steigerung von Umsatz und Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im laufenden Jahr von jeweils 20 % für machbar. Die BA-CA ist weniger optimistisch; sie hat ihre Schätzungen für 2002 und 2003 um jeweils 10 bis 15 % zurückgenommen und erwartet für das laufende Jahr nur noch einen Umsatzzuwachs von 8 % auf 588 Mill. Euro und einen Gewinn je Aktie von 1,88 Euro (statt bisher 2,08 Euro). Die Erste Bank erwartet für das laufende Jahr eine Steigerung des Gewinnes je Aktie auf 1,94 (1,61) Euro. Ein Kursziel wird von beiden Instituten nicht genannt, laut Kellerer-Wendelin bedeute die Kauf-Empfehlung der Erste Bank aber ein Kurspotenzial von "mehr als 20 %" auf zwölf Monate.

Neben der Verunsicherung der Konsumenten wird als Hauptgrund für das schwächere erste Quartal die um zwei Monate verspätete Markteinführung des P4 Notebooks gesehen. Die Verzögerung hatte sich wegen mittlerweile bereinigter offener Fragen mit Intel wegen des Einsatzes und der Vermarktung von P4-Prozessoren für Notebooks ergeben. Das P4-Notebook mit Bluetooth (Funk ersetzt Kabelsalat) und mehr als 2,5 Stunden Akku-Laufzeit sollte ab dem zweiten Quartal das Umsatzwachstum wieder ankurbeln. Der Nachfrageschub wird von den privaten Kunden erwartet, die zunehmend ihre fest installierten Schreibtisch-Rechner durch die tragbaren Computer ersetzen.

Profitieren sollte Gericom von der im Herbst 2001 eingeleiteten stärkeren regionalen Diversifizierung der Absatzmärkte. Bisher hängt der Erfolg Gericoms nämlich zum größten Teil an den deutschsprachigen Märkten (Umsatzanteil 77 %). Von 540 Mill. Euro Umsatz kamen 62 % aus Deutschland. Von den 1,5 Mill. in Deutschland verkauften Notebooks entfielen 13 % auf Gericom, das damit vor Toshiba und Fujitsu/Siemens liegt.

Diese regionale Abhängigkeit will Gericom mit der Expansion in andere europäische Länder reduzieren. Die Expansion nach Westeuropa sollte sich zudem positiv auf die Margen auswirken, da diese - anders als auf dem umkämpften deutschen Markt - etwa in Frankreich und Italien deutlich höher sind.

An den großen Vertriebspartnern aus dem Handels- und Lebensmittelbereich, wie Metro, Mediamarkt, Saturn, oder Lidl will Gericom festhalten. Über diese wurden im Vorjahr gut 80 % der Umsätze gemacht. Gründer und Vorstandschef Hermann Oberlehner lässt keinen Zweifel daran, dass er lieber auf einen Prozentpunkt Marge verzichtet und ein längeres Zahlungsziel in Kauf nimmt, dafür aber dank großer Partner kein Ausfallrisiko hat.

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