Aktie unter der Lupe
ING plant Expansion in Deutschland

Der niederländische Allfinanzkonzern ING hat sich vom Schock des 11. September erholt und will in Deutschland expandieren. Vor allem von der Riester-Rente erhofft sich ING hier zu Lande ein profitables Geschäft. In den USA will der Konzern mit Hilfe von Kosteneinsparungen die Gewinneinbrüche wettmachen.

HB BRÜSSEL. Ewald Kist, Chef der Internationale Nederlanden Groep N.V. (ING), musste den Allfinanzkonzern zuletzt durch schwere Turbulenzen steuern. Nachdem die Anschläge von New York und enttäuschende Quartalszahlen für einen Knick im Aktienkurs von ING auf ein Jahrestief von 22 ? sorgten, sehen Analysten nun wieder Potenzial. "ING ist sehr gut aufgestellt", sagt Mark Koning, Analyst bei der Rabeco Groep und rät seinen Anlegern zum Kauf. Auch Ralf Breuer von WestLB Panmure meint, ING sei mit heute 29 ? zu niedrig bewertet. Seit Jahresbeginn hat das ING-Papier rund ein Drittel seines Wertes verloren. Der Analyst hält 37,50 ? "für einen fairen Preis".

Dabei stehen ING-Boss Kist und sein Vorstand vor einer Reihe anspruchsvoller Aufgaben: Der Konzern muss die Zukäufe der US-Versicherer Aetna und Reliastar aus dem vergangenen Jahr integrieren und zudem die Ziele der geplante Expansion auf dem deutschen Markt erreichen. Besonders das US-Geschäft enttäuschte im dritten Quartal die Anleger: Der Vorsteuergewinn der Versicherungssparte in den USA, Kanada und Mexico brach um 39 % ein. ING hat nun reagiert. In der vergangenen Woche kündigte der Konzern an, 1 600 Mitarbeiter in den USA zu entlassen, um Kosten von 300 Mill. $ einzusparen. Analysten werten den Schritt positiv: "Es ist wichtig, dass ING seine Kostenbasis reduziert", sagt Cor Kluis von Rabo Securities, "die war nämlich viel zu hoch".

Die Expansion in den USA kann sich für ING auszahlen. Aetna gilt in der Branche als gute Vertriebsplattform mit einer breiten Kundenbasis. Trotz der Folgekosten der Terroranschläge, die sich bei ING auf etwa 600 Mill. ? belaufen, stehen die Zeichen für das Versicherungsgeschäft in den USA gut: "Die Konsumneigung ist zurückgegangen und es gibt ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein. Die Amerikaner geben heute mehr Geld für klassische Lebensversicherungen aus", sagt WestLB-Panmure-Analyst Breuer. Anders als bei den an Fonds gebundenen Policen, erzielen die Versicherer bei den klassischen Policen viel höhere Margen.

ING baut Standbein Diba aus

Rabeco-Analyst Koning sieht für ING die Chance, Knowhow und Produkte aus den USA für den boomenden Markt mit der privaten Altersvorsorge in Europa zu nutzen. Der deutsche Markt hat für ING Vorrang. "Für die Versicherer aus den Benelux-Ländern wie Axa oder ING ist die Riester-Rente natürlich sehr interessant", meint Analyst Breuer.

ING-Chef Kist hatte im Oktober angekündigt, den Anteil der Niederländer an der Deutschen Direktbank (Diba) von 49 % auf 70 % zu erhöhen. Presseberichten zufolge schloss Kist nicht aus, später auch das verbleibende Drittel von der gewerkschaftlichen Beteiligungsgesellschaft BGAG zu übernehmen.

Mit der Diba hat Kist ehrgeizige Pläne: In drei Jahren soll die Zahl der Kunden von heute 700 000 auf 2 Millionen steigen. Laut Analyst Breuer "ist das realistisch". ING will nun in Deutschland die Aktivitäten im Direct-Banking und im Versicherungssektor integrieren. Den Kunden sollen Produkte aus beiden Geschäftsbereichen angeboten werden.

Die niederländische Allfinanzkonzern wird in Deutschland immer wieder mit der Commerzbank in Verbindung gebracht. Insider vermuten jedoch, dass sich die Niederländer eher für den Kauf einer deutschen Versicherung interessieren.

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