Aktie unter der Lupe
Große Windturbinen geben Nordex Auftrieb

Seit einigen Jahren dominieren in deutschen Küstengebieten riesige Windturbinen das Landschaftsbild. Dank staatlicher Förderung von erneuerbaren Energien beträgt der Anteil der Windkraft am Stromverbrauch in Deutschland inzwischen rund vier Prozent. Dabei ist eine Industrie entstanden, die jungen Unternehmen lukrative Gewinnchancen eröffnet.

FRANKFURT/M. Gute Geschäfte machte zuletzt auch wieder die Norderstedter Nordex AG. Der Hersteller von Windturbinen konnte im dritten Quartal 2002 den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 5,4 Mill. Euro steigern, nach 4,2 Mill. Euro im Vorjahr. Der Umsatz kletterte auf 109 Mill. Euro (Vorjahr: 96). Die Börse honorierte die guten Zahlen mit einem Kursanstieg um zeitweise 14 Prozent.

Für das Gesamtjahr (Geschäftsjahresende September) erwartet Nordex ein operatives Wachstum um 30 Prozent. Der Gesamtumsatz soll auf 460 Mill. Euro anwachsen, nachdem der Umsatz in den ersten neun Monaten bereits um ein Drittel auf 300 Mill. Euro gestiegen ist. Frank Laser, Analyst bei der Berenberg Bank, hält diese Ziele für realistisch. Er erwartet, dass Nordex nach einer schwächeren Auftragslage zu Jahresbeginn jetzt zu kontinuierlichem Wachstum zurückkehren kann. "Die Auftragslage hat wieder angezogen, gleichzeitig ist die Volatilität der Umsätze rückläufig. Ich glaube nicht, dass wir bei den Aufträgen noch einmal so einen Einbruch wie im zweiten Quartal sehen werden."

In den ersten Monaten des Jahres litt das Unternehmen wie der gesamte Sektor unter Bestimmungen des neuen Emissionsschutzgesetzes, das die Genehmigung von Windparks an strengere Vorschriften knüpft. Hierdurch verzögerten sich Aufträge. "Inzwischen hat Nordex diesen Rückstand aber wieder aufgeholt", sagt Carsten Kunold, Analyst bei der ING BHF Bank. Er empfiehlt die Aktie als "Strong Buy" mit einem Kursziel bei 6,50 Euro. "Die Wachstumsstory bei Nordex ist intakt, der Markt für Windturbinen wächst immer noch mit zweistelligen Raten." Attraktive Margen verspricht sich Kunold vor allem von der Rotorblattproduktion. Nachdem 2000/01 noch Anlaufverluste anfielen, rechnet das Unternehmen in diesem Bereich für das laufende Geschäftsjahr mit einem ausgeglichenen Ergebnis.

Große Hoffnungen setzt Nordex auf Windenergieanlagen im oberen Leistungsbereich. Bei den großen Turbinen haben die Norderstedter mit der Baureihe N80 eine sehr gute Marktstellung. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Geschäftes dürfte ferner sein, ob dem Unternehmen die Auslandsexpansion gelingt. Im ersten Halbjahr kam noch 68 Prozent des Umsatzes aus Deutschland, wo sich der Markt aber der Sättigungsgrenze nähert. Frank Laser sieht Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien als Kernmärkte, auf denen Nordex weiter wachsen kann - langfristig auch die USA und Osteuropa. Trotz der guten Aussichten notiert die Nordex-Aktie nahe ihrer Tiefstände. Seit Jahresbeginn hat sie rund 47 Prozent an Wert verloren. "Die Unsicherheit über den Ausgang der Bundestagswahl belastet die Windkrafthersteller", sagt Laser.

Bei einem Wahlsieg der Opposition befürchten Experten eine restriktivere Förderpolitik für regenerative Energien. Auf Grund der politischen Unsicherheiten sowie der wackligen Konjunkturlage ist Laser noch vorsichtig und rät, die Nordex-Aktie zu akkumulieren. Unter rein fundamentalen Aspekten hingegen seien die Titel sehr günstig bewertet und hätten Potenzial bis 6,50 Euro.

Quelle: Handelsblatt

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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