Aktie unter der Lupe
IDS setzt auf konjunkturellen Rückenwind

Es war wahrlich kein goldener Herbst, den die Aktie des Saarbrücker IT-Dienstleister IDS Scheer erlebte.

FRANKFURT/M. Erst führten die Ereignisse des 11. September zu einem massiven Kurseinbruch. Dann mussten die Unternehmenssprecher Helmut Kruppke und Ferri Abolhassan, die bis dato ihre Prognosen stets erfüllt hatten, bekennen, dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach neun Monaten mit 1,9 Mill. Euro doch weit hinter den Erwartungen der Analysten zurückbleiben würde. Sonderaufwendungen wegen einer abgesagten US-Akquisition führten dazu, erläuterte das Unternehmen. Ein weiterer Kurssturz folgte.

Diesen Schock scheinen viele Analysten inzwischen verdaut zu haben. Die Aussage des Vorstandes, das operative Geschäft im Geschäftsjahr 2001 gegenüber 2000 nicht steigern zu können, sehen beispielsweise die Experten von SES Research auf dem aktuellen Bewertungsniveau mittlerweile nicht mehr allzu kritisch. Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sei ein solches Ergebnis noch positiv zu bewerten, heißt es. Sie betrachten die Aktie deshalb wieder als "outperformer", trauen ihr also eine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu. Dabei könnte der gesamte Sektor eine Aufwertung erfahren. So erwartet das amerikanische Marktforschungsinstitut IDC spätestens ab Mitte dieses Jahres eine konjunkturelle Erholung in der IT-Branche. Der Aufschwung könne aber auch schon früher und stärker einsetzen, heißt es von dort.

Eine Einschätzung, von der sich August-Wilhelm Scheer, Professor für Wirtschaftsinformatik in Saarbrücken und gleichzeitig Gründer und Aufsichtsrat von IDS Scheer, bestätigt sieht. "Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung kann für den IT-Markt zu einer kleinen Delle führen, sie wird ihn aber nicht zurückwerfen." Entscheidender Faktor für die Unternehmen werde im Konkurrenzkampf einmal mehr die Größe sein. "Die großen Langsamen werden künftig die kleinen Schnellen schlagen", so sein Resümee. Der Trend gehe in der IT-Branche immer mehr in Richtung Komplettlösungsanbieter. Standard-Software und gleichzeitig Beratung sei deshalb das Konzept, das Kunden in Zukunft wünschten, glaubt Scheer.

Hier sieht Manfred Jaisfeld von der Düsseldorfer WGZ-Bank das Unternehmen bereits gut ausgerichtet. "Hohe Fachkompetenz, ein ausgezeichnetes Produktportfolio" sowie eine am Neuen Markt seltene finanzielle Solidität bescheinigt er den Saarländern. Bei etwa 70 Mill. Euro liegen seiner Berechnung nach derzeit die liquiden Mittel des Unternehmens. Zudem verfügt IDS Scheer laut Jaisfeld mit seinen selbst entwickelten Produkten wie der Aris-Software oder dem Process Performance Manager über die führende Software zur Modellierung von Geschäftsprozessen. Wegen des seiner Meinung nach günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 21,5 für das laufende Geschäftsjahr lautet sein Urteil ebenfalls "outperformer".

Doch was dem einen günstig erscheint, ist dem anderen zu teuer. Das KGV von IDS Scheer liege gleichauf mit dem Wettbewerber SAP SI und deutlich über der kleineren Novasoft, errechnen die Analysten von Independent Research. Sie stufen die IDS-Aktie daher nur mit "marktneutral" ein. Noch skeptischer sind sogar die Experten von Helaba Trust. Sie raten dazu, das IDS-Papier, das aktuell etwa 10 % über dem Stand zum Jahresbeginn und rund ein Drittel über Tiefststand notiert, unterzugewichten.

August-Wilhelm Scheer reagiert auf solche Einschätzungen gelassen. Er setzt auf die Innovationsfähigkeit bei IDS. Außerdem habe das Unternehmen in den 17 Jahren seit der Gründung drei Krisen in der IT-Branche erlebt und sei jedesmal gestärkt daraus hervorgegangen, berichtet er. Er ringt deshalb der gegenwärtigen Lage auch etwas Positives ab: "In guten Zeiten werden Manager schnell einseitig." In Krisenzeiten dagegen trete die Kreativität wieder mehr in den Vordergrund. Gefordert seien dann wieder neue Ideen, sagt der Informatik-Professor.

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