Aktie unter der Lupe
GPC entpuppt sich als Hoffnungswert der Börse

Spätestens seit dem Treffen der US-Krebsforscher in Chicago Anfang des Monats nimmt die Analystenzunft die Aktie der Martinsrieder GPC Biotech AG unter die Lupe. Das im TecDax notierte Unternehmen säte auf der angesehenen Fachkonferenz mit neuen Daten über ihr potenzielles Chemotherapeutikum Satraplatin Zuversicht für die deutsche Biotech-Branche. Gleich mehrere Analystenhäuser nahmen die Neuigkeiten zum Anlass einer Neubetrachtung.

FRANKFURT/M. Positiver für GPC gestimmt sind etwa die Analysten von Lehman Brothers, die das Kursziel für die Aktie von bislang 2,70 Euro auf 4,60 Euro anhoben. Eine Kaufempfehlung ist das jedoch nicht, denn nach einem eindrucksvollen Anstieg in den vergangenen Wochen notiert das Papier inzwischen bei 5,40 Euro. Auch die Research-Abteilung der DZ-Bank schraubte die Gewinnerwartung hoch. Sie beziffert die faire Bewertung des Titels auf 6 Euro und spricht der Aktie somit sogar noch etwas Potenzial nach oben zu.

Für Aufsehen in Chicago hatte gesorgt, dass das in der Entwicklung befindliche GPC-Medikament in Kombination mit der herkömmlichen Steroid-Therapie die Überlebensdauer von Patienten mit Prostatakrebs offenbar verlängern kann. Nach vorläufigen Daten ist von knapp drei Monaten die Rede - eine Zeitspanne, die gesunden Menschen kurz erscheinen mag, für einen unheilbar Kranken jedoch die Welt bedeuten kann. Wenn alles gut geht, soll die für die Zulassung maßgebliche Studie im dritten Quartal dieses Jahres beginnen.

Der Bedarf nach neuen Therapien gegen Prostatakrebs ist gewaltig. Die Tumorerkrankung ist nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr nach Schätzungen des Berliner Robert-Koch-Instituts mehr als 30 000 Männer an Prostatakrebs. Mit steigender Lebenserwartung in den Industriegesellschaften dürfte sich diese Zahl in den kommenden Jahren noch erhöhen.

DZ-Bank-Analyst Patrick Fuchs erwartet, dass in der Kombinationstherapie bei Prostatakrebs außer Satraplatin nur das Aventis-Präparat Taxotere eine Rolle spielen wird. Das kommt allerdings voraussichtlich schon 2005 und damit zwei Jahre früher als das GPC-Mittel auf den Markt. Dennoch rechnet Fuchs mit Spitzenumsätzen für Satraplatin von 250 Mill. Euro. Das ist etwa zehn Mal so viel wie der für dieses Jahr angepeilte Gesamtumsatz des Unternehmens. Aus den roten Zahlen der Gegenwart, die größtenteils aus der kostspieligen Forschung resultieren, könnten rasch hohe Renditen werden.

Dieses Potenzial ist es, das GPC und die ebenfalls in Martinsried angesiedelte Medigene AG zu Ausnahmen unter den Biotechtiteln am deutschen Aktienmarkt macht. Denn obwohl schon der Neue Markt so manchen Run auf die Titel des Biotechsektors erlebte, findet man auf dem Kurszettel nur eine Hand voll Unternehmen, die als waschechte Biotechs gelten können. Viele Unternehmen, forschen nicht selbst, sondern sind lediglich als Zulieferer oder Dienstleister für die Branche tätig. Damit sind sie stark von den Branchenrisiken abhängig, ohne die Aussicht zu haben, sich mit einem Verkaufsschlager zu sanieren.

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