Aktie unter der Lupe
GFT überzeugt in der Flaute mit Sparkurs

In Zeiten, in denen Massenentlassungen auf der Tagesordnung stehen, sind Dienstleistungen für den Internetauftritt, wie sie die Schwarzwälder GFT Technologies AG anbietet, schwer zu verkaufen. Dass sich der Markt noch nicht wieder berappelt hat, zeigt nicht erst die gestrige Umsatz- und Gewinnwarnung des GFT-Konkurrenten Pixelpark, der nun nicht mehr damit rechnet, im letzten Quartal des Jahres die Gewinnschwelle zu erreichen. Zuvor hatte auch die I Media AG-D ihre Prognosen für 2001 heruntergeschraubt. Noch schlimmer erwischte es die Wettbewerber Kabel New Media und Popnet: Mangels finanzstarker Partner zwang sie die Marktflaute vor den Konkursrichter.

FRANKFURT/M. Die Analysten, von den überraschenden Umsatzeinbrüchen dieses Jahres oft ebenso überrascht wie die Unternehmen selbst, trauen es zumeist GFT zu, die gegenwärtige Schwächephase im Vergleich zu den am Neuen Markt notierten Konkurrenten am besten zu überstehen. Dafür spricht nicht nur, dass das Unternehmen das laufende Jahr nach einem erfolgreich eingeleiteten Sparkurs mit schwarzen Zahlen abschließen wird. Darüber hinaus stärken die Großaktionäre Deutsche Post und Deutsche Bank der Gesellschaft, die sich insbesondere mit Internetauftritten von Finanzdienstleistern einen Namen gemacht hat, den Rücken. Dabei ist die Nähe zu dem Frankfurter Branchenprimus offenbar kein Hindernis, Neukunden aus dessen Konkurrenzumfeld zu akquirieren. Zuletzt gestaltete die in St. Georgen ansässige GFT die Onlinedienste der Hypovereinsbank-Tochter Activest.

Durch die Übernahme des profitablen IT-Spezialisten Emagine von der Deutschen Bank hat das Unternehmen zudem nicht nur seinen Umsatz verdoppelt, sondern auch seine Kapazitäten so weit ausgebaut, dass es bei internationalen Ausschreibungen mithalten kann. In einem Markt, in dem zunehmend auch die Unternehmensberatungen wie Accenture mitmischen, hat GFT nach Einschätzung von DZ-Bank-Analyst Rainer Raschdorf als einzige deutsche Multimedia-Agentur die kritische Größe erreicht. Während er von der Pixelpark-Aktie schon vor den überraschend schlecht ausgefallenen Zahlen für das 3. Quartal abriet, empfiehlt er GFT zu akkumulieren.

Für Stefan Borscheid von der Hypovereinsbank ist der Titel ein "Outperformer". Im Vergleich zur so genannten Peer Group, also den Unternehmen, die sich mit einem vergleichbaren Geschäftsmodell auf dem selben Markt versuchen, hält er die GFT-Aktie für deutlich unterbewertet. Dass er keine explizite Kaufempfehlung für den Titel ausspricht, begründet er mit dem weiterhin schwierigen Marktumfeld. Der gestern zu gut 7 Euro gehandelten Aktie traut derzeit er ein Potenzial von bis zu 10 Euro zu.

Aber nicht alle Analysten teilen diese Zuversicht für die künftige Kursentwicklung der GFT-Aktie. So riet die Research-Abteilung des Bankhauses Julius Bär angesichts der gut ausgefallenen Quartalszahlen, jetzt Gewinne mitzunehmen. Im Sog des internationalen Kursverfalls am 21. September hatte die Aktie ein Rekordtief von 3,20 Euro markiert. Wer damals eingestiegen ist, hat seinen Einsatz inzwischen mehr als verdoppelt. Auch die Concord-Analysten zeigten sich zuletzt eher skeptisch. Wie viele Analysten überraschte sie GFT damit, dass die Zahlen der neuen Tochter Emagine sowie der spanischen Tochtergesellschaft Freelance anders in die Bilanz einbezogen werden als ursprünglich angekündigt. Sie verwiesen darauf, dass die Integration von Emagine noch nicht abgeschlossen ist und bestätigten ihre Bewertung der GFT-Aktie als "Underperformer".

Noch kritischer äußerte sich Analyst Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Es sei zwar bemerkenswert, dass es GFT in diesem schwierigen Marktumfeld gelungen sei, im dritten Quartal den Break-even zu erreichen. Dennoch sei es nicht sicher, dass der für das Gesamtjahr erhoffte Gewinn auch erreicht wird. Barkow sieht das Kursziel bei 4 Euro und empfiehlt, die Aktie zu reduzieren.

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