AKTIE UNTER DER LUPE
Intel: Viel Forschung birgt Phantasie

Wochenlang lastete eine mögliche Umsatzwarnung auf Intel. Doch als sie dann kam, stieg der Aktienkurs. Anleger hoffen, dass der Titel des Chipherstellers den Boden erreicht hat. Nach Meinung der Analysten bleibt das Umfeld zwar schwierig, aber der Weltmarktführer profitiere von seiner Stärke und Forschung.

DÜSSELDORF. Eigentlich können die Perspektiven nicht günstiger sein. Intel leidet unter der Marktschwäche aller Chipwerte und schockiert die Öffentlichkeit auch noch mit einer Umsatzwarnung, doch der Aktienkurs steigt daraufhin. Analysten kommentierten das Ereignis damit, dass die schlechten Nachrichten einschließlich einiger Herabstufungen durch Investmentbanken bereits berücksichtigt gewesen seien. Folglich war der Kurs nach unten abgesichert. Das Börsenschwergewicht hat seit September knapp 60 % an Wert verloren.

Intel setzte mit der Umsatzwarnung die Negativprognosen führender Technologie-Unternehmen in den USA fort. Wie zuvor Apple, Motorola und Gateway begründete auch der Chiphersteller den schlechteren Ausblick mit einer gedämpften Produktnachfrage. "Wir glauben, es gibt eine weltweite Abschwächung der Wirtschaft", sagte Intel-Finanzchef Andy Bryant. Folglich würden die Erlöse lediglich auf Vorjahresniveau liegen. Bislang war ein Zuwachs zwischen vier und acht Prozent erwartet worden.

"Das Jahr 2001 wird für das PC-Geschäft schwierig. Im günstigsten Fall wächst der Umsatz in der Branche um 15 Prozent. Doch steigende Fixkosten und sinkende Stückpreise drücken doppelt auf die Kurse", meint Klaus Lüpertz von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auf dem inzwischen stark ermäßigtem Kursniveau stuft der Technologie-Analyst die Aktie lediglich auf "Halten" ein.

Schwäche auf dem PC-Markt allgemein bekannt

Andere Bankhäuser sehen angesichts des scharfen Kurseinbruchs wieder günstigere Perspektiven. Nach Auffassung von Terry Ragsdale von JP Morgan war die Schwäche des PC-Marktes bereits allgemein bekannt. "Früher oder später musste Intel die Gewinnwarnung bekannt geben." Ragsdale geht von einer Kurserholung der Intel-Aktie aus, sobald Anleger wieder verstärkt in den Halbleitermarkt investieren.

Ungeachtet der Umsatzwarnung erwartet die Canadian Imperial Bank of Commerce eine positive Kursentwicklung. Sie stufte das Papier unmittelbar nach der Intel-Ankündigung mit einem Kursziel von 42 Dollar von "Halten" auf "Kaufen" hoch. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston behält ihre Kaufempfehlung bei, obwohl sie ihre Gewinnprognosen für das vierte Quartal und für das kommende Jahr nach unten revidierte. Auch Lehman Brothers und Goldman Sachs setzten ihre Prognosen herab.

"Intel ist immer noch der führende Chiphersteller. Auf diesem Niveau ist die Aktie ein Kauf", meint Jan Mahlstedt von WestLB Research. Positiv sei zu werten, dass bei Intel gut zehn Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung fließen. "Die Schwäche des Chipherstellers wird durch neue Entwicklungen kompensiert", ist sich Mahlstedt sicher. "Ein neuer Mini-Chip ermöglicht Realtime-Übersetzungen während eines Telefongesprächs", verweist Mahlstedt auf die jüngste Technologie des Weltmarktführers, die am Montag in San Francisco vorgestellt wurde.

Chips werden noch kleiner und noch schneller

Mit Hilfe winziger Prozessor-Bausteine will Intel künftig kleine und zehn Mal schnellere Microchips als bisher fertigen. So sollen Computer und mobile Geräte so leistungsfähig sein, dass speicherintensive Funktionen wie sprachgesteuerte Menüführung und Simultan-Übersetzungen kein Problem mehr darstellen. Intel hofft, die Leistungsfähigkeit der Computer zu steigern und die Kosten für Microprozessoren zu verringern. Die ersten Transistoren der neuen Generation sollen im Jahr 2005 in die Massenproduktion gehen.

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