Aktie unter der Lupe
In Karstadts Warenhäusern streiken Verkäufer und Käufer

Deutschlands Einzelhandel steckt in einer Krise. Im Tarifstreit sind am vergangenen Mittwoch 5 000 Beschäftigte in Warnstreiks getreten. Im Mittelpunkt standen dabei die Karstadt-Warenhäuser. Doch viel schlimmer ist der anhaltende "Käuferstreik". Besonders schwer getroffen hat es auch in diesem Fall den größten Europäischen Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt Quelle.

DÜSSELDORF. In der vergangenen Woche veröffentlichte der Konzern enttäuschende Quartalszahlen. Mit einem Minus von 120 Mill. Euro wurden der Verlust von 80 Mill. Euro aus dem Vorjahr noch übertroffen. Das Unternehmen verbuchte vor allem im stationären Einzelhandel hohe Umsatzrückgänge. Warenhäuser verloren acht Prozent und Fachgeschäfte sieben Prozent.

Dabei hatte sich der Essener Konzern im Herbst 2000 das ambitionierte Ziel gesetzt, den Vorsteuergewinn zu verdreifachen. "Dass an diesem Ziel festgehalten wird, beurteilen wir eher negativ. Wir fragen uns, wie das erreicht werden soll", sagt Julia Münchschwander, Analystin beim Bankhaus Metzler. Die Lage im Deutschen Einzelhandel sei nach wie vor schlecht. Auch das Konsumbarometer für April zeige, dass sich die Stimmung noch nicht verbessert habe, meint Münchschwander. Die Retail-Expertin rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang bei Karstadt Quelle von 1,8 Prozent für das Gesamtjahr. Als Kursziel gibt sie 27 Euro an und stuft das Papier auf "verkaufen". Volker Bosse von HVB Equity Research hat das Kursziel zwar auch von 45 auf 42 Euro reduziert. Die Aktie wird aber immer noch als "outperform" eingestuft.

Karstadt Quelle ist hauptsächlich auf Märkten aktiv, die von Konsumschwäche besonders stark betroffen sind: Warenhäuser und Versandhandel. Für Textilien ist Karstadt Quelle der größte Anbieter in Deutschland. Und genau hier waren die Umsatzrückgänge am höchsten.

Hart getroffen

Verglichen mit anderen börsennotierten Einzelhändlern wie Douglas oder Metro hat es Deutschlands größten Warenhauskonzern am härtesten getroffen. Douglas konnte im ersten Quartal sogar leicht zulegen, da die Parfumbranche von den Konsumrückgängen nicht so stark betroffen war und Douglas auch vom Ostergeschäft profitieren konnte. Metro kam noch am besten weg. Die Analysten vom Bankhaus Metzler stufen die Aktie des Unternehmen daher mit "halten" ein. "Die Metro AG hat den großen Vorteil, dass sie die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland macht. So können sie sich der schlechten Situation in Deutschland entziehen", sagt Münchschwander vom Bankhaus Metzler. Ein großes Problem der Karstadt Quelle AG sei, dass der Konzern nicht international tätig ist. "Doch das Warenhausgeschäft ist für internationale Expansionen nicht geeignet". Konzepte, die in Deutschland funktionieren, ließen sich nicht einfach transferieren.

"Mit der Kombination aus Einzelhandel und Versand ist die Karstadt Quelle AG gut aufgestellt", meint dagegen Kay Strippel, Analyst bei Independent Research. Wenn die Konjunktur wieder anzöge, würde auch Karstadt Quelle davon profitieren. Trotzdem empfiehlt er, den Warenhaus-Titel unterzugewichten.

Experten rechnen nicht damit, dass sich der Einzelhandel schon in der zweiten Jahreshälfte erholen wird, nachdem in den Frühjahrsgutachten der Aufschwung angezweifelt wurde. "Zu der schwierigen konjunkturellen Lage kommt noch der Konsumfrust durch den Teuro", sagt Münchschwander. Eine mögliche Erholung erwartet sie für das letzte Jahresdrittel.

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