Aktie unter der Lupe
Heineken – Eine neue Zeit ist angebrochen

Aktien sind out, aber Heineken ist in. Die Börsenflaute zeigt: Die konservative Expansionspolitik des niederländischen Bierbrauers zahlt sich in Krisenzeiten aus. Mit starker Bilanz baut Heineken dieses Jahr seine Stellung durch preiswerte, gewinnträchtige und risikolose Zukäufe aus. Die meisten Analysten raten zum Kauf.

BRÜSSEL. Heftig kritisierten Analysten vergangenes Jahr den niederländischen Bierbrauer Heineken N.V., er lasse die Konsolidierungswelle der Branche untätig an sich vorbei rauschen. Doch unbeirrt hielt der Traditionskonzern aus Amsterdam an seiner konservativen Akquisitionspolitik fest. Inzwischen wissen auch die Anleger - gebeutelt von der Börsenbaisse - diese Vorsicht zu schätzen. Analysten von ABN Amro, Delta Lloyd, Iris/Robeco, KBC Securities, Rabo Securities und anderen Häusern raten zum Kauf der Aktie, obwohl sie inzwischen nicht mehr preiswert ist. Die Kursziele liegen bei 47 Euro bis 55 Euro.

"Für Heineken ist eine neue Zeit angebrochen", meint ING-Analyst Gerard Rijk. Nachdem die Probleme in Großbritannien, Brasilien und beinahe auch in Argentinien gelöst seien, könne sich der Konzern voll auf "leichtere Dossiers" konzentrieren: Die Expansion in Deutschland sowie den Einstieg in starke lokale Marken in China, Zentralamerika und rund ums Mittelmeer.

Für Zukäufe sei Heineken jetzt besser gerüstet als die Konkurrenz, die auf Aktienemissionen angewiesen sei. "Cash is king bei einer Börsenflaute", begründet Rijk. Über Bares verfügt der Konzern, der nach der Devise arbeitet: kein Geld für teure Übernahmen. Emissionsfinanzierte Großkäufe sind ebenso tabu wie Schulden: 2001 übertraf der Betriebsgewinn die Zinsverpflichtungen um das 16fache. Eine enorme Rate gegenüber AnheuserBusch (7,5) und Interbrew (5,4).

Durch die konservative Politik aber wird Heineken als einst zweitgrößter Bierbrauer der Welt nur noch Rang vier belegen, sobald die südafrikanische SAB US-Hersteller Miller übernommen hat. Interbrew steht durch den Kauf des britischen Brauers Bass bereits auf Platz drei. Der Druck von unten stieg vergangenes Jahr: Scottish & Newcastle kaufte Kronenburg, und Carlsberg schnappte Feldschlösschen den Amsterdamern vor der Nase der weg. Die Börse strafte die Niederländer dafür mit einer schwachen Marktbewertung.

Die Preise für Bass & Co. waren Heineken aber zu hoch - eine richtige Einschätzung, wie sich später herausstellte. Dieses Jahr hingegen ist der Bierbrauer in seinem Element: Er kann zu Niedrigpreisen zukaufen, um lokale Top-Positionen einzunehmen. Mit dem deutschen Partner Schörghuber steigt er bei Karlsberg ein. In China besteht mit einem Joint Venture die Basis, um nach Ansicht von Analysten in einem Jahr den Rückstand auf dem Markt durch Akquisitionen in einen Vorsprung umzumünzen.

Mit den vier Übernahmen der zurückliegenden Wochen im Libanon, in Ägypten, Nicaragua und Costa Rica baut der Konzern zudem seine Positionen in Mittelamerika und im Mittelmeerraum deutlich aus. Die kleinen Akquisitionen seien zusammen immerhin 750 Mill. Euro wert und böten risikolose Monopolstellungen, betont Analyst Peter van der Lely von Iris/Robeco.

"Außerdem liefern sie bereits ab 2003 Gewinn", fügt er hinzu. Das könne den Effekt eines möglichen niedrigen Dollarkurses auffangen. Gewinnwachstum sei sicher, pflichten andere Analysten bei. "Wettbewerber rechnen mit hohen Synergien, doch sind sie erst zu realisieren und es ist unklar, ob das jeweilige Management dazu fähig ist", sagt van der Lely.

Das kleine Integrationsrisiko bei Heineken spreche für einen Kursanstieg, zumal es den stets stabilen autonomen Gewinnanstieg transparent mache. Überdies sei der Preistrend in den USA für Premiummarken günstig. Nicht zuletzt sei die Nummer eins der Welt, AnheuserBusch, noch immer teurer als Heineken.

Quelle: Handelsblatt

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