Aktie unter der Lupe
IT-Dienstleister Augusta spaltet die Analysten

Eine Gewinnwarnung und die abgesagten Börsengänge zweier Töchter sorgen für Verunsicherung. Zudem sind sich Analysten nicht einig, ob Augusta Technologie eine gefährlich hohe Nettoverschuldung aufweist. Für Anleger interessant: Das Unternehmen schüttet eine Dividende aus.

DÜSSELDORF. Die Tochter geht, die Mutter kommt. Wenn am 20. September nach Börsenschluss einige Indizes der Deutschen Börse neu zusammen gesetzt werden, wird die Augusta Technologie AG in den Auswahlindex Nemax 50 aufgenommen. Dafür muss mit Pandatel ein Unternehmen den Index verlassen, das zu 57,90 % zu Augusta Technologie gehört.

Die Aufnahme in den Nemax 50 sorgte bei dem Frankfurter IT-Dienstleister für ein Kursfeuerwerk: Seit Mitte August, als die Index-Umstellung bekannt wurde, hat der Kurs um mehr als 50 % zugelegt. Das Ende des Höhenflugs kam jedoch prompt mit einer Gewinnwarnung, der ersten des Unternehmens. Die bezog sich auf das Segment IT-Systems, eines von drei Standbeinen des Unternehmens. Bereits im ersten Quartal des Jahres hat dieser Bereich ein nur knapp positives Ergebnis vor Steuern erwirtschaftet, während die beiden anderen Bereiche Sensor Systems und Communication Systems jeweils mehr als eine Mill. Euro vor Steuern verdienten.

Gute Nachrichten kommen von der Augusta-Tochter ND SatCom. Für 35 Mio. Euro hat das niederländische Verteidigungsministerium den Auftrag für ein Satellitenkommunikationsnetz an die Frankfurter vergeben. Weitere Großaufträge für das Netzwerkgeschäft von Augusta kamen in den vergangenen Monaten von Intelsat und von der Regierung Österreichs, die ihre Botschaften ebenfalls mit Satelliten-Kommunikationssystemen ausstatten lässt.

Peter Rothenaicher von der Hypo-Vereinsbank beurteilt die Finanzlage von Augusta Technolgie kritisch. Er schreibt in einer aktuellen Studie: "Einem gesunkenen Beteiligungswert steht eine unverändert hohe Netto-Verschuldung gegenüber". Die Hypo-Vereinsbank stufte ihre Empfehlung prompt auf "underperform" herab.

Als "eine Wette auf die Konjunktur" dagegen bezeichnet Ralf Walter, Fondsmanager des ADIG-Neuer-Markt-Fonds, die Augusta-Aktie, die er in seinem Fonds hält. Wenn die Stimmung an den Märkten wieder besser wird, habe auch die Augusta-Aktie wieder Potenzial nach Oben. Für ihn ist auch die "hohe Verschuldung kein Problem, weil eine Wandelanleihe bis 2005 läuft". Insbesondere sei der cash-flow "ok", sagt Walter. Zufriedenstellend sei auch der Umsatz, stellt der Fondsmanager fest.

Für Anleger ist allerdings erfreulich: Augusta ist eines der ganz wenigen Unternehmen am Neuen Markt, das eine Dividende ausschüttet. 2001 und 2002 sind es zehn Cent pro Aktie, im nächsten Jahr sollen es 0,23 Cent sein.

Dennoch dürfen die schlechten Nachrichten nicht aus den Augen verloren werden. Die für das laufende Jahr eigentlich geplanten Börsengänge der Augusta-Töchter ND SatCom und Flat-Panel sind zumindest für 2002 abgesagt. "Ein erfolgreicher Börsengang ist im derzeitigen Marktumfeld einfach nicht zu erwarten", sagt Augusta-Finanzvorstand Udo Zimmer. Auch habe seine Firma das Geld nicht in die Jahresplanung miteingerechnet. Dennoch befürchtet ADIG-Fondsmanager Walter, das nun Geld für weitere Beteiligungen fehlt: "Wenn oben nichts reinkommt, kann auch unten nichts rauskommen".

Von seinem Höchststand bei fast 50 Euro im Frühjahr 2000 ist der Wert auf zeitweise 3,44 Euro vor wenigen Wochen abgestürzt. Größere Kurssprünge sind in naher Zukunft nicht zu erwarten. ADIG-Banker Walter würde "die Aktie nicht auf diesem Wert verkaufen", langfristig würde er "sogar einsteigen".

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