Aktie unter der Lupe
Gerüchte sorgen bei Victor für Kursexplosion

Victor, besser bekannt unter seiner Marke JVC, macht derzeit von sich reden - bei Cineasten wie auch bei Anlegern. Die Aktie der Tochter des Elektronikriesen Matsushita Electric, wiederum bekannter unter der Marke Panasonic, legte gegen den Trend stark zu. Der Grund: Gerüchte.

TOKIO. In den japanischen Kinos ist gerade ein neuer Film angelaufen über den Kampf der großen Unternehmen um den globalen Standard für Videorekorder in den 80er Jahren. Strahlender Gewinner gegen Beta und Video 2000 war damals mit seinem System VHS der heute führende Hersteller von Videogeräten Victor. Nicht nur wegen des Films ist das Unternehmen dieser Tage in vieler Munde: Der Aktienkurs hat sich innerhalb von wenigen Monaten verdoppelt. Damit sind die Verluste seit Ende 2000 wieder aufgefangen.

Grund sind unter anderem Spekulationen, Matsushita Electric könnte seinen Anteil von gut 52 Prozent in nächster Zeit aufstocken. "Solche Spekulationen sind zumindest einer der Gründe für den Kursanstieg", vermutet auch Analyst Naoki Takahashi von der Ratingagentur Moody?s. Eine stärkere Eingliederung Victors, argumentiert so mancher Investor, könnte zu Synergieeffekten führen, überschneidet sich das Angebot von Mutter und Tochter doch auf dem Markt für Audiogeräte wie Fernseher, Videorekorder und Hifi-Anlagen. Anlass für das Spekulationsfieber ist eine umfassende Umstrukturierung von Matsushita Electric. "Wenn die Gruppe ernsthaft reformiert werden soll, muss Victor übernommen werden", sagte Fondsmanager Nobuaki Murayama von Cigna International Investment Advisors der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Matsushita betont, dass derzeit nicht geplant sei, den Anteil an Victor aufzustocken. "Victor hat seine eigene, traditionelle Marke und das Management ist sehr unabhängig von Matsushita Electric", sagt Unternehmenssprecher Akira Kadota. Die Ankündigung Matsushitas, bei fünf anderen Töchtern bis Oktober dieses Jahres den Anteil auf 100 Prozent aufzustocken, lässt sich also nicht unbedingt auf Victor übertragen. Kritische Stimmen argumentieren sogar, dass die vor allem im Ausland starke Marke JVC bei einer vollen Eingliederung an Eigenständigkeit verlieren und sich nicht mehr so gut von Panasonic abgrenzen könnte.

Doch auch unabhängig von Veränderungen in der Aktionärsstruktur tut sich wie im Mutterhaus auch bei der Victor Co. of Japan einiges. Das Unternehmen konzentriert sich auf höherwertige Technik. Zwei Fabriken für normale Kathodenstrahl-Fernseher in China wurden dicht gemacht. Statt dessen sollen hoch auflösende Bildschirme, für die Victor eine eigene Technologie entwickelt hat, die Firma wieder in die Gewinnzone führen. Nach einem Rekord-Jahresfehlbetrag von 44,6 Mrd. Yen (rund 377 Mill. Euro) im vergangenen Geschäftsjahr (31. März) hat Victor für das laufende Jahr wieder einen Gewinn von 4,4 Mrd. Yen angekündigt.

Wie viele seiner Kollegen in der Branche will Präsident Masahiko Terada, der ursprünglich von Matsushita Electric kommt, kräftig an der Kostenschraube drehen. Dazu gehören Outsourcing, Werkschließungen und ein massiver Stellenabbau. "Wenn in diesem Jahr keine Gewinne gemacht werden, könnte sich Matsushita Electric zu einer drastischen Umstrukturierung entscheiden", prophezeit Japans führende Wirtschaftszeitung Nikkei. Schon jetzt will Matsushita die Bande zu seiner Tochter auf der Arbeitsebene enger knüpfen. Um Kosten zu sparen haben die Unternehmen beschlossen, in der Forschung und Entwicklung im audiovisuellen Bereich stärker zusammenarbeiten als bisher.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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