Aktie unter der Lupe
Höft & Wessel: Tipp für Spekulanten

Der Auftrag über die Lieferung von Zahlungs-Terminals zur Abrechnung der geplanten LKW-Maut ist mit einem Volumen von rund 30 Mill. Euro der größte Auftrag der Firmengeschichte des Unternehmens Höft & Wessel. Doch das erwartete Kursfeuerwerk blieb bisher aus.

tf DÜSSELDORF. Unter Spediteuren sorgen die Maut-Pläne für Angst und Schrecken, die Bundesregierung verspricht sich von ihr jedoch Einnahmen in Milliardenhöhe. Auch wenn das Gesetz erst im kommenden Jahr in Kraft tritt, gäbe es zumindest rein theoretisch einen, der jetzt schon davon profitieren könnte - die Aktie von Höft & Wessel. Im Rahmen des Auftrages sei für das Jahr 2002 noch eine Mindestzahlung von 6 Mill. Euro vereinbart, hieß es.

Zwar gewann das Papier, als die Nachricht bekannt wurde, 5 % auf 2,10 Euro. Inzwischen ist die Euphorie jedoch verflogen. Die Aktie dümpelt wieder bei 1,95 Euro, Tendenz weiter fallend. Ähnlich war die Entwicklung bereits im Juni, als dieser Auftrag in Aussicht gestellt wurde, der Aktienkurs aber weiter nach unten ging. Auf reine Ankündigungen speziell von Unternehmen des Neuen Marktes gibt inzwischen an der Börse kaum noch ein Anleger eine Pfifferling. Nun wachsen allerdings mit ausgehandeltem, aber noch nicht unterschriebenem Vertrag unter Analysten die Hoffnungen, dass es Höft & Wessel in diesem Jahr noch gelingt, den Turn-Around zu schaffen. Für Vertrauen sorgt, dass in dem Bieterkonsortium mit dem Namen Toll Collect noch so illustre Namen wie Daimler Chrysler und die Deutsche Telekom vertreten sind.

Das negative Halbjahresergebnis vor Steuern betrug bei Höft & Wessel minus 2,4 Mill. Euro, zum Jahresende soll nach den letzten Planungen an dieser Stelle ein Plus von 1 Mill. Euro stehen. Damit könnte dann auch das Vertrauen zurückgewonnen werden, das nach dem grottenschlechten Jahr 2001 bei vielen Anlegern verspielt wurde.

Hauptgeschäft von Höft & Wessel sind Soft- und Hardware für die mobile Datenerfassung. Neben Geräten für den Einzelhandel ist es vor allem der Ticketing-Bereich, der stärker an Bedeutung gewinnt. Als Großkunden kann das Unternehmen hier die Lufthansa und die Deutschen Bahn vorweisen. Doch die Investitionszurückhaltung seiner Kundschaft bekam Höft & Wessel im ersten Halbjahr voll zu spüren: Der Auftragsbestand schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Mill. Euro auf 35,2 Mill Euro. Auch der Verkauf des neu entwickelten Webpanels Skeye - ein mobiler Internetzugang für Geschäftsreisende - litt unter der Konjunkturschwäche.

Tochterfirma in Schwierigkeiten

Wesentlicher Auslöser für das negative Halbjahresergebnis waren jedoch Probleme bei der englischen Tochterfirma Metric. Ein Restrukturierungsprogramm und ein Großauftrag für das geplante Londoner City-Maut sollen das Unternehmen wieder in die Gewinn-Zone bringen.

Auch Höft & Wessel selbst will Kosten sparen - angestrebt werden 2 Mill. Euro pro Jahr. Das ist nach Ansicht von Performaxx-Analyst Oliver Franz auch dringend notwendig, denn das Unternehmen (Marktkapitalisierung ca. 16 Mill. Euro) hinke in puncto Kosten und Umsatzrendite der Konkurrenz hinterher. Während Ernst Scheerer von Dresdner Kleinwort Wasserstein die momentane Auftragslage bedenklich findet, ist Oliver Franz optimistisch: "Dem Unternehmen ist es bisher immer gelungen, seine Umsatzprognosen zu halten". Eine stabile Marktprognosen sei wegen der vielen Nischenmärkte jedoch schwierig. Nicht nur für Anleger, sondern auch für Analysten birgt dieses Geschäftsmodell ein großes Maß an Intransparenz.

Franz rät dennoch zum spekulativen Kauf der Aktie: "Selbst bei unserer sehr konservativen Schätzung von rund 19 Cent pro Aktie kommen wir auf ein KGV von 10". Die eklatante Unterbewertung ist für Ernst Scheerer das einzige Argument, warum er eine Kaufempfehlung ausspricht. Die Aktie koste momentan nur ein Drittel ihres Buchwertes von 6 Euro. Damit teilt sie das Schicksal vieler Unternehmen am Neuen Markt. Fast 92 % hat die Aktie seit der Emission im Juli 1998 an Wert verloren. Allein auf Grund dieser Zahl verwundert es nicht, warum derzeit nur spekulative Naturen zugreifen.

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