Aktie unter der Lupe
Jenoptik kämpft mit dem Image des bösen Börsen-Buben

Schnell und überraschend rauschte der Jenoptik-Kurs Anfang September in die Tiefe: Von Höhen um die 17 Euro stürzte das Papier hinab und dümpelt heute bei 10 Euro - und damit bei einem Wert weit unter jenen 20 Euro, die die Aktie von Dezember bis Mai dieses Jahres locker erreichte.

va BERLIN. Über dieses Phänomen spricht nicht nur das Management des Jenaer Mischkonzerns mit verwundertem Entsetzen, als handele es sich um den Abstieg von Hertha BSC in die zweite Bundesliga. Auch Analysten sind offenbar befremdet. "Die Bewertung ist ein Witz", schimpft beispielsweise Burkhard Weiss von der Commerzbank. Er fände einen Jenoptik-Kurs von über 20 Euro immer noch angemessen, allerdings eher mittelfristig. "Denn wenn man erstmal zum bösen Buben abgestempelt wurde, braucht man eine Weile, um sich davon zu erholen." Die schlechten Noten von der Börse halten auch seine Kollegen Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim und Dirk Schlump von der DZ-Bank für übertrieben.

Grund für den Kurssturz der im MDax notierten Aktie waren im wesentlichen Medienberichte, nach denen der Jenoptik-Vorstandsvorsitzende Lothar Späth sein unternehmerisches Schaffen in der Bilanz besser darstelle, als es ist, um in der Bundestagswahl zu punkten. Dem wiedersprechen alle drei Analysten. "Das Management in Jena kaschiert nichts", so Wagner.

Anlass zu Misstrauen gab die Tatsache, dass Jenoptik zwar ein positives Ergebnis im ersten Halbjahr ausweisen konnte, dies jedoch dem Verkauf von 43,5 % an der Risikokapitaltochter Deutsche Effecten und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG (DEWB) zu verdanken hatte. Auch wegen der hohen Verluste der Konzernsparte Clean Systems wäre das Ergebnis sonst negativ gewesen. Fakt ist allerdings: Die Konzernsparte hat auch in den vergangenen Jahren häufiger erst in der zweiten Jahreshälfte ihre Gewinne eingefahren, was das Unternehmen alljährlich mit den Abrechnungsgepflogenheiten in dieser Sparte begründet. Clean Systems baut beispielsweise Reinräume für Halbleiterfabriken. Auch der Vorwurf, Jenoptik hätte den Verkauf der DEWB gesondert ausweisen müssen, ist falsch. Denn der Verkauf von Beteiligungen gehörte bisher zum Kerngeschäft des Unternehmens.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Bewertung der DEWB. Auch daran ist aber offenbar nichts ungewöhnliches: Nach Angaben eines DEWB-Sprechers hat das Management diesen Wert wie üblich berechnet, nämlich: Börsenkapitalisierung minus Buchwert.

Anrüchig erschien manchen außerdem, dass Jenoptik diesen Anteil an der DEWB an den vor kurzem gegründeten Verein Jenoptik Pension Trust verkauft hat, in dem neben Immobilienvermögen auch die Pensionsverpflichtungen des Konzerns gebündelt sind. Hier sei darauf verwiesen, dass auch andere Industrieunternehmen, Siemens etwa, Pensionsverpflichtungen aus ihrem Konzern ausgegliedert haben.

Wie es scheint, kann also von Trickserei und Schönfärberei in einem bedenklichen Ausmaße nicht die Rede sein. Die Bankhäuser Sal. Oppenheim und Commerzbank raten deswegen zum Kauf der Jenoptik-Aktie. Die Konzern-Sparten Photonics und Clean Systems entwickelten sich gut. Photonics, die etwa optische Geräte herstellte, werde auch weiterhin wachsen. Auch der Auftragsbestand von Clean Systems entwickele sich der weltweit schwierigen Marktlage zum Trotz prächtig.

Etwas kritischer sieht dies Dirk Schlamp von der DZ-Bank. Seiner Meinung nach "dürfte Jenoptik bis 2004 die selbst gesteckten Umsatz- und Ertragsziele auf jeden Fall erreichen". Danach könne es aber - wegen der nach wie vor schwierigen Lage in der Halbleiterindustrie schwierig werden.

Quelle: Handelsblatt

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