Aktie unter der Lupe
H&M: Billige Klamotten – teure Aktie

In seinen Shops macht Hennes & Mauritz zwar Geschäfte mit modischer Kleidung zu günstigen Preisen. Die Aktie des schwedischen Textilkonzerns ist aber alles andere als günstig. Das KGV der Aktie liegt weit über dem Durchschnitt der Werte in der Bekleidungsbranche.

DÜSSELDORF. Mit seinen Werbe-Aktionen fördert Hennes & Mauritz regelmäßig die kriminellen Energien unter Jugendlichen. Denn die Poster, mit denen der Konzern in den Innenstädten für seine Mode wirbt, sind heiß begehrt. Vor allem, wenn sich Schöne wie Claudia Schiffer oder Anna Nicole Smith in knappen Dessous auf den Plakaten räkeln, greifen Verehrer gerne zu.

Top-Models werben für Billigkleidung - das Konzept des schwedischen Textilunternehmens geht auf: Denn nicht nur die Werbung von Hennes & Mauritz (H&M) kommt an. Auch die Kleidung in den Shops verkauft sich gut. Im ersten Halbjahr 2002 bescherten die Kunden dem Unternehmen ein Umsatzplus von 15 Prozent. Im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres ist der Umsatz von 21,4 Mrd. Kronen (2,3 Mrd. Euro) auf 24,7 Mrd. Kronen (2,7 Mrd. Euro) gestiegen.

Beim Gewinn sieht es für die Schweden noch besser aus: Hier haben sie ein Plus von 56 Prozent vorgelegt. Damit betrug der Gewinn im ersten Halbjahr 3,3 Mrd. Kronen (358 Mill. Euro). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag er noch bei 2,1 Mrd. Kronen (228 Mill. Euro). Gestern notierte die H&M-Aktie bei rund 174,5 Kronen (18,90 Euro).

Wenn das Geld für Designer-Outfits nicht reicht, nimmt man die billigen Plagiate von der Stange. "Zurzeit profitiert das Unternehmen davon, dass die Konsumenten mehr auf den Cent schauen als früher", sagt Sven Madsen, Analyst bei der ING BHF-Bank. Das gilt vor allem für Deutschland, wo die Einzelhändler seit der Euro-Umstellung über zurückhaltende Käufer klagen. Während der Umsatz der Bekleidungsgeschäfte in Deutschland in der ersten Jahreshälfte durchschnittlich um etwa sieben Prozent sank, legte der schwedische Anbieter elf Prozent zu.

Vorteil von H&M sei die Spezialisierung auf junge Kunden, sagt Analyst Mark Josefson von der Bank Julius Bär. "Das Segment ?Young Fashion? gehört zu den heißen Themen im Einzelhandel." Weiterer Pluspunkt gegenüber vielen Konkurrenten: "H&M reagiert schnell auf Trends", sagt Analyst Josefson. Die Schweden kopieren die aktuellen Modelle von den Laufstegen und präsentieren täglich mindestens ein neues Teil in jedem Laden.

Schleppendes US-Geschäft

Seit kurzem bekommt die schöne Kleiderwelt aber ein paar Risse: In den USA, wo H&M vor zwei Jahren startete, läuft das Geschäft nur schleppend. Nach Meinung von Analysten schreiben die 34 Läden bislang rote Zahlen. "Bis heute ist das US-Geschäft eine Last", sagt Josefson. Auch die Expansion in Spanien funktioniert nicht wie gewünscht. Hier bereitet den Schweden die harte Konkurrenz Probleme. "Einheimische Textil-Anbieter wie Zara oder Mango haben ähnliche Konzepte und sprechen die gleiche Zielgruppe an wie H&M", sagt Analyst Madsen.

Während H&M in seinen Shops auf Billigware setzt, kann an der Börse davon keine Rede sein. Die Aktie des Unternehmens ist relativ teuer: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei über 28. "Im Verhältnis zu den Aktien anderer Bekleidungsunternehmen gehört das H&M-Papier nicht zu den Schnäppchen auf dem Markt", sagt Madsen. Im Durchschnitt hätten die Aktien der Branche ein KGV von 19, so der BHF-Analyst. Ein Wert von 28 markiere schon das obere Ende der Skala. Madsen empfiehlt daher "Halten".

Analyst Josefson schätzt die Lage anders ein und hat H&M auf "Kaufen" gesetzt. "Dafür sprechen nicht nur die aktuellen Gewinnzahlen, sondern auch die langfristige Entwicklung des Konzerns", sagt er.

Über die Ladentische von H&M gehen jährlich etwa 500 Mill. Artikel - außer Damen- und Herrenmode auch Kinderkleidung, Accessoires und Kosmetik. Mittlerweile ist H&M mit seinen Shops in 14 Ländern vertreten und beschäftigt insgesamt rund 34 000 Mitarbeiter. Wichtigster Markt ist Deutschland, wo das Unternehmen rund 30 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. "Da die Konsumenten sehr preisbewusst einkaufen, ist Deutschland ein interessanter Markt für H&M", sagt Josefson.

An der Börse sind sich die Analysten zwar nicht einig, wenn es um die H&M-Aktie geht. Aber in den Innenstädten ist wohl ein klares Votum zu erwarten, sobald eine neue Dessous-Kampagne startet: Zugreifen.

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