AKTIE UNTER DER LUPE
Im Airport-Geschäft setzt BAA weiter die Maßstäbe

Der international agierende britische Flughafen-Betreiber BAA hat das Wegbrechen des lukrativen Duty Free-Geschäfts in der EU blendend verkraftet und erntet dafür Anerkennung bei den Analysten. Mit Nachdruck soll nun der Kapazitätsausbau am Heimatstandort London Heathrow vorangetrieben werden.

DÜSSELDORF. Für die Zukunft seines Unternehmens schürt Mike Hodgkinson schon mal nationale Ängste. Wenn die Heimatbasis, der Londoner Flughafen Heathrow, nicht in absehbarer Zeit ein fünftes Terminal bekomme, "verlieren wir unser Business an Airports auf dem Kontinent", warnte der Chef des weltweit operierenden britischen Flughafenbetreibers BAA plc. Und setzte noch eins drauf: "Es ist die Entscheidung, ob London eine Weltklasse-City und Großbritannien ein Weltklasse-Land bleibt."

Das Trommeln für den Ausbau des größten Flughafens in Europa kommt nicht von ungefähr. Heathrow braucht nicht anders als der Frankfurter Flughafen Fraport AG mehr Platz, um im anhaltend boomenden Luftverkehr eine Schlüsselrolle behalten zu können. BAA habe, so analysierte Dresdner Kleinwort Wasserstein zum Fraport-Börsengang, "an ihrem wichtigsten Flughafen mit akuten Kapazitätsmängeln zu kämpfen".

Diese würden selbst nach einem Terminalneubau, der bis 2007 avisiert ist, kaum behoben. Denn dann fehle immer noch eine dritte Start- und Landebahn für den Mega-Airport. Doch aus der Analystensicht ist das erst ein Thema für morgen und übermorgen. Denn zurzeit steht die seit 1987 börsennotierte BAA, Marktführer und Vorbild für die Ambitionen von Fraport, zwar nicht strahlend, aber gleichwohl gut da. Die Aktie wird weit überwiegend zum Kauf empfohlen. "Der Ausblick ist nur wegen der Maul- und Klauenseuche ein bisschen bewölkter als sonst", fasst Christian Cowley von ABN Amro die Stimmung zusammen.

Seuche hat Touristen vergrault

Die Seuche hat gegen Ende des Geschäftsjahres 2000/2001 (31.3.) und vor allem in diesem Frühjahr die Touristenströme ins Vereinigte Königreich verdünnt. Das bremste zwangsläufig die Gewinn-Entwicklung bei BAA, die Betreiber sieben großer britischer und neun ausländischer Flughäfen ist. Doch Vorstandschef Hodgkinson ist zuversichtlich, dass er im laufenden Geschäftsjahr 4 bis 5 % Wachstum erreichen kann. Das sagte er diese Woche anlässlich der Präsentation der Bilanzzahlen für 2000/2001.

Viele Analysten stimmen ihm prinzipiell zu, wenngleich die Erwartungshaltung "eher einen Tick darunter liegt", wie es Dirk Meyer von der BHF-Bank formuliert. Bemerkenswert findet er aber, wie BAA ein anderes Problem gemeistert hat - das Ende des innereuropäischen Duty Free-Geschäfts im Jahr 1999. Im Einzelhandel, der bei dem britischen Airportbetreiber rund 70 % des Umsatzes ausmacht - Fraport bringt es lediglich auf etwa 30 % -, legten sie letztes Jahr um 13 % zu. Und das war nach Angaben von Hodgkinson mehr, als die Planungen vorausgesagt hatten. Als BAA, 1986 aus der Privatisierung der staatlichen British Airport Authority unter der Thatcher-Regierung entstanden, 1999 vor dem Wegbrechen des Zollfrei-Geschäftes innerhalb der EU eine Gewinnwarnung abgegeben hatte, halbierte sich der Aktienkurs in einem Sturzflug auf 350 Pence.

Das nun erfolgreich abgeschlossene Umsteuern im Handelssegment veranlasste beispielsweise Credit Suisse First Boston, die Aktie auf "buy" aufzuwerten. Analyst Matthew Smith hält es für wahrscheinlich und sinnvoll, dass BAA künftig zweigleisig fährt und die Handelsaktivitäten von dem kostenaufwändigen Airport-Abfertigungsgeschäft trennt. "Das würde ein höheres Rating rechtfertigen", meint Smith. Er sieht die Aktie beim Status quo bei 638 Pence, bei getrennter Kasse aber bei 716 Pence.

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