Aktie unter der Lupe
Iberia stemmt sich gegen den Branchentrend

Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington wurden Iberia-Aktien genauso in den Abwärtsstrudel gerissen wie die Konkurrenz-Papiere. Iberia ist jedoch gegen den Branchentrend optimistisch.

MADRID. Die Terroranschläge in den USA rufen Trittbrettfahrer auf den Plan: Eine Maschine der größten spanischen Fluggesellschaft Iberia S.A. mit 69 Passagieren an Bord befand sich gerade auf dem Weg von San José (Costa Rica) nach Miami, als eine Bombendrohung sowohl bei den Behörden in Costa Rica als auch in den Vereinigten Staaten einging.

Der Airbus wurde von zwei US- Kampfjets kurz vor seiner Landung am Dienstag begleitet. Als die Maschine später nach Bomben durchsucht wurde, fand man - glücklicherweise - nichts. Doch das Vertrauen der Menschen in die Fliegerei dürfte dadurch nicht gerade gestärkt werden - und das der Aktionäre in Fluglinien-Aktien auch nicht. Die Airlines erwarten in den kommenden Wochen einen Rückgang der Nachfrage, der sich bislang nur schwer beziffern lässt.

Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington wurden Iberia-Aktien genauso in den Abwärtsstrudel gerissen wie die Konkurrenz-Papiere. Bis Montag verloren sie 30 %. Am Dienstag gelang es dem Unternehmen, mit einem Plus von 7,59 % einen Teil der Verluste wieder wett zu machen, was sich am gestrigen Mittwoch zeitweise fortsetzte. Aktionäre kann das nur wenig trösten: Iberia war erst im April an die Börse in Madrid gegangen. Der Ausgabepreis hatte bei schwachen 1,19 Euro gelegen. Diesen Startkurs hat die Aktie bislang nur unwesentlich um 0,02 Euro überbieten können.

Vorerst keine Massenentlassungen

Iberia ist jedoch gegen den Branchentrend optimistisch. Massenentlassungen, über die viele amerikanische und europäische Airlines nachdenken, soll es, wie gestern eine Sprecherin betonte, bei den Spaniern nicht geben. Noch nicht. Für die Zukunft einen solchen Schritt ausschließen wollte die Sprecherin ausdrücklich nicht. Schließlich glaubt man auch bei Iberia, "dass wir durch die Anschläge beeinflusst werden". Nach Aussage der Sprecherin sei es jedoch zu früh, eine endgültige Aussage über das Ausmaß des zu erwartenden Schadens zu treffen: "Die Lage wird analysiert."

Zu Gerüchten über einen möglichen Verlust der Fluggesellschaft in diesem Jahr wollte sie nichts sagen. Offiziell bleibt es bei der bisher gültigen Vorhersage, nach der das Unternehmen in diesem Jahr ähnlich wie im vergangenen einen Nettogewinn von etwa 200 Mill. Euro verbuchen will. Iberia weist darauf hin, dass die Airline von den Strecken über den Nordatlantik nicht so stark abhängig sei wie andere europäische Fluggesellschaften wie zum Beispiel Lufthansa. Das Unternehmen, das im Frühjahr für viele Schlagzeilen über die Gehaltsverhandlungen mit seinen Piloten sorgte, bietet lediglich fünf Flüge täglich in die Vereinigten Staaten an.

Auch die Analysten von Ibersecurities in Madrid halten Iberia für weniger betroffen, bleiben aber skeptisch: "Wir glauben, dass sich die Aussichten für Iberia beträchtlich verschlechtert haben." Die Aktie steht bei Ibersecurities weiterhin auf "Neutral", was einem eher zurückhaltenden Urteil entspricht.

Ibersecurities vermutet, dass der weitere Geschäftsverlauf bei Iberia zu einer Trennung von der über 18-prozentigen Beteiligung an der Gesellschaft für Flugbuchungen über das Internet, Amadeus Global Distribution S.A., führen könnte. Auch die Amadeus-Aktie hat in der vergangenen Woche kräftig an Wert verloren.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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