Aktie unter der Lupe
Hewlett-Packard kommt in Schwung

Gute Nachrichten zu wiederholen wird Konzernchefin Carly Fiorina nicht müde. Ja, Hewlett-Packard (HP) werde trotz Konsumflaute in der zweiten Jahreshälfte die Umsatz- und Gewinnerwartungen erfüllen, sagte sie gestern vor Analysten in New York.

NEW YORK.Die Schätzungen liegen bei 36,4 Mrd. Dollar Umsatz und bei 62 Cent Gewinn je Aktie. Und ihren Biss hat die HP-Chefin auch nicht verloren: Statt auf den Aufschwung zu warten, will sie der Konkurrenz Marktanteile abjagen.

Dabei hat der US-Computer- und Druckerhersteller bereits mit den jüngsten Quartalszahlen den Markt angenehm überrascht. Der Umsatz stieg trotz Flaute in der Informationstechnik (IT) von 17,9 Mrd. auf 18 Mrd. Dollar, unter anderem wegen der Dollarschwäche.

Investoren und Analysten reagierten gleichermaßen erfreut auf die guten Nachrichten. Die Aktie des nach IBM zweitgrößten Computerherstellers stieg auf Kurse um 20 Dollar und liegt nur noch fünf Prozent unter dem Zwölfmonatshoch.

Anlageexperten großer US-Banken loben die Leistung des kalifornischen Unternehmens: "Wir sind beeindruckt von den Verkaufszahlen in der Hardware-Sparte, die wir schwächer erwartet hatten", sagt etwa Steven Milunovich von Merrill Lynch. Die Morgan-Stanley - Analystin Rebecca Runkle fügt hinzu: "Diese Bilanz hat sogar die Bullen überrascht."

Ein Grund für die guten Zahlen: Rund ein Jahr nach der Fusion mit dem Konkurrenten Compaq zeigen sich deutliche Synergieeffekte. Konzernchefin Fiorina sagte, HP habe 3,5 Mrd. Dollar Betriebskosten eingespart. "Die Integration war ein Erfolg, und die Geschäftsleitung hat gute Entscheidungen getroffen. Teilweise lagen die Einsparungen um 40 Prozent höher als erwartet", erklärt Milunovich. In den nächsten zwölf Monaten sollen die Kosten um eine weitere Milliarde Dollar gesenkt werden - unter anderem durch Stellenstreichungen. Die Übernahme hat bereits 16 600 Mitarbeiter ihren Job gekostet.

Die Analysten befürworten die Sparpläne: "Hewlett-Packard wird bei den Kostensenkungsinitiativen in einen höheren Gang schalten müssen", sagt Analystin Runkle, "um beispielsweise den Preisdruck und steigende Kosten für Pensionszahlungen ausgleichen zu können." Analyst Richard Gardner von Citigroup Smith Barney bewertet die Aktie zurzeit als besten Titel der Branche ("Top Pick") und rechnet damit, dass der Kurs innerhalb der nächsten zwölf Monate auf bis zu 23 Dollar steigt. Im Vergleich zum aktuellen Niveau würde dies ein Plus von rund 15 Prozent bedeuten. "Wir raten unseren Kunden dazu, die Gewinne von teureren Konkurrenten mitzunehmen und den Erlös zum Übergewichten von Hewlett-Packard zu verwenden", sagt Gardner.

Einige Experten warnen allerdings vor verfrühtem Optimismus. Zwar liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei HP mit etwa 13 deutlich niedriger als bei anderen Mitbewerbern wie Dell mit rund 31, IBM mit 20 und Lexmark mit 30. Doch noch sind nicht alle Bedenken zerstreut. Sowohl die anhaltend schwierige Lage in der Branche als auch die langfristigen Gewinnaussichten bereiten den Experten Sorgen. Zudem seien die jüngsten guten Nachrichten inzwischen im Kurs enthalten. "Die Kostenersparnis durch die Fusion ist jetzt Allgemeinwissen und wird kaum frisches Geld anlocken", sagt Milunovich. "Die Anleger und damit auch die Aktienkurse reagieren regelmäßig schon auf Veränderungen, bevor diese tatsächlich passieren."

Auf lange Sicht sollte dem Wiederaufstieg der Hewlett-Packard-Aktien nach Expertenmeinung aber nichts entgegenstehen. "Während ein Quartal noch keinen Trend macht, lassen sich doch die verbesserten Margen, der beeindruckende Cash-Flow und die gute Leistung bei den Gewinnen nicht einfach ignorieren", kommentiert Analystin Runkle. Und auch Gardner erwartet langfristig eine Rückkehr zu alten Kurs-Höchstwerten: "Ein paar mehr solide Quartale so wie dieses sollten ausreichen, um die Aktie wieder in den niedrigen 20-Dollar-Bereich zu heben. Und wir glauben, dass das Unternehmen diese Zahlen liefern wird."

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