Aktie unter der Lupe
Gildemeister betört die Anleger

Gibt es die ideale Aktie, deren Kurs nur steigen kann und gleichzeitig nach unten gut abgesichert ist? Gildemeister scheint so ein Titel zu sein. Doch wie für jede gute Aktie gilt auch für den MDax-Wert: Wer lang genug sucht, findet Schönheitsfehler. Ohne Risiko geht es nicht.

HB Düsseldorf. Im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag strotzt der Bielefelder Spezialist für Dreh- und Fräsmaschinen nur so vor Kraft. Seit sieben Jahren steigert Gildemeister seinen Umsatz um durchschnittlich 30 % pro Jahr. Und beim Gewinn sieht es noch besser aus. Aus tiefroten Zahlen Anfang der neunziger entwickelte sich eine klassische Turnaround-Story. Von umgerechnet knapp 45 Euro in den Monaten des Untergangs der DDR 1989 brach der Kurs während einer schweren Firmenkrise auf gut drei Euro zusammen, ehe er zuletzt wieder auf knapp 12 Euro zulegte.

Damit eilte der Aktienkurs den Ertragssteigerungen nicht davon. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zwölf ist die Aktie des weltweit zweitgrößten Fräsmaschinenherstellers immer noch niedrig bis moderat bewertet. Angesichts einer Dividende von 60 Cent pro Aktie ist der Titel mit einer Dividendenrendite von 5 % nach unten gut abgesichert. "Die vielen Investitionen und die hohe Produktoffensive zahlen sich aus. Unser Kursziel von 12 Euro werden wir nach oben anpassen", empfiehlt Thomas Rau von der BHF-Bank die Aktie zum Kauf. Damit befindet sich der Analyst in Eintracht mit fast allen Investmenthäusern. Zuletzt rieten West LB Panmure, Bayerische Landesbank, Independet Research und Bankhaus Lampe zum Einstieg.

Die Argumentation der Befürworter ist eindeutig: Während die stark zyklische Branche im schwachen Jahr 2001 einen Nachfragerückgang von 13 % erlitt, blickt Gildemeister auf ein neues Rekordjahr zurück. Mit einem neuerlichen Plus von 24 % wurde die Umsatzschwelle von 1 Mrd. Euro überschritten.

Doch bei allem Glanz gibt es auch für die Bielefelder Schatten. So fiel im vierten Quartal 2001 die "Book-Bill"-Rate auf 0,66. Der Frühindikator gibt das Verhältnis von Auftragseingängen und Umsätzen wider. Werte unter eins bedeuten, dass die Order geringer sind als die derzeitigen Umsätze. Entsprechend vorsichtig ist im jüngsten Konzernausblick für 2002 von einem "eher verhaltenen Nachfrageverlauf" und einem erwarteten Gesamtumsatz in Höhe des Vorjahres die Rede.

"Die Auftragseingänge waren schwach, und auch das erste Quartal bleibt schwach. Zudem geht die Profitabilität zurück", meint HSBC-Analyst Dirk Lohmann. Als einsamer Pessimist in der Analystenzunft setzt er die Aktie auf "reduzieren". "Das Management arbeitet hervorragend, die Strategie stimmt. Zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie die Medizintechnik werden erschlossen, um weniger stark von der Automobilindustrie abhängig zu sein. Doch die Dynamik lässt nach, und die Aktie ist bereits gut gelaufen", begründet Lohmann seine Verkaufsempfehlung.

Der Stratege ist sich sicher, dass Gildemeister am Donnerstag in der Bilanzpressekonferenz und tags darauf gegenüber den Analysten sehr vorsichtige Aussagen zum Ausblick auf die kommenden Quartale präsentieren wird. "Es wird schwer sein, die Zahlen 2002 auf dem hohen Niveau von 2001 zu halten." Lohmann hält es deshalb für möglich, dass Anleger Gewinne einstreichen und die Aktie abstoßen - auch wenn Gildemeister besser als die Konkurrenz positioniert ist.

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