Aktie unter der Lupe
Itelligence ist am Ende der Talsohle

Nach starken Verlusten im vergangenen Jahr und einem konsequenten Sparkurs nähert sich der IT-Dienstleister Itelligence wieder der Gewinnzone. Aber die Branche birgt immer noch Risiken.

FRANKFURT/M. Nicht schön, aber konsequent: So ließen sich die Abschreibungen von 0,9 Mill. Euro auf Firmenwerte und von 3,8 Mill. Euro auf die im Jahr 2000 teuer erworbene Anteile an Heiler Software bezeichnen, die der Bielefelder IT-Dienstleister Itelligence gerade vorgenommen hat. Der Verlust nach US-Gaap ist deshalb in den ersten neun Monaten auf 6,6 Mill. Euro (nach einem Minus von 4,8 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum) angewachsen. Das operative Ergebnis (Ebit), in dem diese Abschreibungen nicht enthalten sind, zeigt hingegen ein makelloses Bild: Nach Verlusten 2001 liegt es wieder deutlich im Plus. Die im ersten Halbjahr eingeleitete Restrukturierung trägt also Früchte. Und das leidige Thema Heiler-Aktien ist endgültig vom Tisch.

Auch ansonsten zeigt sich bei Itelligence ein gewisser Aufwärtstrend. Trotz schwieriger Zeiten für die IT-Branche liegen die Bielefelder mit ihren Aufträgen für das Gesamtjahr im Plan. Umsätze von knapp 183 Mill. Euro bei leicht positivem Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (Ebit) werden erwartet. Entscheidend ist dabei wie immer die Entwicklung im Dezember. "Wir sind positiv gestimmt, Euphorie herrscht hingegen nicht", sagt Itelligence-Chef Herbert Vogel.

Dafür sitzt wohl noch zu sehr der Schock des vergangenen Jahres in den Gliedern, der die Restrukturierung erst nötig machte. Mit den Auslandstöchtern in Italien, Spanien und USA hatte Itelligence drei "Baustellen", die satte Verluste schrieben. Inzwischen liefern die Niederlassungen in Spanien und den USA seit zwei Quartalen wieder schwarze Zahlen, nur Italien bereitet noch Sorgen. Dort sei ein weiterer Restrukturierungsbedarf nicht auszuschließen, hieß es kürzlich aus dem Hause Independent Research. Trotzdem empfehlen die Analysten dort Itelligence-Aktien zum Kauf. Grund dafür ist, dass alle Sektoren des Unternehmens - also SAP Beratung, Individual IT, Lizenzen und Outsourcing - im laufenden Jahr eine stabile Entwicklung zeigten.

Mit Abstand größter Umsatzbringer ist mit 59 % der Bereich SAP Beratung. Auf die im laufenden Jahr deutlich gesunkenen Tagessätze in diesem Bereich hat man inzwischen mit reduzierten Personalkosten reagiert. Innerhalb der internationalen Mittelstandsoffensive von SAP ist Itelligence umsatzstärkster Partner.

Das Beratungsgeschäft ist dabei häufig auch Türöffner für Anschlussgeschäfte im Bereich Outsourcing. Engere Budgets lassen die Kunden mehr als früher über dieses Thema nachdenken. Gerade deshalb sieht Itelligence hier auch seine Chancen. Von derzeit noch 18 % soll der Outsourcing-Anteil am Gesamtumsatz bis 2004 auf über 30 % steigen. Das Hauptrechenzentrum in Bautzen, das Itelligence 1998 von Philips übernommen hat, ist im Moment erst zu einem Drittel ausgelastet. Es bietet somit reichlich Platz für Neukunden, die nach Vogels Aussage entsprechende Services bereits in den letzten Monaten stark nachfragten.

Hingegen wurde aber die Consulting-Sparte von der Zurückhaltung auf Investorenseite deutlich getroffen. Sie erwirtschaftete fast 10 % weniger im Vergleich zum Vorjahr.

Gespalten ist deshalb das Investorenecho. Während Thorsten Reigber von der DZ-Bank vorsichtig optimistisch zum "Akkumulieren" rät, hat Gerrit Rohleder von Eqinet seine Planzahlen bis ins Jahr 2004 nach unten korrigiert. Wegen der hohen Abschreibungen rechnet er nun für das laufende Jahr mit einem Verlust je Aktie von 0,33 Euro (vorher-0,06). Einen Gewinn von 0,08 Euro je Aktie prognostiziert er für das kommende Jahr, 2004 sollen es 0,13 Euro sein. Schwarze Zahlen werden Itelligence im kommenden Jahr nach der positiven Entwicklung der letzten Quartale in jedem Fall gelingen, glaubt Rohleder. Den von vielen Unternehmen der IT-Branche bereits für 2003 erhofften Aufschwung sieht er allerdings nicht.

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