Aktie unter der Lupe
Hochtief-Aktionäre hoffen auf erfolgreichen Konzernumbau

Die Flut in Ostdeutschland ließ die Kurse von Bauaktien explodieren. Dabei bildete Hochtief keine Ausnahme. Im Gegensatz zur Branche konnte sich die Aktie aber bislang vom allgemeinen Negativtrend abkoppeln. Die künftige Entwicklung wird stark vom Erfolg der Restrukturierung abhängen.

DÜSSELDORF. Der Bau des ersten privaten deutschen Flughafens - gemeint ist der Airport Berlin Brandenburg - ist für den Essener Baukonzern Hochtief Großauftrag und Prestigeprojekt in einem. Doch allzu große Euphorie um die Aktie ist fehl am Platz. Denn das Marktumfeld bleibt schwierig: Seit dem Boom der Wiedervereinigung kämpft die inländische Baubranche mit Überkapazitäten. Für das laufende Jahr rechnet der Hauptverband der deutschen Bauindustrie mit einem Umsatzrückgang von 5 %. "Gerade ausländische Investoren lassen sich oft von den miserablen Branchenaussichten in Deutschland abschrecken", berichtet Christiane Nestroy, Analystin bei der Hypo-Vereinsbank. Dabei ist Hochtief längst eine internationale Größe und macht mehr als 80 % des Umsatzes im Ausland.

Deshalb erscheint es verwunderlich, warum sich die Aktie in den letzten Wochen fast im Gleichschritt mit dem deutschen Branchen-Index CDax-Construction entwickelte. Beide Charts zeigen einen rapiden Anstieg nach der Flut in Ost-Deutschland, wenig später wurden die Gewinne jedoch wieder abgeben.

"Im Zuge der Flutkatastrophe haben wir eine regelrechte Spekulationsblase gesehen", erklärt Christiane Nestroy. Natürlich sei es wahrscheinlich, dass große Bau-Konzerne in Ost-Deutschland nun den einen oder anderen Großauftrag erhalten. Die allgemeine Explosion dieser Aktien sei jedoch fundamental durch nichts gerechtfertigt gewesen. Ein Aspekt spricht jedoch speziell für Hochtief: Die Aktie konnte sich bislang auf Jahressicht deutlich vom Trend abkoppeln und liegt im Gegensatz zum Construction-Index im Plus. Sollte es mit dem Restrukturierungsprogramm gelingen, die Verluste im Inland zu begrenzen, könnte dies der Aktie gut tun, meint Christiane Nestroy. Eine schwarze Null im klassischen Baugeschäft sei allerdings erst im kommenden Jahr möglich.

Entscheidender noch wird die Entwicklung in Amerika sein. Hier erzielt Hochtief mit 3,1 Mrd. Euro im ersten Halbjahr die größten Umsätze. Mit dem Hochbau-Spezialisten Turner verfügt der Konzern nach Ansicht von ABN-Amro-Analyst Ingbert Faust über eine gute Marktstellung. Am wachstumsstärksten zeigte sich jedoch die Sparte Asia-Pacific. Dank der Beteiligung an der australischen Leighton Holding konnte ein glänzendes Umsatzplus von 17,7 % auf 1,6 Mrd. Euro erwirtschaftet werden.

Aufgrund der guten Aussichten im Auslandsgeschäft und des zu erwarteten Turnaround im Inlandsgeschäft zu Beginn 2003 beurteilt Gregor Elze von der Bayrischen Landesbank die Aktie als "Outperformer", geht also davon aus, dass sie sich besser als der Markt entwickelt. Auch die Sparte Airport sollte langfristig dazu beitragen.

Die Tätigkeit im Projektentwicklungsgeschäft wird von den meisten Analysten ebenfalls positiv bewertet. Durch selbstständiges Planen, Bauen und Verkaufen von Objekten sind die Margen höher und die Abhängigkeit von der Baukonjunktur ist geringer. Erhardt Schmitt von Helaba Trust sieht daher den fairen Wert bei 18 Euro.

Andere sind dagegen skeptischer: Hans-Peter Wodniok von der Crédit Lyonais beobachtet eine nachlassende US-Bau-Konjunktur: "Während der öffentliche Bau gut läuft, bleibt der Wirtschafts- und Wohnungsbau deutlich hinter den Erwartungen zurück." 8,5 % waren es hier im Vergleich zur Vorjahresperiode weniger. Auch die niederländische Tochter Ballast Nedam ist ein Risiko. Mit einem Restrukturierungsprogramm soll bis Jahresende der Turnaround geschafft werden.

Bisher ungelöst ist zudem das Problem der künftigen Eigentümer: Mit einem Anteil von 40 % plus 16 % einer Tochterfirma ist RWE Mehrheitsaktionär. Der Konzern hat jedoch angekündigt, sich bis Ende 2003 von der Beteiligung trennen zu wollen. Ein Käufer hat sich bislang nicht gefunden. Nach Aussage von Hochtief-Vorstandschef Hans-Peter Keitel hat RWE eine Zerschlagung ausgeschlossen. Die Analysten von Independent-Research sehen hierin ein Risiko und stufen die Aktie mit "neutral" ein.

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