Aktie unter der Lupe
Infineon-Kursrally – trotz trüber Aussichten

Die Anleger haben den Glauben an die Infineon Technologies AG offenbar noch nicht verloren. Gestern legte der Aktienkurs des angeschlagenen Halbleiter-Produzenten um rund 8 % auf 14,80 Euro zu, während der Dax nicht vom Fleck kam.

jojo MÜNCHEN. Börsenhändler sprachen von "Schnäppchenjägern", die den niedrigen Kurs der Siemens-Tochter für günstige Einkäufe nutzen. Neue Unternehmensdaten, die den Kurs hätten treiben können, seien nicht auf dem Markt, betonte ein Unternehmenssprecher.

Der Kurssprung kommt umso überraschender, als in den vergangenen Tagen zahlreiche Banken ihre Gewinnprognosen drastisch gesenkt haben. Zuletzt hatte am Montag die Investment-Bank Morgan Stanley die Erwartungen für den Gewinn je Aktie korrigiert: Für das Jahr 2001 erwarten die Analysten jetzt einen Verlust von 0,58 Euro nach 0,46 Euro zuvor.

Nächstes Jahr wird es nach Ansicht von Morgan Stanley noch schlimmer kommen: Für 2002 gehen die Banker von einem Verlust von 1,86 Euro pro Aktie aus. Die Halbleiter-Experten bewerten die Aktie weiter mit "neutral", erwarten also, dass sich Infineon parallel zum Aktienindex Dax entwickelt. Zuvor hatten unter anderem die Deutsche Bank, UBS Warburg und Credit Suisse First Boston ihre Gewinnprognosen erheblich gesenkt.

Infineon befindet sich derzeit wie die gesamte Branche in einer tiefen Krise. Weltweit fielen die Chip-Verkäufe im August gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des US-Branchenverbands Sia um 42 %. Im Vergleich zum schwachen Umsatz im Juli ging der Absatz im August nochmals um 3,4 % zurück.

Die Halbleiter-Produzenten leiden seit Jahresbeginn vor allem unter den stark zurück gehenden Computer- und Handy-Verkäufen. Ein Ende des Abschwungs ist nach Ansicht von Sia-Präsident George Scalise frühestens im Dezember zu erwarten. Denn traditionell zieht das Geschäft gegen Ende des Jahres an.

Für dieses Jahr erwarten viele Experten aber wegen der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage, dass sich die Konsumenten vor allem in den USA stark zurückhalten. Dort hat sich der Halbleiter-Absatz im August im Vergleich zum Jahr 2000 mehr als halbiert.

Doch nicht alle Anleger teilen den Pessimismus. Am Montag kletterte das Branchenbarometer "Philadelphia Semiconductor Index" um fast 6 Prozent, nachdem sich Marktführer Intel positiv über die nächste Chip-Generation geäußert hatte. Merrill Lynch erneuerte gestern seine Kaufempfehlung für die Infineon-Aktie: "Momentan leidet Infineon zwar unter den zusätzlich anfallenden Kosten für die neue 300-Millimeter-Fabrik. Wenn das Werk allerdings erst läuft, wird Infineon aus dem Abschwung mit einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur hervorgehen." Die Münchener bauen derzeit in Dresden eine neue Fertigung, in der sie wesentlich günstiger als bisher produzieren wollen.

Darüber hinaus hat Infineon seine Investitionen halbiert und in zwei Werken Kurzarbeit eingeführt, um schnell aus den roten Zahlen zu kommen. Von April bis Juni musste Infineon einen Verlust von 598 Mill. Euro hinnehmen.

In den letzten Wochen gab es darüber hinaus immer wieder Gerüchte, Infineon würde das Geld ausgehen. Die Münchener dementierten jeweils umgehend. Die Aktie ist freilich auch nach der gestrigen Rally am Boden: Im Frühjahr notierte das Papier noch bei 50 Euro.

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