Aktie unter der Lupe
ING gilt als Lehrbeispiel für einen erfolgreichen Allfinanzkonzern

Mit der hohen Dividendenrendite von 7 Prozent im Rücken können Anleger darauf hoffen, dass ING als Versicherung und Bank auch bei einem Börsenaufschwung doppelt profitiert

DÜSSELDORF. Halb Bank, halb Versicherung: Das Allfinanzkonzept der ING Groep wurde immer in den Himmel gelobt. Doch im Abwärtssog der Finanzmärkte war die ING-Aktie doppelt betroffen. Erst traf es die Versicherungen. Und ING. Dann folgten die Banken in das Tal der Tränen. Und die ING-Aktie war wieder dabei. Das Papier des Allfinanzkonzerns verlor in diesem Jahr fast 50 Prozent, allein im September über 20 Prozent. Zum Vergleich: Der Euro Stoxx 50-Index verlor im September nur gut 6 Prozent.

Ralf Breuer, Analyst bei WestLB Panmure, hält den Kurssturz für übertrieben. Er bezeichnet das Geschäftsmodell INGs als "das ausgewogenste des Universums". Die 1991 entstandene ING hat in zehn von elf Jahren das langfristige Ziel eines operativen Gewinnanstiegs von 12 Prozent erreicht oder sogar übertroffen. Sowohl Management als auch die Markt- und Produktstellung seien hervorragend, meint Breuer.

"Die Halbjahreszahlen haben gezeigt, dass das Geschäft auf stabilen Beinen steht", sagt Arne Jockusch Analyst bei der Privatbank Merck Finck & Co. ING hat im ersten Halbjahr mit einem operativen Gewinn von 2,35 Milliarden Euro oder 1,22 Euro je Aktie deutlich besser abgeschnitten als erwartet. Das Ergebnis sank nur um 2 Prozent statt der von den Analysten prognostizierten 12 Prozent. Das Unternehmen hält unverändert an seiner Prognose fest, den Gewinn auch dieses Jahr zu steigern. Vorstandschef Ewald Kist will das Ergebnis je Aktie von 2,20 Euro aus dem Vorjahr übertreffen. Nach Ansicht von Arne Jockusch kommt dem Unternehmen vor allem zu Gute, dass die Geschäftsfelder Banken und Versicherungen auf Konjunkturschwankungen zum Teil gegenläufig reagieren. So war im ersten Halbjahr das Versicherungsgeschäft der Wachstumsmotor und kompensierte den Einbruch im Bankenbereich. Das Ergebnis im zweiten Quartal lag auf Rekordniveau, allerdings geschönt durch den Verkauf von Beteiligungen. Im Bankbereich erhöhte ING seine Risikovorsorge um 350 auf 625 Millionen Euro. Vor zwei Jahren waren die Bankgeschäfte noch die treibende Kraft im ING-Konzern.

Das Allfinanzkonzept bei ING sehen Analysten im Gegensatz zur Allianz in einem viel fortgeschrittenerem Stadium. Das Investment-Banking unter dem Dach von ING-Barings wurde frühzeitig zurückgefahren. Im Retailgeschäft verzeichnet die ING-Direkt rasantes Wachstum. Die Kundenzahl stieg im ersten Halbjahr dieses Jahres um mehr als die Hälfte auf vier Millionen.

Die besondere Stärke von ING sehen Experten im Verkauf. "ING profitiert dabei von seinem ausgedehnten Vertriebsnetz, auf dem sämtliche Produkte angeboten werden", meint Mark Koning, Analyst bei Iris/Robeco. Das Unternehmen hebe mit dieser Strategie erhebliche Synergieeffekte. In Belgien verkauft ING bereits 80 Prozent der Lebensversicherungen über den Bankschalter.

Die stabile Gewinnentwicklung erlaubte es den Holländern in der Vergangenheit, im Ausland immer wieder auf Einkaufstour zu gehen. Dabei hat es ING durch behutsame Investitionen geschafft, sowohl im Versicherungs- und Bankgeschäft als auch im Asset Management profitabel zu wachsen. Mit dem Kauf von Reliastar und Aetna katapultierte sich ING unter die Top-Drei der US-Lebensversicherer. In Asien und Lateinamerika zählt das Unternehmen ebenfalls zu den Marktführern. In Deutschland tragen die BHF-Bank und die Online-Bank Diba das ING-Label.

"ING geht dabei keine Abenteuer ein. Profitables Wachstum ist wichtiger als Größe", urteilt Breuer. Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, werden hingegen konsequent ausgelagert, wie jüngst das Custody-Geschäft an die Bank of New York.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 für das Jahr 2002 ist die Aktie günstig bewertet. Die Allianz, die noch viel Restrukturierungsarbeiten bei der Dresdner Bank leisten muss, wird mit einem 2002er-KGV von 13 bewertet. Mit der hohen Dividendenrendite von 7 Prozent im Rücken können Anleger zudem darauf hoffen, dass ING als Versicherung und Bank auch bei einem Börsenaufschwung doppelt profitiert.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%