Aktie unter der Lupe: Init spürt die leeren öffentlichen Kassen

Aktie unter der Lupe
Init spürt die leeren öffentlichen Kassen

Auftragseinbrüche in Deutschland, aber Zuwächse im europäischen Ausland und in den USA: Die auf die Ausstattung von Bussen und Bahnen mit Soft- und Hardware spezialisierte Init AG sieht künftig besonders im Ausland großes Absatzpotenzial. Zudem sorgt eine geplante Akquisition für Phantasie.

FRANKFURT/M. Als unbescholten galt die Init-Aktie nur bis zum vergangenen Herbst. Da nämlich musste das seit Mitte 2001 am Neuen Markt gelistete Karlsruher Telematik-Unternehmen, das bis dato stets seine Prognosen eingehalten hatte, überraschend eingestehen, dass der für 2002 geplante Umsatz von 40 Mill. Euro nicht zu schaffen sei. Lediglich die etwas über 31 Mill. Euro des Vorjahres könnten wohl erreicht werden. Weitere Hiobsbotschaften bleiben den Anlegern, deren Aktien seither von etwa neun Euro auf drei Euro fielen, zurzeit wohl erspart. Gründer und Vorstandschef Gottfried Greschner bestätigte dem Handelsblatt, dass die revidierte Umsatzzahl wohl erreicht wird.

Dabei soll dann nach Schätzung von Ronald Reepel von Independent Research - der einzige Analyst, der Init noch beobachtet - ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,2 Mill. Euro erzielt werden (2001: 4,0 Mill. Euro). Grund für die schlechter als erwartet ausgefallenen Zahlen sind die leeren Kassen der deutschen Kommunen. Gegenüber 2001 ist hier der Auftragseingang um 40 Prozent zurückgegangen. Bereits fertig gestellte Projekte, aber auch Folgeaufträge wurden nach hinten verschoben. Dafür stieg der Umsatzanteil von Init im europäischen Ausland und in den USA. Vor dem Hintergrund einer erwünschten regionalen Diversifikation bezeichnet Reepel dies in einer aktuellen Studie als positiv. Unter anderem deswegen rät er auch zum Kauf der Aktie.

Ebenfalls zeichnet sich ab, dass sich das Umsatzgewicht in den beiden Geschäftsbereichen mobile Telematik und Software & Services immer mehr angleicht. Noch vor kurzem hatte der Bereich mobile Telematik - hier geht es vor allem um Zahlungssysteme in Bussen und Bahnen - ein doppelt so hohes Gewicht wie der Software-Bereich, in dem es um die Optimierung von Abläufen in Verkehrsbetrieben geht. Vom Software-Bereich verspricht sich Init großes Potenzial. Das Spektrum geht von Betriebsleitsystemen über Fahrgastinformationen bis hin zum Betriebshofmanagement und einem Fahrgastzählsystem. Die individuellen Anwendungsmöglichkeiten sind riesig

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In London, wo die Busse in sehr kurzem Abstand fahren, stattete Init beispielsweise kürzlich 30 Fahrzeuge eines privaten Busunternehmens mit einem GPRS-System aus, das den Fahrer stets über den Standpunkt des vorausfahrenden Busses informiert und deswegen ein mögliches Hinterherfahren verhindert. "Das Potenzial dort zeigt sich allein daran, dass es in London 16 private Busunternehmen mit 1 000 Fahrzeugen gibt", sagt Gottfried Greschner. Einziger Nachteil derzeit: Die Projektlaufzeiten sind im Software-Bereich mit 18 Monaten deutlich höher als in der mobilen Telematik, wo neun bis zwölf Monate die Regel sind. Entsprechend länger muss Init Entwicklungskosten vorstrecken, ehe Umsätze fließen. Auf derzeit knapp fünf Mill. Euro beläuft sich die Summe der immateriellen Vermögenswerte. Sie soll laut Greschner zumindest nicht wachsen.

Etwa neun Mill. Euro hat Init noch in der Kasse. Diese Summe könnte schrumpfen, denn die Karlsruher sind auf der Suche nach einem geeigneten Übernahmekandidaten. "Es könnte sich schon bald was tun", deutet Greschner an. Mit der Berliner Iris GmbH und der Hamburger ID Systeme hält Init im Moment zwei Beteiligungen.

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